Fräulein Thropy als Phasennormale.

Ich erwähnte schon so oft, dass ich Sachen überkompensiere. Musik. Besonders Musik. Angeblich höre ich 141 Musiktitel täglich. Ich weiß nicht, wieviel Zeit das bei einer Durchschnittdauer von 3min30 in Stunden ist, ich war in Mathe nie besonders gut & zudem auch noch faul.
Natürlich höre ich Musik, weil ich Musik liebe. Musik, nicht diese Sparte & jene, sondern Musik. Ich bin egtl immer noch schockiert darüber, dass sich manche ihr Ego aufpolieren wollen, nur weil sie meinen, sie hätten den besseren Musikgeschmack. Also Leute in meinem Alter. Wär‘ ich nun männlich & knappe 10 Jahre jünger, ich würde zum Schwanzvergleich antreten lassen. & vermutlich gnadenlos gewinnen.
& egtl wollte ich das hier alles auch ohne Musik bloggen. Natürlich hätt‘ ich’s geschafft. Aber.. Ist euch mal aufgefallen, das bei mir nach allen ‚Aber’s immer Punkte kommen? Ich überlege, ob das vllt einfach damit zu tun hat, dass ich egtl weiß, dass dieses ‚Aber‘ total überflüssig ist. Eine schlechte Rechtfertigung. Am meisten vor mir selbst. Ist mein Unterbewusstsein zu so was in der Lage? Oder mein Hirn?

Na ja, jedenfalls höre ich grad Musik. Leise. Ohne Musik ist das Ohr so.. aufmerksam. Mein Schreibtisch respektive PC steht an der Wand zum Schlafzimmer meines Dads. Früher stand hier mein Bett. Vllt sollte ich euch ein Photo davon machen, damit ihr es besser versteht? Na ja, egtl ist es auch irrelevant. Auf jeden Fall.. Ist die Musik aus, ich wüsste jedes Mal, wenn er aufsteht. Zum Pipi machen oder Trinken oder was auch immer. Ich würde auch immer meine Ratte in ihrem Streu wühlen hören. Das macht mich kirre. Wirklich. Es ist nicht so, dass ich Stille nicht ertragen kann. Eher kann ich bei Stille nicht mit den Nebengeräuschen leben. Ich bin reizoffen, hat mein Co-Therapeut mir damals gesagt. Wir haben auch Wege gefunden, das zu umgehen. Aber eben nur in der Klinik oder an öffentlichen Orten, wo ich ganz extrem auf so etwas reagiere. Als wir zum Beispiel das Abschlussessen hatten, kamen immer mehr Menschen in den Laden, demnach ist der Lautstärkepegel auch extrem angestiegen. ’ne begrenzte Zeit ertrag‘ ich das auch. Also find ich an, mir die Salz- & Pfefferstreuer genauer anzugucken, wieviele Löcher oben drin sind, welche Form das Glas hat, etc. Die Hauptaufmerksamkeit auf etwas anderes lenken.
So schlafe ich auch schon seit gut drei Jahren fast nur noch mit Ohropax. Die Tage, in denen ich ohne im Ohr geschlafen habe, kann ich, glaub ich, an drei Händen abzählen. So oft schlafe ich nämlich nicht bei anderen Menschen. Aber da ging es erstaunlicherweise recht gut. Was wohl meist auch dem Vollrausch zuzuschreiben war. Also gilt das auch irgendwie nur so halb.Selbst beim lesen benutze ich Ohropax, weil ich mich sonst einfach nicht vollständig  auf das Gelesene konzentrieren kann. & auch, wenn meine Hauptaufmerksamkeit auf dem PC liegt, sind meine Ohren trotzdem außerordentlich aufmerksam.

& morgen ist wieder Montag. Ein ganz normaler Tag. Wie genau sieht egtl noch mal die Norm eines Tages aus?
Aufstehen & ins Bett gehen gehört schon mal dazu. Das tut jeder von uns. Es sei denn, er ist einer meiner Freunde bei Facebook & prahlt damit, seit 70 Stunden wach & dermaßen auf Speed zu sein. Dann fällt Zweiteres fürs Erste flach. Da das aber eher die Seltenheit ist, betitle ich Aufstehen & Schlafen gehen einfach mal als Norm. Ja, & da fängt’s dann auch schon an. Was kann man als Maßstab für einen normalen Tag nehmen? Für die meisten wäre es wohl schlicht & ergreifend die Arbeit. Das würde dann aber gleich heißen, dass alle, die nicht arbeiten gehen, aus welchen Gründen auch immer, anomal wären, richtig? Für die meisten wäre es dann vermutlich auch normal, über ihre Arbeit, ihren Chef oder ihre Arbeitskollegen zu schimpfen, weil sie dumm oder hässlich sind, zu kleine Titten haben oder nicht mit einem schlafen wollen. Oder sich ’nen Ast abfreuen,weil sie so gebraucht werden. Nicht.

Nein, ich habe keinerlei Ahnung, was sich „normale“ Menschen unter einem „normalen“ Tag vorstellen. Sollten sich hier welche befinden, meldet euch zu Wort, ihr werdet mit Gold überhäuft & mit Palmenblättern bewedelt. Geschweige denn, weiß ich, wo sich die Norm befindet, wer sie versteckt hat oder gar festgelegt? & wenn es, wie Medien ja sagen, immer mehr psychisch Kranke gibt, ist dann irgendwann die Norm da festzulegen? Wobei da ja auch immer noch zwischen den Erkrankungen unterschieden werden müsste.. Also fällt das wohl eher raus.

