Das halbvolle Glas des Kulturpessimismus.

Es gibt Tage (oder Wochen, Monate, Jahre), da möchte ich meine facebook-Timeline verstehen. Das liegt nicht daran, dass sich meine groß von denen anderer Menschen unterscheidet. Da sind die üblichen Verdächtigen, die ihren gesamten Tagesablauf posten, die, die bei wirklich jedem Scheiß Gefällt mir drücken, jene, die auf wirklich jeden Scheiß klicken & damit der breiten Öffentlichkeit preisgeben, dass sie so doof sind, zu glauben, dass es auf facebook wirklich Videos von Mädchen gibt, die versehentlich vergaßen beim Ficken die Webcam auszuschalten oder denen Spinnen aus dem Körper wachsen. & dann gibt es die, die das Netzwerk dazu nutzen, gegen alles zu stänkern, worüber die anderen gerade reden.

Heute ist Steve Jobs gestorben, seines Zeichens u.a. Mitbegründer von Apple.
Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich vor seinem Rücktritt als Vorstandsmitglied nie von ihm gehört habe. Ich habe aber auch nie ein wirklich großes Interesse an Apple oder dessen Produkten gezeigt & auch nie was appliges außer ’nem Boskoop besessen. Es überraschte mich trotzdem, dass er nach so kurzer Zeit gestorben ist. Schließlich war der Rücktritt erst Ende August.

 So loggte ich mich also bei facebook ein. Schien sich ja schon rumgesprochen zu haben. & schon spalten sich die Lager. & recht bald traf man auch auf Beiträge, bei denen man ich einfach nur den Kopf schütteln möchte. Steve Jobs ist tot, wow, wie spannend, gähn oder Mein Gott, dann isser halt tot, irgendwann stirbt jeder mal oder auch Es sterben jeden Tag Menschen, das interessiert auch niemanden.

Ich selbst bin phasenweise auch wirklich kein empathischer Mensch. Aber, meine Fresse, wie schwach ist es, dem für sich uninteressanten Menschen nicht mal den Tod zu gönnen?
Es ist nicht so, dass mich sein Tod nun zu Tränen rührt, genau genommen ist es auch mir egal. Aber was erwarten diese Menschen, wenn berühmte Menschen sterben? & was würden sie erwarten, wenn sie oder ihre Freunde, Verwandten, etc, sterben? Eine Durchsage in der Tagesschau? Einen Artikel in Die Welt?
Täglich sterben 2200 Menschen in Deutschland. Nehmen wir mal an, Jens Riewa verliest täglich 2200 Namen. Die Tagesschau verzögert sich auf unbestimmte Zeit. & Die Welt müsste täglich eine Zusatzausgabe mit der Dicke eines Telefonbuchs herausgeben müssen. Ich bezweifle mal ganz stark, dass jemand über Seite 3 hinauskommt oder gar kommen möchte.

Aber es ist ja nicht erst seit heute so. Heath Ledger, Brittany Murphy, Michael Jackson, Amy Winehouse.. Bei jedem einzelnen ruft es irgendjemanden auf den Plan, rumzustänkern, wie gelangweilt oder gar angepisst sie von dern Information vom Tod xys sind. Manchmal stehe ich mir, sie berichten von Tod einer ihnen bekannten Person. & mein soziopathischer Alter Ego wird’s dann mit TuuutTuuut, hier kommt der Waynetrain & fährt mit Deiner Story zum Whateverest! kommentieren.

Was ich damit sagen will: Der Tod ist für Außenstehende in den meisten Fällen nicht schönes. Weder der von bekannten noch unbekannten Menschen. Ein Tod tut immer irgendwem weh. & keiner hat das Recht, das Tribut, das Menschen dieser toten Person zollen, in Frage zu stellen oder gar abzusprechen. Sei es ein Erfinder, ein Klempner oder gar eine Klofrau.

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~ von Miss Ann Thropy - 6. Oktober 2011.

7 Antworten to “Das halbvolle Glas des Kulturpessimismus.”

  1. Mir kam mal eine ähnliche Idee, da einige ja auch posten, das ein Familienmitglied oder ein Haustier gestroben ist. Da einfach mal drunter klatschen: Meine Fresse, ey, es sterben jeden Tag Menschen!

    Und dann die Reaktion sehen. Klar, es ist ein Unterschied, ob es ein Mensch ist, der mir nahe steht, oder ein „fremder“ Promi. Aber in gewisser Weise hat auch Steve Jobs Anteil am Leben vieler gehabt. Und wenn jemand über seinen Tod traurig ist, sollte ihm das zugestanden werden.

    • ich will ja auch nicht sagen, dass es keinen Unterschied macht. Natürlich tut es das.
      Mir geht es nicht mal darum, dass er tot ist. Passiert täglich.
      Aber ich verstehe wirklich nicht, wieso man beim Tod berühmter Menschen & der daraus resultierenden eigenen Genervtheit nicht einfach mal die Fresse halten kann.

  2. Für mich kommt’s immer auf den Kontext an. Steve Jobs war einer der prägenden Visionäre unserer Zeit, und das kann ihm keiner absprechen, egal ob Apfel-Fan oder Apfel-Boykottierer. Man muss ja nicht um ihn weinen, aber seine Leistung anerkennen und wenigstens einfach mal die Klappe halten sollte da in der Tat schon das Mindeste sein.
    Wenn ich da allerdings an diese Cora (?) denk, die wirklich absolut nix geleistet hat und gestorben ist weil sie ihre Hupen vergrößern lassen wollte… herrje. Da kann ich verstehen, dass Angehörige und Freunde trauern, aber wenn dann wildfremde Menschen um ihren tollen Promi (lol) trauern fällts mir schon schwer das Maul zu halten, weil ich sowohl den Promi als auch den beschissenen Pöbel, der ihn zum Götzen macht, verachte ^^

    • Das Mitleid gegenüber Menschen, die bei unnötigen schönheitschirurgischen Eingriffen sterben, hält sich bei mir auch in Grenzen. Es wird nicht umsonst gefühlt 329073 Mal auf die Risiken hingewiesen & wenn man seine eh schon üppigen Euter noch mehr vollquetschen will, mit dem Wissen, dabei auch sterben zu können.. Nun gut.
      Es ist halt immer noch ein Unterschied, ob jemand, wenn auch passiv, seinen eigenen Tod herbeiführt (Es friemelt ja auch niemand, der nicht lebensmüde ist, mit einem Schraubendreher in Steckdosen rum, durch die Strom fließt) oder unbeabsichtigt durch.. Irgendeine Krankheit, wasweißichdenn stirbt.
      Aber selbst erstere bekommen in diversen Fällen dafür manchmal ’nen Darwin-Award 😉

  3. whasssup…

    ja, soll jeder trauern wie es ihm passt, doch wenn ich als bild.de-Fanboy durch die übergroßen RIP Banner auf der Startseite daran gehindert werde die wirklich wichtigen News wie „Schade, sind wir ganz alleine im All?“ oder das Bild-Girl auf Anhieb zu finden, geht das deutlich zu weit. Zum Glück haben die es mittlerweile auch eingesehen…

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