Wie ich mich zum Spießer entwickelte…

Oder: Ich bin kein Spießer, ich rege mich nur über alles auf.

Ich weiß nicht so wirklich, ob ich würdig bin, mich einen Spießer nennen zu dürfen, zu können, zu müssen.

Nein, ich denke nicht, dass ich mich als Spießer bezeichnen kann oder sollte oder müsste. Dauerhaft angepisst, ja. Verbittert meinetwegen auch. Lärmempfindlich bestimmt. & gereizt. Ja, gereizt bin ich durchweg. & verbohrt. & vermutlich sogar nachtragend, wenn auch nur in mir.

Dafür bin ich aber mindestens so schweigsam. Oder harmoniebedürftig. Pseudoharmoniebedürftig. Harmonie ist es nämlich keinesfalls, mehr die Verhinderung von… Streit? Noch problematischeren Situationen? Dem großen Knall?  Es ist immer noch in meinem Kopf. & damit provoziere ich praktisch diese dauerhafte Angepisstheit. Es nämlich so, dass, wenn man alles so in sich reinwütet, sich durch die mangelnde Kommunikation nichts ändert. Das heißt also, dass sich diese Wut entweder aufhäuft mit jeder gequirlten Scheiße, die man sich dann anhören muss oder sich mit der Zeit verflüchtigt. Ich bin eine der Personen, die sich alles aufhäufen & dann irgendwann Amok laufen.

Es ist momentan dieses ständig vorherrschende „Du machst ja sowieso nichts!“ Die ganze Zeit. Ich komme nach Hause, nachdem ich Dinge für andere erledigt habe & denke mir, natürlich ironischerweise „Aber Du machst ja sowieso nichts!“. Ich mache & tue & denke „Aber Du machst ja sowieso nichts!“.

Oh ja, ich bin immer noch fassungslos. In meinem Moralverständnis passt es aber nicht so gut zusammen, dass man seinen Eltern nicht leiden kann, weil sie nun mal sind, wie sie sind. Ja, letztendlich, wenn ich ehrlich zu mir selbst sein muss, ist es wohl so, dass ich mit 98% der Eigenschaften, die mein Vater an den Tag legt, nichts anfangen kann oder, & das finde ich schlimmer, sie sogar verachte. Sei es diese verfluchte Selbstgefälligkeit, das Meiste, was andere Menschen machen zu schmälern oder nicht anzuerkennen, die Ignoranz oder die nicht vorhandene Empathie. Das nicht einsehen können von Fehlern gepaart mit dem Denken, dass alles, was er tut, das Richtige, fehlerfreie Absolute ist. Ungefragte „Ja, aber Du hättest [besser]…“-Kommentare. Hab ich aber nicht, verfluchte Scheiße. & das Tun von Sachen, die mir in der Vergangenheit angeprangert wurden. Ergo: Diese Doppelmoral.

& wenn das dann alles zusammenkommt, so wie es das meistens tut, dann ist das die pure Angepisstheit. Manchmal stimmt mich das traurig. Ich weiß, dass er es manchmal nur gut meint. Wenn er mit seinen „Aber hättest du [besser]…“-Sprüchen kommt. Ich weiß, dass er mir manchmal nur helfen will. & einfach nicht versteht, dass das nicht der Weg ist, mir zu helfen. Manchmal habe ich das Gefühl, ihn falsch zu beschuldigen. Meist macht es mich aber nur unglaublich wütend, dass er so uneinsichtig ist. So nicht aufmerksam. So ignorant. So ist, wie er eben ist.

Ach ja. Meine Nachbarn. Wir (ein Nachbar & ich) waren gestern bei unserer Wohnungsbaugesellschaft. Wir waren uns über unsere Nachbarn beschweren. Klasse Sache. Ich nahm nämlich an, dass er die Redeführung übernimmt. Dann sitzen wir also in diesem Büro bei der Dame & er guckt mich an & wartet, dass ich dann mal rede. Schön. Genau mein Metier. Schlussendlich kann man wohl sagen: Besser war’s. Dann fing er nämlich an. Ihr kennt ältere Menschen, oder? Er ist zwar nicht so… redebedürftig wie unsere Nachbarin von gegenüber (über die wir draußen, als wir da so standen & shakerten, bis die Füße kalt wurden), aber doch sehr… sagen wir mal konsequent in seinen Wiederholungen. & ausweichend, was die Fragen angeht. Nein, anders. Er antwortet auf Fragen, die nicht gestellt wurden. Ein kleines bisschen tat mir Dame ja schon leid, die nicht nur ihren Job, sondern auch noch den Job einer sich im Urlaub befindlichen Dame übernehmen & sich mit uns ihm rumschlagen musste. Kennt ihr, oder? Da denkst Du, das finale Wort einer Unterhaltung ist gefallen & dann wir vorher gesagtes wiederholt.
Jedenfalls soll es nun wohl einen Brief geben, wenn das nicht fruchtet, kommt es zum Gespräch & wenn das ebenfalls nicht wirkt, sollen wir Lärmprotokolle erstellen.

