Mein Leben, Dein Leben, unser Leben.

Momentan weiß ich nichts so recht mit mir anzufangen. Ich habe extreme Stimmungs- & Launenschwankungen. Teilweise kommen meine übermäßigen Gedanken wieder. Ich hab manchmal das Gefühl, dass ich an einem Tag so viel denke (zumindest überflüssig, wahrscheinlich) als andere in einer Woche. Manchmal konzentriere ich mich wieder weniger auf mich, auf das, was ich mir vllt schuldig bin als auf das, was ich anderen, speziell meiner Therapeutin versprochen habe.
Montag hatte ich einen Termin. Nachdem sie mich ewig nicht erreicht hat. Teilweise, weil ich nicht gesehen habe, dass sie versucht hat, mich anzurufen, teilweise, weil ich absolut kein Bestreben hatte ans Telefon zu gehen. Montag war eh ein, für mich, ziemlich bescheidener Tag. Abgesehen davon, dass M.s Geld ankam. Danke nochmal dafür, mein Held. Ich habe verschlafen, hab Zuhause rumgehetzt, bin zur Ambulanz gehetzt, hab gewartet & bin in irgendwelche Sphären abgedriftet. Irgendwie hat es was Entspanntes aber auch zugleich Beängstigendes, wenn man minutenlang irgendwo sitzt & sich nicht dran erinnern kann, was man getan oder gedacht hat, weil man, wo auch immer war. Zugleich hat ich aber auch wirklich Angst vor dem Gespräch. All das, was wir besprochen hatten, blieb fast unerledigt.
Da steckt irgendwie noch das kleine Kind in mir. Das Angst vor einem Anschiss hat. Das sich am liebsten in Rechtfertigungen verstricken möchte. Der verbale Klaps auf den Hintern. Erklärungen, warum es nicht so passiert ist wie besprochen. Irgendwelche Ausflüchte finden.

Ausflüchte. ich glaube, ich musste mal wieder erkennen, dass ich wieder viel zu viel von mir selbst erwarte. Das ich mir mal wieder eingeredet habe, ich muss alles hinkriegen. Ich bin stark genug, das zu schaffen. Dass ich wieder nur zu faul war. Dass es gar nicht rechtens ist, dass ich mir so viele Gedanken mache. Dass es wieder zu viele überflüssige Gedanken sind. Dass ich mir unterbewusst gewisse Gedankengänge verbiete.
Genau deswegen hatte ich wohl so Angst vor dem Gespräch. Weil ich grundsätzlich denke, genau das hab ich von mir zu erwarten. Das habe ich zu erfüllen. Das ich gerade mal das, was reicht.

Wie ist es denn faktisch? Ich habe schon arge Probleme, auf mein eigenes Leben klarzukommen. Mir mein eigenes Leben aufzubauen. Selbstständig zu sein. Oder es zumindest versuchen zu sein.
Wie ist in der Realität? Ich habe einen Vater, der kaum lesen kann, weil er nichts sieht, aufgrund dessen keine Briefe & Anträge ausfüllen kann, der Rheuma & ’nen Herzschrittmacher hat, aufgrund dessen weder weit laufen noch schwer tragen kann, geschweige denn sonst eine Tätigkeit länger ausüben kann. Der sich egtl auf Reha befinden sollte, aber nach einer Woche aufgrund einer Lungenentzündung  auf ’ner Intensivstation am Arsch der Welt gelandet ist.

& auch wenn er mir sagt ‚Kümmer Du dich erstmal um dein Leben.‘, fühlt man sich trotzdem verantwortlich. Ob man das jetzt nun mal möchte oder nicht. & schließlich fragt er mich auch, ob ich einkaufen gehe, dies, das, jenes mal eben ausfüllen kann, vorlesen kann, machen kann, etc. Man möge mich jetzt bitte nicht falsch verstehen, es macht mir nichts aus, schließlich hat er sich auch jahrelang um mich gekümmert, nur ist es eben doch so, dass ich mich gewisserweise um sein Leben kümmere. Ob ich es nun möchte oder nicht. Klar möchte ich das. Es wäre ein Leichtes, zu sagen ‚Nee, mach ich nicht‘. Aber ganz ehrlich, wer will schon sagen oder sagt einem Menschen, den man mehr oder minder lieb hat, der krank ist & dazu nicht fähig ist, dass man da jetzt absolut keinen Bock drauf hat? Richtig, niemand.

& es ist vollkommen normal, dass ich mir Gedanken mache, was passiert. Dass ich mir Gedanken mache, was passieren könnte. Was in Zukunft ist. & das mich das alles andere als glücklich macht, wenn ich nicht mal auf mein eigenes Leben klarkomme, mich aber zugleich um das eines anderen kümmern muss. Dass es mich überfordert. Dass es mich auch in die ein oder andere depressive Phase stürzt. & das es vollkommen utopisch ist, von mir selbst zu denken, dass ich das alles dauerhaft schaffen könnte.

Morgen habe ich einen Termin beim Sozialberater der Ambulanz. Der wird mir schildern, welche Möglichkeiten es in Bezug auf meinem Vater geben kann. Evtl eine Betreuungsperson oder ähnliches. Momentan hab ich nämlich absolut keine Ahnung, wie es weitergehen soll.

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~ von Miss Ann Thropy - 23. Februar 2011.

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