Damals.. in der Schule.

Ich glaube, ich überkompensiere ziemlich viel. Speziell digitale Medien. TV. Musik. Internet.
Ich hab mich aus der realen Welt rausgebeamt.
Ich schaue mittlerweile endlos viel Fernsehn.
& wenn ich das nicht tue, dann höre ich Musik. Solange, bis sie mir auf den nicht vorhandenen Sack geht. & das ist oft.
Anstatt Bücher zu lesen, lese ich mittlerweile haufenweise Blogs. Wenigstens das ergibt noch irgendwie einen ‚Sinn‘.
Wenn ich das nicht tue, dann vergeude ich meine Zeit mit schwachsinnigen Apps.
Aber was heißt vergeuden. Für den Bruchteil einer Sekunde hat man sogar Spaß.
Ja, & manchmal ist man dann sogar so weit, einen virtuellen Erfolg zu feiern. Tschaka.

Jetzt sitz‘ ich hier grad, trinke kalten Kaffee. Mach mir Gedanken über Gedanken, die ich mal hatte.
Ohne Musik. Ohne TV. Nicht mal lautlos ist das Scheißteil. Nur die vorbeifahrenden Autos. & das Brummen des Computers.
Real Life ist eine scheiß Bezeichnung. Empfinde nur ich das so?
Scheiß Anglizismen. Ich hab ein Herz für die deutsche Sprache. & beweihräuchere jeden, dem es genauso geht.

Internet.
Ich will nicht wissen, was über mich so alles im Internet rumschwirrt. Wirklich nicht.
Welche Datenfetzen auftauchen könnten aus längst vergangener Zeit.
So als ich 15 war & es äußerst cool fand, ish anstatt ich zu schreiben.
Das fehlende c von gestern ist das heutige q anstatt des gs.
Praktisch meine virtuellen 70er. Die Schlaghosen der frühen 2000er.
Wie dem auch sei. Internet.

