Das, was ich habe, nennt sich Leben. Nicht empfehlenswert.

Gestern hab‘ ich  mit einem der vielen M.s, die ich kenne, telefoniert.
Dem wichtigsten der vielen M.s. Kann man, glaub ich, ungestraft so sagen.
Diese Telefonate sind meist sehr einnehmend, speziell im Nachhinein.
Na ja, es kommt immer auf die Uhrzeit an, wenn wir nachmittags telefonieren, wirken sie eher weniger nach, weil’s eben auch nur ein dazwischen gequetschtes Telefonat ist. Ausnahme war vllt der eine Anruf, als ich in der Klinik war & er sich nur meines Wohlbefindens erkundigen wollte, wie ich in der Klinik so angekommen bin, wie es dort ist, etc. Ich fand das natürlich sehr nett, weil wir.. Na ja, egtl nicht mehr allzu oft telefonieren, aufgrund seiner mangelnden Zeit & er sich trotzdem irgendwie die Zeit genommen hat, mal eben nachzufragen. Mir schoss dann mal kurzfristig ’ne Träne ins Auge, ich schwadronierte irgendwas von wegen ‚Du bist soo toll‘, fühlte mich nicht recht ernstgenommen, als er meinte, er wüsste das, kackte ihn deswegen noch mal zusammen. Die Feinfühligkeit konnte man aber, denk ich definitiv, darauf zurückführen, dass ich grad auf die Tabletten eingestellt wurde. Sonst würd‘ ich nämlich ohne ersichtlichen Grund nicht so rumpalawern. Auch wenn mir dieser Mensch mehr als wohlgesonnen ist.

Meist artet es aus, wenn wir abends oder nachts telefonieren. Irgendwelche Gefühlsduseleien, die so egtl gar nicht erlaubt sind (seinerseits) & egtl auch nur deswegen entstehen, weil wir uns nun.. lasst mich rechnen… zwei Jahre (?) nicht gesehen haben (beiderseits). Das macht halt schon auch irgendwie wahnsinnig mysteriös, spannend & sexy. ich mach da auch keinerlei Hehl draus, ihm das so zu sagen. Letztendlich halte ich das nämlich für so ziemlich die Wahrheit. Würden wir uns regelmäßig sehen, wär‘ ich zwar vermutlich immer noch ziemlich niedlich, was ich so ja auch gar nicht abstreiten will, manchmal würd‘ ich mich für meine Niedlichkeit echt selbst ficken wollen.  Aber ich wäre eben auch nicht mehr doch irgendwie mysteriös. Man wüsste doch eben, was man hätte. So ist es letztendlich nur so, dass er nicht mal weiß, was er haben könnte. Das wäre allen anderen Typen natürlich vollkommen egal, ich nehme aber an, dass, wenn man mal annähernd ineinander verliebt war & den Kontakt hält, das Ganze wieder anders aussieht. Na ja, & man eben grundlegend mit sich & seiner Umwelt unzufrieden ist. Wäre das alles in Ordnung, wäre Steffi eben auch nur Steffi. ’ne verflucht niedliche Steffi, manchmal, aber eben auch nur Steffi. Vermutlich.

Das Gespräch gestern war auch wieder dezent einnehmend. Ich war gleich so freundlich, ihn aufzuklären, dass er so scheiße klingt, wie schon lange nicht mehr, Kopfschmerzen, blabla. Smalltalkblabla, Gebeefe  von & über seinen Chef, schneller Einwurf meinerseits, dass er sich aber auch selten dämlich verhält, zeitweise, zwar nicht seinem Chef gegenüber, weil ich da seine Sichtweise durchaus nachvollziehen kann, aber.. Na ja, sich selbst gegenüber.

