Galgenhumor. Zweifel. Schuld.

Früher habe ich mich immer über Menschen geärgert, die mit Galgenhumor gewisse Sachen verarbeiten. Ich erinnere mich da an eine gewisse Begebenheit mit einem mir damals (heute auch, aber auf eine andere Art) sehr bedeutenden Menschen. Es ging um eine ebenfalls sehr bedeutende Sache & die einzige Art, wie derjenige offensichtlich damit umzugehen schien, war eben der besagte Galgenhumor. Ich war erschüttert, wie man so mit gewissen Sachen umgeht & sie sogar offen ausspricht. Vllt lag es auch einfach daran, dass es um mich ging. Irgendwie. Ich jedenfalls einen entscheidenden Teil der Geschichte einnahm. & diesbezüglich galgenhumoristisches Verhalten manchmal unangebracht ist, wenn man Menschen nicht kränken möchte.
Ich weiß nicht, ob sich meine Meinung dazu geändert hat oder es einfach ein Teil des Älterwerdens ist, eine Angewohnheit, die man ich von bedeutenden Menschen angewöhnt hat oder einfach eine grundsätzliche Änderung aus Erfahrungen, wie man mit Sachen am besten umgehen kann.
Ich bin immer noch der Meinung, dass Galgenhumor, solange es andere Menschen betrifft, nicht unbedingt angebracht ist. Das ist meine bescheidene Meinung, aber das darf jeder anders sehen. Ich persönlich finde, dass die Chance, Menschen durch seine Äußerungen zu verletzen, viel zu groß ist. Liegt vllt aber auch einfach daran, dass ich meist nur auf sachlicher Ebene diskutiere. Was nicht unbedingt von Vorteil ist, wie ich weiß.

Anders verhält sich das mittlerweile mit Sachen, die mich & nur mich allein betreffen. Wo es grundlegend nur um meine Gefühle geht. Todesfälle, Unfälle, was weiß ich. Sachen, mit denen ich versuchen muss, irgendwie umzugehen. Ich für mich habe herausgefunden, dass ich da mit Galgenhumor ziemlich gut fahre.  Sachen einfach nicht so nah an mich rankommen zu lassen. Zu ändern ist in den meisten Fällen ja nichts.

Blöd wird es erst, wenn nach der Phase des Galgenhumors der Zweifel einsetzt. Das tut er nicht immer, egtl sogar in den seltensten Fällen. Ehrlich gesagt, bin ich ganz froh drum. Meist ist er sogar berechtigt, machen wir uns nichts vor.

Meine Ratte ist heute gestorben. Man mag sich jetzt vllt fragen, wieso ich wegen einer Ratte ein ganzes Fass aufmache. Es geht nicht nur um die Ratte. Wer mich kennt, weiß, dass ich einige Probleme mit ihnen hatte. Das sie mir gefühlte 250 Mal in die Hände gebissen haben, sie gern ab & an mal zum Teufel geschickt hätte oder an die Wand geklatscht hätte. & dann gucken sie Dich mit ihrem Knopfaugen an. Gut, manchmal sind sie damit auch nicht durchgekommen. Wenn grad mal wieder ’ne Bettwäsche drauf ging oder neu gekauftes Tunnel, etc. kaputt gekaut wurden. Letztendlich sind es aber doch meine Haustiere (gewesen).

Es geht mir mehr darum, dass mittlerweile eben dieser Zweifel aufkommt. Der mehr als berechtigt ist. Da kann ich mir nichts vormachen. So gern ich nun auch wirklich wollte. Für mich ist es so, als wäre ich diejenige gewesen, die über Leben & Tod entschieden hätte. & offensichtlich habe ich mich, wenn auch unterbewusst, für den Tod entschieden. Als wäre es meine Schuld, dass sie gestorben ist. Vllt bin ich’s. Vllt auch nicht. Wahrscheinlich. Aber was ändert das nun? Tot ist tot. Da ist nichts zum wiederholen, damit kenn ich mich weiß Gott aus. Ich fühle mich wie Sarah Dingens, die vor Doctor Bob rumheult, weil sie ein Tier getötet hat. So als angebliche Vegetarierin, aus Überzeugung, die vor anderthalb Jahren noch Fleisch aß. Da ist er wieder. Der Galgenhumor.