Ich war früher wie jeder andere, mehr oder minder intelligente Mensch auch mal in der Schule.
& ich Schule war eh immer so ein Thema für sich.
Das war die Zeit, wo ich das Wort Sozialphobie nicht mal kannte.
Tatsache war nur einfach, dass die Schule einer der Orte war, die meine Anwesenheit eher selten gespürt hat.
Tatsache ist auch,dass ich versucht habe, immer möglichst unauffällig dort durchzukommen.
Mit dem fatalen Ergebnis, genau das Gegenteil zu erzielen.
Es ist mehr oder minder auffällig, wenn man alle vier Wochen morgens zum Gespräch mitm Vater antanzen muss.
Es ist mehr oder minder auffällig, dass man plötzlich ausm Unterricht geholt wird, weil mal wieder ein Gespräch mit der Klassenlehrerin & dem Vater ansteht.
Es ist mehr oder minder auffällig, wenn man mitten aus der Stunde geholt wird, um ein Gespräch mit der Vertrauenslehrerin zu führen.
Es ist mehr oder minder auffällig, wenn man immer genau dann fehlt, wenn man nicht anwesend ist, weil man ein Referat halten soll. & davon gibt es in der Abschlussklasse, weiß Gott, genug.
Ich weiß ehrlich gesagt selbst nicht so recht, ich wie es geschafft hab, doch noch einen Realschulabschluss zu bekommen.
Eine weitere Tatsache ist, dass ich Angst hatte. Eine verfluchte Scheißangst.
Die verfluchte Scheißangst kannte ich schon. Diese Angst hat mich 2001 fast dazu gebracht, dass ich mir das Leben nehme.
Das ich fast im LKH gelandet bin. das ich für knapp eine Woche im Heim gelandet bin. Dafür, dass die Polizei etliche Male nach mir suchen durfte.
Dafür, dass die Polizei meine Freunde in der Schule anrief, weil ich mal wieder abgehauen bin. Das ich bis spät abends verschwunden war. Oder auch über Nacht. Das diese Freunde mich spät abends suchen & Angst hatten, dass ich irgendwo als Wasserleiche in der Illmenau schwimme.
Diese Angst sorgte dafür, dass ich erstmals mit einer eigenen Jugendpsychologin vertraut wurde. & sie war auch der Grund dafür, dass ich mich erstmals selbst verletzte.
Ich denke, man kann sagen, ich war mit 14 ein kaputtes, terroristisches Scheißblag. Nicht, weil ich sein wollte. Nicht, weil ich so gemacht wurde. Einfach, weil es eben so war. Weil diese Angst da war.
Würde man Angst in einer Skala aufteilen, die bis 10 geht, dann wäre 10 der Tod. Jedenfalls würde man Angst zu empfinden. Oder ich. Egal.
Für mich war da diese Todesangst. Ich fand es immer angenehmer, freiwillig ausm Leben zu scheiden, als mich dieser Angst zu ergeben.
Immer, solange ich noch diese jugendliche, romantische Vorstellung vom Sterben hat.
Je älter man wird, umso unromantischer wird diese wohl. Zum Glück. Bei mir hielt sie bis 19, 20 an.
Seitdem hab ich Angst vorm Tod. Was gut aber ach schlecht sein kann.
In mir löst es manchmal ein Gefangenheitsgefühl aus. Gefangen im Leben, aber da man eben auch nicht weiß, was nach dem Tod kommt, dass da evtl etwas schlimmeres sein könnte, schlimmer als das, was man egtl schon irdisch als die Hölle empfindet, will man dieses Leben, in dem man sich hin & wieder gefangen fühlt, nicht verlassen. Ich nehme nämlich stark an, dass Tod etwas ziemlich endgültiges ist. Am angenehmsten fände ich übrigens die Methode Herzschlag aus, Leben vorbei, ab ins Nichts.
Um übrigens einigen hier den Wind aus den Segeln zu nehmen – Nein, meine nächsten Vorhaben tendieren nicht Richtung Selbstmord. Genau genommen geht es mir durch das Schreiben gerade ziemlich gut.  & solange ich am schreiben bin, wird dieses Gefühl beibehalten. Das gefällt mir. Es ist ein bisschen wie in einem Rausch, wie als wenn man betrunken ist. Ich werde einfach so viel los, dass offensichtlich doch noch so sehr in meinem Kopf, Unterbewusstsein, in den hintersten Windungen versteckt ist. Auch wenn ich, dass danach wahrscheinlich alles  wieder dazu tendiert, egal zu sein. Momentan bin & ich schreibe ich nur in diesem Moment. Wahrscheinlich sogar anders, als ich es sonst tue.

Zurück zum Thema. Da war eben diese Angst. Versagensangst, vllt. Angst, Im Mittelpunkt zu stehen. Es zu verkacken.
Ich war nie die Beliebteste auf der Schule. Mir sind oft peinliche Dinge passiert. Sachen, die ich mittlerweile egtl ganz amüsant an mir finde. Wenn Freunde dabei sind. Auf die Fresse fliegen. Etc. pp. Ich war glücklicherweise aber auch nie so arg unbeliebt, dass sie meine ganze Klasse auf mich einschoss. Ich hatte Freunde. Auch in meiner Klasse. Ja, ich wurde gemfobbt. Ich wurde oft mit von einigen Jungs aus der Parallelklasse mit der Männlichkeitsform meines Namens angesprochen. & andere Scherze. Natürlich hab ich versucht, es zu ignorieren. Man verstehe mich nicht falsch, ich will mich diesbezüglich auch nicht im Selbstmitleid laben. Es hat mich trotz allem immer mehr verletzt, als ich es immer gezeigt habe.
Ich habe schon immer die Tendenz gehabt, nicht zu zeigen, wie es mir wirklich geht. Vllt ist so was in der Schule auch immer besser gewesen.
Tja, Kinder & Jugendliche können grausam sein. Das ist nicht nur einfach ein Satz ohne Inhalt. Da steckt verflucht viel wahres drin. Ich will mich nicht mal ausnehmen. Wer weiß, vllt gibt es irgendwo auf der Welt einen Menschen, den ich auch mal später mal so ansarkastiziert habe, dass er nun mit absoluten Selbstzweifeln durch die Gegend rennt. Aber würde man seine Verletzlich- & Verletztheit zeigen, macht man sich in der Schule dann nicht zur Zielscheibe der anderen?
Mich jedenfalls hat es damals wahnsinnig verletzt. Teilweise sogar so sehr, dass ich die Stunden geschwänzt habe. Das ich das erste Halbjahr nicht mal benotet werden konnte. Ich war auch schon immer die Sorte Mensch, die extrem misstrauisch war. Zumindest seit einem Erlebnis an meiner Schulbushaltestelle. Das war ebenfalls zu der Zeit, als ich das kaputte, terroristische Scheißblag war.
Ich glaube, zu der Zeit hat mich einiges geprägt. Haben sich einige Charakterzüge entwickelt. Ich bin kein Psychologe, aber ich bin ich & meine, dass das die ersten Anfälle meiner Angst waren. An den Symptomen hat sich jahrelang nämlich nichts geändert. Nicht die körperlichen, davon hab ich meist ziemlich wenig, sondern einfach die Symptome, welche Angst ich genau empfinde. Was es ist, wovor ich Angst habe.