Seinerseits das Gespräch in meine Richtung gelenkt. Vollzeitalkoholismuspläne, wie gesagt, eher unwahrscheinlich, da ich Alkohol geschmacklich ja eher als Iih Bäh einstufe. Gemeinsame Überlegung, ich könnte eine astreine Drogenkarriere starten. Kiffen wär‘ aber nichts für mich, sagt er. Er hatte schon mal das unglaubliche Glück, dabei zu sein (Na ja, egtl war es eher andersrum, ich war dabei & dachte mir, dass wäre nun unwahrscheinlich lustig, was es übrigens auch war), anfangs lief’s auch, sogar wie in drittklassigen Filmen, mit ’ner dreiviertel Stunde durchlachen, dämliche Sachen erzählen (Koksen ist wie Nase putzen, nur rückwärts) & sich noch mehr drüber kaputt lachen. Ganz so feierlich fand er’s aber wohl nicht, als ich ca. 5 Atemzüge in einer Sekunde machte. & ich solle doch bitte mal normal atmen. Nachdem ich dann idiotischerweise noch mal gefragt hab, als ich ziemlich schwindelig wurde, ob ich, wenn ich jetzt ohnmächtig werde, bis morgen durchschlafe,  ins Koma falle oder wohl möglich an Atemnot sterben würde, kam mir eine kleine Kotzsession noch eben dazwischen & urplötzlich war der Schwindel auch wieder weg. Ich würde zwar bis heute drauf schwören, dass das alles eher an dem Mix zwischen Alkohol & Weed lag, aber nun gut. Vllt brütet in mir auch so was wie eine THC-Allergie. Na ja, jedenfalls hab‘ ich an der darauffolgenden Session sowieso beschlossen, die Sache mit dem Kiffen sein zu lassen, ich befürchte nämlich ernsthaft, dass das bei mir Psychosen auslösen könnte, wenn ich so ’ne Späßchen öfter machen. Gut, in zwei Jahren seh‘ ich das sowieso wieder anders, aber das ist nun erstmal irrelevant.
Blöderweise hab‘ ich tierischen Respekt vor anderen Drogen. Wenn ich überlege, wie krass ich schon am Rad drehen kann, wenn ich nur was geraucht habe, möcht‘ ich nicht wissen, wie ich dann bei Pilzen oder irgendwelcher Chemie abdrehe. Also – Nein zur Drogenkarriere.
Fuck, ich bin langweilig. Nicht mal saufen oder Drogen. Wenigstens hab‘ ich auch so ordentlich einen an der Klatsche, das gleicht meine diesbezügliche Unschuld wenigstens aus. Na gut, ich bin auch einigermaßen versaut, was vllt auch einer der Gründe ist, wieso ich oben genannten Herrn ’nen Stein im B(r)ett hab. Gestern hab ich übrigens festgestellt, ich könnte auch perfekt Prostituierte in Frankreich werden. Achtung – Je’m appelle Steffi, Voulez-vous coucher avec moi? Na? Na? Na? Ist das nicht toll? Nein, ist es nicht. Oder ich werde Baguette-Verkäuferin. In Baguette-Verkaufsständen, die höchstens drei Baguettes verkaufen dürfen. Sonst müsst‘ ich notgedrungen noch ein paar französische Zahlen lernen. Könnt‘ aber auch Pantomime werden. Mit dem Gesicht muss ich mich nicht mal verkleiden. Mein Gott, mir steht die ganze Welt Frankreichs offen!
Nein, jetzt hab ich’s – Ich schmuggle Drogen in Baguettes in meinem Arsch! Aus Frankreich! Als Pantomime! Oder Prostituierte. Je nachdem, was unauffälliger ist. Hier M. hast Du Deine Antwort auf die Frage, wie’s weitergehen soll! Wenn auch verspätet, aber immerhin klug durchdacht! & es ist mir scheißegal, ob Du Frankreich doof findest, Schweden hat nämlich viel zu hohe Steuern, auch für Drogen! Ob man Bodypacking wohl als Ausbildungsberuf beim Amt durchkriegt?

