Begleiteter Freitod.

Ich habe gerade Extra geguckt. Gut, zugegeben, klingt eher unspektakulär.
Dort war ein psychisch kranker Mann zu sehen. Auch eher unspektalulär in der heutigen Zeit.
Weniger unspektakulär ist jedoch die Tatsache, dass sich dieser Mensch für den Selbstmord entschieden hat. Noch weniger unspektakulär ist, dass er sich einen Monat lang vor seinem ‚Freitod‘, wie er es nannte, von einem Kameramann begleiten ließ, der die Abschiede von seinen Freunden, etc. filmen sollte. Dieser Mann litt an manisch-depressiven Phasen. Ebenfalls lebte er in der Schweiz, wo, anders als in Deutschland, Sterbehilfe erlaubt ist. Ihm sei sein Leben genug, sagte er. Er sei austherapiert, sagten die Psychiater & Therapeuten. Sie werden ihn begleiten, sagte eine Freitodbegleitungsagentur.
Ich will nicht sagen, dass mich dieser Beitrag verstört hat. Ich kenne genug sehr depressive Menschen, die auch kurz davor standen, sich das Leben zu nehmen, trotz fabelhafter physischer Gesundheit. Ich denke, ich übertreibe auch nicht, wenn ich sage, dass auch ich oft genug diese Möglichkeit in Betracht gezogen habe. & ich möchte auch weiß Gott keinen verurteilen, der sich aufgrund seiner Depression, so ich mich auch nicht mal in Manisch-Depressive reinversetzen kann, Selbstmord begeht. Man mag mich jetzt sogar dafür verurteilen, wenn ich sage, ich finde es vollkommen legitim, Menschen, die noch noch durch Maschinen am Leben erhalten werden, weder sprechen, schreiben oder sonst etwas humanes können aus rumliegen, Sterbehilfe zu leisten. das hat für mich nicht mehr viel mit Leben zu tun.

Um auf den eigentlichen Punkt zurück zu kommen. Dieser Beitrag hat sehr viele Fragen bei mir aufgeworfen. Mal abgesehen davon, dass ich finde, dass man psychisch Kranken, die sich sonst körperlicher Gesundheit erfreuen, keine Sterbehilfe leisten sollte, weil es, meines Erachtens nach, durch die Krankheit ausgelöst wird, & das vermeine ich auch zu sagen, ohne einen Uniabschluss in Psychologie zu haben, finde ich.. Ist Freitod dort die wirklich richtige Bezeichnung? Wie ein weiterer Kranker, der ebenfalls versucht hat, sich das Leben zu nehmen, auch sagte, dass die Krankheit solche Gedanken auslöst & einen denken lässt, dass man es nicht mehr aushält (vllt sogar faktisch), finde ich es alles andere als frei. Ich meine zu glauben, wenn dieser Mensch keine manischen (unter denen er mehr gelitten hat als unter den depressiven) & depressiven Phasen hätte, also diese Krankheit nicht vorhanden wäre, der Gedanke an Selbst-, Frei- oder wie auch immer man diesen Tod nennen möchte. Für mich ist das keine freie Entscheidung. Es ist die Entscheidung eines Menschen, der sich durch seine Krankheit gepeinigt fühlte. Dieser Mensch hat Rotz & Wasser geheult, als er sich von seinen Freunden verabschiedet hat. & auch wenn er sagt, dass sie ihn nicht vom Freitod abhalten können, frage ich mich – Wieso heult dieser Mensch dann Rotz & Wasser? Natürlich gewinnt man Freunde lieb. Sonst wären sie keine Freunde. Aber sind sie nicht auch ein Grund zu leben, wenn man schon wie ein Schlosshund losplärrt?

Eine weitere frage, die sich mir stellt ist natürlich, wieso es dieser Mensch für nötig hielt, dieses ganze Prozedere mitfilmen zu lassen. Die ganzen Momente, des Abschieds mit den Freunden, die bestimmt auch nicht schöner werden, wenn die ganze Zeit die Kamera drauf gehalten wird. Die extreme Sicherheit, es zu tun. Mir möchte nur einfach der Grund, so etwas (nicht der Selbstmord, sondern die Filmerei) zu tun, einfach nicht in den Schädel. Vllt hänge ich da wieder zu sehr mit meinem logischen Denken zusammen, aber so eine Reportage muss doch eine Message (scheiß Anglizismen) haben.
& die einzige Message, die sich mir irgendwie eröffnet hat, ist, dass es vollkommen okay ist, dabei zuzusehen, wie sich ein psychisch kranker Mensch das Leben nimmt & das auch tolerieren. Ist ja erlaubt, da, in der Schweiz. Vllt ein Tabu, aber es ist erlaubt.
Das es vollkommen okay ist, sich als psychisch kranker Mensch das Leben zu nehmen.
& verdammte Scheiße, das ist es eben nicht. Es ist nicht vollkommen legitim, okay, cool, vertretbar.
Genau genommen ist es egtl nur scheiße.
Ich bin einfach nur irgendwie dezent wütend & vor allem fassungslos.

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~ von Miss Ann Thropy - 21. Februar 2011.

Eine Antwort to “Begleiteter Freitod.”

  1. […] was Drogen anrichten, sie war ja nicht die Erste, etc pepe. Und urplötzlich kam mir ein älterer Beitrag von Steffi in den Sinn. Sie schreibt darüber, ob der sogenannte Freitod wirklich eine freie Entscheidung ist, […]

&, noch was zu sagen?

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