Mein Vater hielt schon nicht viel davon, als ich die Ratten mitbrachte. Er hielt noch weniger, als ich sagte, sie müsse mal zum Tierarzt. Ich will ihm damit keine Schuld zuschieben, wirklich nicht. Vermutlich hätte ich das Geld bekommen. Denke ich, glaube ich, hoffe ich. Wenig später landete er aber selbst im Krankenhaus. Heißt – jeden Tag 10 €. Heißt, am Ende des Monats war so gut war nichts mehr an Geld übrig. Er brauchte seine Medikamente, ich brauchte meine Medikamente. Wo also noch das Geld für den Tierarzt aufbringen? Natürlich, mitm Rauchen aufhören. Zugegeben, ich hab weniger geraucht. Schicksalshafterweise sind wir ein Zwei-Raucher-Haushalt. Versteht mich nicht falsch, ich will hier wirklich keinem die Schuld zuschieben, so gerne ich es aus Gewohnheit wirklich wollen würde, noch weniger will ich mich gut reden oder das, was ich getan habe oder eben nicht. Offensichtlich ging es ihr ja trotzdem gut, sie konnte fast normal rumspringen. Vllt habe ich die Lage unterschätzt. Vllt hätte ich meine Oma anrufen sollen, egal wie ungern ich das getan hätte & gefragt, ob sie mir Geld überweisen kann. Ja, wahrscheinlich hätte ich das tun sollen. Vermutlich hätte ich ihr nicht so ihr Grab geschaufelt, indirekt.

Mir geht es schlecht. Vermutlich hab ich’s verdient. Sie war ja nun auch etwas mehr als zwei Jahre alt. Alt werden sie nicht, die Ratten. 1 1/2 bis 3 Jahre. Ich könnte mir nun einreden, sie ist aufgrund ihres Alters gestorben. Ist sie aber leider nicht. Ich hab sie aus dem Käfig geholt, sie hat ja noch geatmet, in den Transportbehälter gelegt & die ganze Zeit gestreichelt. Versucht, ihren Kopf, den sie nicht mehr heben konnte, aus dem Streu zu heben. Können Ratten so was wie Selbstmord begehen? Sich selbst ersticken, weil sie merken, dass es zu Ende geht? Ich weiß es nicht. Jedenfalls hat sie gekrampft. Zwischendurch, wenn man ihre Liegeposition verändert hat. Für mich kein Zeichen von Altersschwäche.

Natürlich könnte man jetzt sagen ‚Situation fehleingeschätzt‘. Wäre das aber nicht ein einfaches Sich aus der Affäre ziehen?  Natürlich bringt es mir wenig, mir nun ein schlechtes Gewissen einzureden. Reue. So kann man’s wohl beschreiben. Ich bereue es, Sachen so fehleingeschätzt zu haben. Ich fühl mich schuldig. & diesmal vermutlich sogar mit Recht.

Ich will damit nicht sagen, dass ich ein schlechter Mensch bin. Jedenfalls nicht schlechter als die meisten Menschen auch. Ich habe einen Fehler begangen. Ich habe etwas fehleingeschätzt. Mir liegen Tiere, solange sie kein Ungeziefer sind, am Herzen. Ich quäle mit Absicht ganz sicher keine Tiere. Tierquäler würden sich nach solchen Situationen wohl mächtig einen von der Palme wedeln. Tierquäler würden Freude dabei empfinden. & vermutlich kann ich auch nicht mehr als Reue zeigen.

Abschließend ist egtl nur noch zu sagen, dass ich, als gerechte Strafe, bei Tierarzt (oder zumindest danach) kurzfristig wieder in ein altes Muster gefallen bin. Wir waren da & wenige Minuten später war sie auch schon tot. Wir sind also unverrichteter Dinge abgezogen. Unangenehm, wenn einem die Ratte einfach so im Wartezimmer wegstirbt. Vor lauter Leuten. & nun hab ich ihre Gesichter im Kopf, als wir eben wieder abgezogen sind. & denke mir, was sie wohl denken. Obwohl sie wohl gar nicht mehr weiter denken. Helau.

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~ von Miss Ann Thropy - 7. Februar 2011.

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