Dann schoben wir eine unserer berüchtigten Sentimentalitätsmomente. Er sagte so Sachen wie ‚Wieso kann man nicht so wie früher sein?‘, ich sagte so Sachen wie ‚Ich denke, das ist so, weil man halt älter wird, die Zeit drängt, man seine Ideale vergisst, sich immer mehr anpasst & das Ganze erst bemerkt, wenn man mittendrin steckt. & dann ist man so ziemlich gefickt. Wenn ich mal so überlege, wie Du warst, als wir uns kennenlernten, da warst Du in etwa so alt, wie ich jetzt bin. Da hast du so ziemlich das verachtet, was Du nun bist. Wolltest auf den Teufel nie so werden, aber offensichtlich verabschiedet man sich irgendwann von seinen Sichtweisen, die man früher hatte. & merkt dann, dass man eben einfach irgendwie.. scheiße ist. Weil man genauso wie alle anderen geworden ist. Wie all die, die man früher so verachtet hat. & dann ist man so, wie man nie sein wollte. & dass wir beide da der selben Sichtweise sind, steht egtl außer Frage. Glückwunsch.‘ – ‚Fick Dich, Steffi.‘ – ‚Ja, das war grad echt so’n bisschen ’n Schlag in die Fresse, ich weiß. Muss weh getan haben.‘ – ‚Fick Dich, Steffi!‘ – ‚Das sagst Du nur, weil Du weißt, dass ich recht hab. & es weh tut.‘ – ‚Ja..‘ – ‚Aber hey, das zeigt mir wenigstens, dass ich, sobald ich so alt bin wie Du, genauso scheiße werden kann!‘ – ‚Boah, echt, FICK DICH!‘
Ja, ich weiß. Ich kann mich schon so richtig asozial verhalten. Ja, manchmal streue ich ganz gern Salz in die Wunde & finde das auch beinahe lustig, wäre das Thema nicht so ernst. Ja, manchmal ist es sogar ein bisschen Genugtuung, auch nach all den Jahren, auch wenn ich ihm nichts nachtrage. Es ist aber nun mal so, dass es meist in Gesprächen genau darum geht. Klar könnte ich nun wie sonst auch immer Mitleid aussprechen & sagen, dann muss er halt was dran ändern, & wenn es auch nur minimale Schritte sind. Vllt, aber auch nur ganz vllt zeigt es ihm ja irgendwas, ihm die verfickte Scheißrealität vor die Nase zu halten. Blöderweise sind wir uns nämlich manchmal ähnlicher, als wir uns manchmal wünschen. Zumindest, was die Sichtweisen von Leben betrifft. Ich möchte genauso wenig so leben, wie er es jetzt tut, wie er es früher selbst wollte.

& plötzlich war da eben wieder diese Frage. Was wäre gewesen, wenn…? Was wäre gewesen, wenn einige Dinge anders gelaufen wären. Ja, sogar ein Was wäre gewesen, wenn das damals mit uns anders gelaufen wäre? Wäre es anders gelaufen? Was wäre anders gelaufen?
Aber letztendlich spielt bei jedem Was wäre gewesen, wenn…-Gedanken auch immer ein arg bitterer Nachgeschmack mit, der sagt Es ist aber nicht so gelaufen. & verflucht, er ist verdammt bitter, 50 Flaschen Lebertran sind ’n Scheiß dagegen. & wir sind solche Flaschen.
Der Mensch, der die Worte wäre, hätte & würde erfunden hat, muss ein verdammter Träumer gewesen sein.

Ich mag solche Momente. Andererseits hasse ich sie. Sie führen einem immer wieder vor Augen, was hätte sein können. Sie führen einem vor Augen, dass man unterbewusst doch irgendwas bereut. & vor allem führen sie einem vor Augen, dass die ganze Scheiße verdammt irreal ist. Ein wirres Gespinst im Kopf. & die Realität unveränderbar ist. & plötzlich denkt man wieder über alte Zeiten nach, die man miteinander verbracht hat, sentimentalisiert rum & erzählt sich wirres, emotionales Zeug. & weil Mädchen so was nun mal gerne hören & auch gern damit spielen, was sie haben, mach ich das genauso. Weil ich ein Mädchen bin. & weil ich weiß, wie ich ihn damit total kirre & verrückt machen kann. & verunsichern. & so.
& ohne es selbst zu merken, beeinflusse ich nicht nur ihn, sondern auch mich.
Verdammt.

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~ von Miss Ann Thropy - 6. März 2011.

Eine Antwort to “Das, was ich habe, nennt sich Leben. Nicht empfehlenswert.”

  1. […] die lieben Menschen, deren Blogs ich verfolge und die in den letzten 2-3 Tagen ganz viele schöne, faszinierende, mich mitreißende, teils mich traurig machende Einträge verfasst haben. Macht mit der Schreiberei […]

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