Ich habe noch nie über meine/n Chef/in gemeckert. Zwar über die Arbeitskollegen, aber ich finde das durchaus nachvollziehbar, wenn Dir einen von denen plötzlich an den Arsch packt. & ich nehme an, sie haben sich im Gegensatz dazu wenigstens nicht über zu kleine Titten beschwert. Schlafen wollt‘ ich trotzdem mit keinem. Herr von & zu Arschgrabsch, glaub‘ ich, dann auch nicht mehr, nachdem meine Hand recht hurtig den Weg in sein Gesicht fand. Na ja, doch, er hätte vermutlich gewollt, aber.. egal, wir wollen das Thema nicht verfestigen.

Ich hab‘ mir auch schon eingeredet, dass ich total produktiv wäre, so auf der Arbeit. & fand’s auch schon Kollegen dumm & hässlich.
Bin ich somit phasennormal? Das wäre doch mal eine prima Charaktereigenschaft.

Man stelle sich vor, Vorstellungsgespräch:
The Artist, formally known as Arbeitgeber:
& wie würden Sie sich beschreiben?
The Artist, formally known as Arbeitnehmer:
Joa, so.. Pünktlich, zuverlässig & natürlich phasennormal.

Ich, so als hypothetischer Arbeitgeber, würd‘ ihm sofort eine Chance zur Normalität geben. Word.
Aber mal ganz im Ernst. Ich kenne doch ein paar Menschen. Real, virtuell, beiläufig, enger.
Da gibt es die einen.. Die dich fragen, was für den Tag noch so ansteht. & dann sitzt Du da. & sitzt. & sitzt. & überlegst, ob Du nun in etwa so etwas antwortest wie „Gleich frühstücke ich erstmal,mit Brötchen, Marmelade, Eiern & Orangensaft, dann steig‘ ich auf mein Fahrrad, um zum Flugplatz zu fahren, um in die Luft zu steigen & mich aus einem intakten Flugzeug zu stürzen. Natürlich mit einem Fallschirm im Handgepäck. Danach geht’s schnell was mit der besten Freundin essen & dann auch auf ein Konzert. [hier bitte eine waaahnsinnig populäre Rockband einsetzen, bitte nur Rock, man will ja authentisch bleiben, nech?] sind in der Stadt & ich hab‘ Backstage-Pässe. Danach geht’s noch zu ’nem Freund, ’nen Absacker trinken & dann mit einem guten Buch & Rotwein ins Bett.“ oder nur mit dem Bruchstück an Satz antwortest, der Dir manchmal im Kopf rumschwirrt: „[…]dann steig‘ ich auf mein Fahrrad, um zum Flugplatz zu fahren, um in die Luft zu steigen & mich aus einem intakten Flugzeug zu stürzen.“ So verdirbst Du aber gleich von Anfang an das Gespräch. Also schwafelst Du lieber was von „Am Leben erhaltende Maßnahmen durchführen.“, der andere hält es für einen Witz & man wünscht sich, es wäre wirklich einer.

& da geht eben für mich & andere die Norm auseinander. Für die einen ist Leben ein Alltagsding. Für mich & manch andere auch, ist es verdammt harte Arbeit. Wenn schon der Tag beim Aufstehen scheiße anfängt. & auch nicht besser wird. Wenn man am liebsten nur im Bett liegen möchte. & egtl alles eine Last ist. Man selbst eine Last ist. Wenn jeder Schritt so schwer ist wie die gefühlt 500 Kilo Einkauf, die man vom Laden bis nach Hause tragen musste. Oder eben im jetzigen Falle, Insomnia. Ich weiß, dass ich egtl schlafen gehen müsste sollte. Ich muss um 9 aufstehen. & quer durch die Stadt latschen. Ich lag auch schon. & dann kamen diese blöden Gedanken wieder. & ich war kurz.. traurig oder so was. & seitdem wollen meine Körperteile nicht still halten. Fast wär‘ ich auch wieder soweit gewesen zu sagen, dass ich diese blöden Tabletten in die Tonne kloppe. Nein, tu‘ ich nicht. Das sei ganz normal mit der innerlichen/körperlichen Unruhe, das trete phasenweise halt auf.
Schön. Kann ich ja beruhigt nicht schlafen gehen. Aus irgendeinem nicht erfindlichem Grund hab‘ ich nämlich wieder Angst vor morgen. Vor dem Termin. Vorm Leben.

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~ von Miss Ann Thropy - 14. März 2011.

2 Antworten to “Fräulein Thropy als Phasennormale.”

  1. Das mit „empfindlich auf Nebengeräusche zu reagieren“ kenn ich auch total gut. Ich hasse es, wenn ich z.B. am PC sitze und mein Freund fernsieht. Besonders hasse ich es, wenn er zappt – diese sich ständig ändernden, abgehakten Geräusche machen mich total aggressiv. Und das Problem mit dem Lesen kenn ich auch. Ich kann nur bei absoluter Stille oder ganz leiser Musik lesen. Danke für den Tipp mit den Ohropax – das ist echt ne tolle Idee, da bin ich noch gar nicht drauf gekommen und werde es mal ausprobieren.

    • Na ja, beim Fernsehn inde ich das nicht so schlimm wie bei Musik. Das gaukelt mir wenigstens noch so was wie ein Gespräch vor 😉 Bei Musik sind es halt immer ziemlich gleich klingende Akkorde, Töne, etc., da werd‘ ich total bescheuert bei, wie in so ’nem schlechten Film.
      Oho, bitte bitte, Ohropax & ich sind schon lange Freunde 😉 Ich gehe sogar fast so weit zu sagen, dass sie mich für meinen Einsatz als Werbefrau bezahlen sollten oder mir die Dinger zumindest kostenlos zur Verfügung stellen sollten. 😀

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