Sozialer Brennpunkt Ich.

Wie ich ja schon im letzten Artikel angeschnitten habe, habe ich demnächst sturmfrei, weil mein Vater sich für einige Zeit nach Duisburg verabschiedet. Darüber, dass es immer noch dezent lächerlich klingt, sich mit 24 über Sturmfreiheit zu freuen, sehe selbst ich mittlerweile hinweg. Wahrscheinlich auch nur aus dem einfachen Gedankengang heraus, dass ich einfach nur dämlich war, nach meinem Klinikaufenthalt letztes Jahr Zuhause wohnen zu bleiben (Dadurch, dass ich es selbst weiß, lege ich übrigens absolut keinen Wert drauf, dass mir das nun jemand bestätigt, da ich es ja, wie nun oft genug betont, eingesehen habe).

Natürlich hätte es nicht an den nostalgisch-angehauchten Flashbacks geändert oder ähnlichen Gedankengängen, die in diese Richtung gehen. Egtl war ich gerade dazu geneigt zu sagen, dass das dann vermutlich mein größtes Problem wäre. Aber das würde auch nicht stimmen. Ich würde versuchen zu arbeiten. & auch, wenn ich meine Angst im alltäglichen Leben gut im Griff habe, ist es bei der Arbeit eben doch noch was anderes. Es ist praktisch Nonstop-Bewertungssituation. Es macht mir immer noch Angst. Auch, wenn ich weiß, dass ich langsam wirklich mal meinen Arsch hochkriegen & tun müsste sollte. Ich weiß, dass ich nicht ständig wegrennen kann, nur weil ich eben Angst habe. Aber ich will dieses Thema nicht weiter ausarbeiten, weil es mir langsam, durch das ständige Bequatsche irgendwelcher Familienmitglieder wirklich zum Hals raushängt.

Was ich egtl sagen wollte, war.. Ja, was wollte ich egtl sagen? Einerseits natürlich, dass ich froh bin, dass mein Dad nun erstmal wegfährt. Ich bin froh, nicht ständig „meinem“ Problemmenschen im Rücken kleben zu haben (metaphorisch, ihr versteht). Ich bin froh, endlich für eine bestimmte Zeit ein sauberes Klo & Badezimmer benutzen zu können. Ich bin froh, dass ich mir dieses ständige Gehuste nicht mehr anhören muss. Morgens, mittags, abends, nachts mit dem Wissen, dass sich daran nichts ändert, außer, dass die verschissene Wut nur noch viel aggressiver wird.

& da kommen wir schon zum nächsten Thema. Ich würde mich gerne hier, an dieser Stelle, in meinem Blog, noch mehr aufregen, als ich es egtl eh schon tue. Jetzt mag da nun jeder einer eigenen Auffassung folgen, aber wenn ich mich aufrege, tue ich das in einem sogar fast noch humanen Ton. Ja, es ist gar eine Auflistung der Sachen, die mich stören. Was mich daran hindert, mich so richtig asozial RTL-Mitten im Leben-mäßig aufzuregen? & seien wir ehrlich, wenn wir sauer, aggressiv, wütend, whatever sind, verhalten oder denken wir zumindest alle so, wie sich Menschen mittags dort präsentieren. Was mich daran hindert, ist eine ganz simple Sache: Ich habe u.a. meine Fresse viel zu oft hier rein gehalten, als dass man mich nicht mit diesem Blog identifizieren kann, wenn man denn möchte. & so ’ne einfache Fressenfotografie ist ja nicht das einzige Erkennungszeichen.

Letztendlich ist es so, dass man weiß, wer das hier schreibt. Anonymität ist jedenfalls nicht wirklich. & genau da besteht jetzt mein Problem. Wenn ich nun irgendeine x-beliebige Person wäre, würde ich mich sogar aufregen. So richtig asozial. So richtig.. ach, lest einfach mal ein paar Bernemann-Bücher. Dadurch, dass dies hier aber eben sogar Personen lesen, die ich persönlich kenne (& im ungünstigsten Falle sogar meinen Vater), geht es nicht. Ich kann mich diesbezüglich einfach nicht so öffnen oder so schreiben, wie ich es denke. Mein halbgesunder Menschenverstand kämpft da absolut gegen an. Aus diversen Gründen. Man möchte so egtl nicht über jemanden denken, der einem nahe steht oder es zumindest sollte. Kennt ja jeder dieses Fremdschämen, sei es aus dem Fernsehn oder von der Straße. Man möchte das eben nicht gegenüber Menschen empfinden, die man kennt oder zu den eigenen Verwandten gehören. & erst recht will man diese Peinlichkeit, die man empfindet inklusive den Situationen, die dazu geführt haben, vor seinen Freunden preisgeben. Ich weiß nicht, ob ich da einfach ob empfindlich bin, oder das normal ist. Wie verhält oder würde es sich denn bei euch verhalten?

Davon aber auch mal abgesehen: Das Internet ist groß. Sehr groß. Ich weiß nicht, wer dies hier alles liest. Es ist meinerseits schon wirklich mutig (oder naiv), dies hier alles mit mir identifizierbar zu machen. Genau aus dem Grund könnte eben auch mein Vater identifizierbar werden. Es ist einfach nicht mein Bestreben, hier jemanden oder gar ihn zu verunglimpfen. Egal, wie sauer es mich macht. Ich weiß, dass er es teilweise nicht mit Absicht tut (oder rede es mir zumindest ein). Ich könnte einfach nicht wirklich gut damit klar kommen, wenn das hier jemand liest, der ihn kennt. Oder es irgendjemand aus meiner Familie lesen würde. Natürlich ist die Chance recht gering, aber eben nicht unmöglich.

Trotzdem ist es eben so, dass das asoziale Drecksblag aus mir raus möchte. Es will sich mitteilen, es in die Welt rausschreien. Wieso? Keine Ahnung. Aufmerksamkeitsgeilheit. Es einfach in einem privaten Artikel zu verpacken, brächte einfach nicht den gewollten Effekt. Es wäre für mich nichts anderes, als es einfach nur zu denken. es würde nichts ändern an dem Gefühl oder der Wut.
Letztendlich will man sich ja doch irgendjemandem mitteilen, nur das eben die geeignete Person, um seine Verbalkotzwut loszuwerden, nicht da ist.  Ich denke, das beschreibt es am ehesten.

Aber erstmal reicht es wohl, sich zu freuen, erstmal seine Ruhe zu haben. Fürs erste. Danach kann man immer noch überlegen, wie.

Habt einen schönen Sonntag!

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~ von Miss Ann Thropy - 18. September 2011.

2 Antworten to “Sozialer Brennpunkt Ich.”

  1. Mhm… in letzter Zeit wünsche ich mir immer mal wieder, dass ich anonym bloggen würde… aber ist nun mal nicht so…

    • Ich denke, jeder der nicht anonym bloggt, wünscht sich das zu irgendeinem Zeitpunkt mal, weil.. es eben Sachen gibt, die man der gesamten Umwelt nicht mitteilen möchte. Die wenigsten rennen ja auch auf die Straße & brüllen „Ich habe mir gerade den Penis gebrochen!“ oder ähnliches.
      Egtl bleibt dann nur eine Möglichkeit, die ich aber irgendwie auch.. doof finde.

&, noch was zu sagen?

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