Goodbye, good night, for good.

Der eigentliche Grund, wieso ich damals in stationäre Behandlung gegangen bin, war hauptsächlich die soziale Phobie.
Ich war damals beim Sozial Psychiatrischem Dienst, später parallel dazu in einer Psychotherapiegruppe. Drei oder vier Mal. Wo das Problem lag? Selbstsicher & abgeklärt tun, es aber nicht sein. Eine der Künste, die ich fast perfekt beherrschte. Die Gruppe war grausam. Für mich zumindest. Sie hat alles schlimmer anstatt besser gemacht. Ich bin mit dem Gefühl rausgegangen, mich noch unverstandener zu fühlen. Lag Zuhause & überlegte, wie ich auf möglichst dekorative Art & Weise den Tod finde. Die Leiterin dieser Gruppe brachte mich dann auch auf die Idee, mich stationär aufnehmen zu lassen. Mir ist das schon sehr häufig im Kopf rumgeschwabert, aber doch… War dort immer irgendwas, was mich davon abhielt. Die Standardfrage, ob man gestört genug ist, etc.

Wer mich ein bisschen besser kennt oder schon länger hier mitliest, weiß, dass ich auch Depressionen habe. Dies hat zuerst der Mann vom SpD durchblicken lassen, als ich irgendwann erzählte, wie es mir wirklich gehe. Meine Gedanken, wenn ich nach einem weiteren Pseudoselbstsicherheitstag nach Hause komme. Dass ich nicht aufstehen will & mich nur mit einem Riesenaufwand aus dem Bett befördern kann. Oder mit notwendigen Übeln wie Pipi.

Als ich dann in der Klinik war & einen ca. 40-seitigen Fragebogen ausfüllen durfte, war relativ ersichtlich, was ich noch ziemlich gut kann – Verdrängen. Ich kann mich an die Zeit, seit meine Mutter an Krebs erkrankte, bis zu der Zeit, als wir hier in die Gegend gezogen sind, nicht erinnern. Immer noch nicht. Ich habe keine emotionale Bindung dazu. Ich weiß nicht wieso, vllt lasse ich sie auch einfach nicht zu.
Ich würde lügen, wenn ich sage, es würde mich nicht interessieren, was passiert ist, wie ich mich verhalten habe.

Mir haben sämtliche Verwandte erzählt, dass es mir gut ging. Kinder haben, glaube ich hab‘ ich mir erzählen lassen, eine andere Vorstellung vom Tod. Erst wenn man älter wird, verbindet man ihn mit einer Unendlichkeit.
Ich kann nicht mal genau sagen, ob es mir was ausmacht, dass ich dazu keine emotionale Bindung habe. Weder zum Tod meiner Mutter, noch zu dem meiner Oma oder meines Opas. Das Einzige, was mich wirklich stört, ist, dass ich nicht weiß, was war. Das ich absolut keine Erinnerungen habe. Das ich diesbezüglich keine PTBS hab‘, haben mein damaliger Co-Therapeut & ich schon geklärt. Denn das, was mir erzählt wurde, was passiert ist, auch wenn es nur wenige Bruchteile sind, sind keine Sachen, die mich emotional so zurückbefördern, dass ich wieder in diesem Moment wäre. Natürlich bringt es mich nicht wirklich dazu, im Kreis zu springen.

Ich weiß nicht, ob bei mir so schnell wieder ein Verdrängungsmechanismus anspringt. Ob mein Kopf mir erzählen will, dass das nicht gewesen sein kann, weil ich mich nicht dran erinnere. Woran ich mich nicht erinnere, kann nicht gewesen sein, ganz einfach.

Letztendlich ist das aber egal, denn momentan beschäftigt mich etwas viel mehr.
Ich bin teilweise so gut im Verdrängen, dass ich, wenn ich abends im Bett lag (& man beachte bitte die Vergangenheitsform), mir irgendwelche Erinnerungen an meine Kindheit in den Kopf schossen, mich selbst daran hindern konnte, daran zu denken. Ich kann nicht mal genau sagen, wie ich das gemacht habe oder vllt manchmal sogar noch mache, ich weiß nur, dass es funktioniert. Sie waren weg, nicht mehr da, weil ich einfach nicht daran denken wollte, weil ich, so vermute ich, einfach verfluchte Angst habe, etwas zu fühlen, was ich nicht fühlen möchte. Etwas zu denken, was ich nicht denken möchte. & ich merke, dass ich es trotzdem unterbewusst, im Hinterstübchen denke. Was das ist?

Ich war glücklich. Sehr. Ich fühlte mich geliebt. Vollkommen. Es waren noch alle Menschen am Leben, denen ich was bedeutet habe. Ich war früher kein „Kein-Familien-Mensch“. Ich war vergöttert von meinen Großeltern. Ich hatte ein Leben. Ein glückliches Leben. Mir ging es gut. Verflucht gut. Bis sie alle wegstarben, innerhalb von anderthalb Jahren.
& keine zwei Jahre später saß ich hier in der Gegend rum. & konnte nie wieder behaupten, so glücklich wie damals gewesen zu sein. Nie mehr.
& auch, wenn das irgendwie… dumm klingt, ich glaube, ich will mich nicht von der Vorstellung verabschieden, wieder so glücklich sein zu können. Nicht so. Vllt anders. Aber ein solches Glücklichsein ist nie mehr möglich. Es ist nicht möglich, glücklich zu sein, ohne sich trotzdem um irgendwas Gedanken zu machen. Nicht bei mir.
Es ist nicht so, als hätte ich es nicht schon hunderte Male probiert, mit noch mehr tausenden Methoden.

& plötzlich rieche ich seit Jahren den Flieder. & erinnere mich, dass, rechts neben dem Gartentor des Gartens meines Opas Flieder wuchs. & fühle  mich elend. & ich sehe Maggikraut & erinnere mich, wie mein Opa in schnell in seinen Garten gestapft ist, um es eben zu holen, wenn meine Opa eine Suppe machte. & ich fühle mich elend.
& plötzlich sind da so viele Gerüche, die Erinnerungen auslösen & sich einfach nicht mehr wegschieben lassen.
& ja, irgendwie fühle ich mich elend.

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~ von Miss Ann Thropy - 28. April 2011.

4 Antworten to “Goodbye, good night, for good.”

  1. Ich drück dich mal!!!

  2. *knuddel*

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