Ich hatte Angst, blamiert zu werden. Lächerlich gemacht zu werden. Dass über mich geredet wird. Dass ich im Mittelpunkt stehe. & nichts dagegen tun zu können.
Nicht gemocht zu werden. Oder zumindest akzeptiert/toleriert zu werden. Ich bin durch die Gegend gerannt & habe nicht verstanden, was an mir so falsch ist.
Es war für mich selbst wahnsinnig schwer, zu akzeptieren, wenn mich jemand nicht mochte, selbst, wenn ich diese Person nicht mochte. Wegen eines gewissen Perfektionismus, den ich an den Tag leg(t)e. Weil Nichtmögen auch immer ein Stück Risiko birgt.

Sozialphobiker versuchen sich immer möglichst unauffällig zu verhalten, verhalten sich dabei aber so auffällig, dass sie eben auffallen.
Kann ich so unterschreiben. Sofort.
Damals wusste niemand von meiner Angst. Geschweige denn, ich.
Klar, ich wusste, dass ich Angst habe. Ich wusste, dass irgendwas aber so was von nicht in Ordnung ist. Nur genau das, wovor ich Angst hatte, konnte ich nie in Worte fassen.
Klingt grundlegend auch erstmal scheiße, wenn Du von Deiner Klassenlehrerin sitzt & sagst ‚Ich hab Angst, aber weiß nicht, wovor.‘ Überzeugend ist anders. Glaubwürdig auch. Doch manchmal ist es schwer, seine Angst in Worte zu fassen. Es braucht Zeit. Um sie zu fokussieren.
Klingt widersprüchlich, ich weiß. Wieso den Fokus auf Angst legen, wo es doch so ein beschissenes Gefühl auslöst? Aber ist es nicht noch beschissener, nicht zu wissen, was diese Angst ist? Zu wissen, dass es jederzeit wieder passieren kann, man eben nicht den Auslöser kennt? Dass es einen wie ein Tsunami fortreißen kann?
Für die meisten war es wohl so, dass ich einfach keinen Bock auf Schule hatte. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Die Sicht aus dem Auge des Betrachters. Wäre ich mein eigener, außenständiger Betrachter gewesen, meine Sicht wäre die selbe gewesen.
So hält man lieber ein Bild von einer Nullbockschülerin aufrecht als sich Schwäche einzugestehen.

& ich glaube, genau da hat sich das Blatt gewendet. Ja, ich bin krank. Ja, ich habe Probleme. Ja, ich bin schwach. Ja, ich habe Gefühle. Ja, ich bin sensibel.
Nur im Gegenteil zu früher kann ich dazu stehen. Ich kann dazu stehen, dass ich verletzlich bin, Manchmal sogar zu sehr.
Ich kann dazu stehen, dass ich mich manchmal minderwertig fühle.
Ich kann dazu stehen, dass ich krank bin & versuche, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
& weil ich eben genau das kann, bin ich vermutlich genau das Gegenteil von schwach.

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~ von Miss Ann Thropy - 18. Februar 2011.

Eine Antwort to “Damals.. in der Schule.”

  1. […] ohne dafür eine Erklärung zu haben. Erlebte Sachen haben sich in schwacher Form wiederholt. Situationen, in denen sich über Dich lustig gemacht wird. & plötzlich war diese Angst wieder da. Ich weiß nicht, wieviel Referate ich egtl halten […]

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