Um ehrlich zu sein bezweifle ich, dass ein lapidarer Brief irgendwas bringt. Außer bestimmt einige gute Lacher. Deswegen mein Vorschlag, dass wir mit dem Protokollen schon jetzt anfangen. & die Möglichkeit, dass, wenn es nach 22 Uhr (also so wie immer) Krach gibt, er hochkommen kann & wir die Polizei rufen. Offensichtlich scheint man davor nämlich in der Bude ziemlich Angst zu haben.
Ja, auch deswegen könnte man nun meinen, ich sei spießig veranlagt. & hin & weder denke ich sogar, ich übertreibe, weil ich Geräuschen gegenüber ziemlich empfindlich bin. Aber wenn an 20 von 30 Tagen das ganze Haus beschallt, dann… könnte es durchaus doch möglich sein, dass ich mich nicht anstelle.

Aus irgendeinem Grund erinnert mich Gordon Ramsay an Sting.
Oh Gott ja, ich gucke morgens um 5 In Teufels Küche, ja.

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~ von Miss Ann Thropy - 24. Februar 2012.

5 Antworten to “Wie ich mich zum Spießer entwickelte…”

  1. Hah. HAHAHAHA.

    Sorry. Aber.. HAHAHAHAHAHA.

    Ja, du bist auf jeden Fall ein richtig schlimmer Spießer.

    Ich kann nicht mehr. AAAAAAAAAAhahahahahahahahahahahahaha. XD

  2. Gut, wenn P. nicht mehr kann, besteht ja keine Fortpflanzungsgefahr! Nebenbei: Jede(r) ist irgendwo Spießer. Und sei es, weil er/sie/es eine gerade angesagte Sexpraktik nicht mag. Und später möchten sie ohnehin alle Spießer werden. So mit Eigenheim etc. 🙂 So what?

    • Na ja, es kommt ja immer auf die Definition von Spießer an. Hab mich davor mal drüber schlau gemacht, was Wikipedia egtl so zum Thema Spießer sagt.
      Jedenfalls hörte ich letztens in eine alte Folge Domian rein & musste da grad dran denken. Sie stand auf eine sexuelle Praktik, hat davon ihren Freundinnen erzählt, die das mal so gar nicht nachvollziehen konnten. Damit wiederum kam sie nicht klar. Wieso ich das egtl jetzt erzähle, weiß ich selbst nicht so genau, ist aber auch egal. Bin aber im Metier der angesagten Sexualpraktiken nicht ganz Zuhause. 😀
      Na ja, alle sicher nicht, aber wohl die meisten. Vermutlich ist Spießer auch meistens so ein Synonym für Sicherheit.

  3. Ich kann dich nachvollziehen, es gibt immer mal so nette rücksichtsvolle Nachbarn, ich hatte kürzlich auch so ein Mäusschen, da ich tagsüber nie zu Hause bin, bekam ich das ja nie mit und meine Nachbarin fragte mich, ob ich das nicht hören würde, sie hätte schon versucht mit ihr zu reden, wäre aber sauber abgebügelt und angeschnauzt worden, dann hatte ich mal einen Tag Resturlaub frei, blieb zu Hause und es wurde laut, lauter und richtig unangenehm. Bis ich mal rüber bin und fragte Madam 1,60m ca 120Kg warum sie dauernd rumbrüllen müsste und ob sie mal was von Zimmerlautstärke gehört hätte. Ja wenn ein wandelnder Meter 56 fragt, wird sie abgebügelt, wenn ein Mann mit 1,88m mal fragt, ist es auf einmal möglich nimmer rumzubrüllen.
    Aber es gibt so Leute die nicht mehr mit sich reden lassen, dann muss man wirklich mit der Hausverwaltung/Genossenschaft etc. reden.

    Ich habe auch schon bei Leuten, die ihre Stereoanlage nicht leiser stellen wollten, meine mal hoch gedreht, bis ihr ALDI Teil nimmer mithalten konnte, manchmal muss es auch so ein Schwanzvergleich sein 😀 .

    • Ja, das stimmt wohl, solche Fälle hat man immer wieder. Ich glaube ja insgeheim, dass die Wohnung unter uns extra so angeboten wird, da wohnen ständig so Klapskallis.
      Gestern war auch wieder so ein Tag, da haben se sich richtig verkloppt & ich hatte echt überlegt runterzugehen, weil sie es sich so anhörte, als hätte er seine Mutter totgeprügelt. Aber vermutlich hätte eh nie jemand aufgemacht, denn sie üben sich in Ignorieren vom Türklingeln oder Kommunikation durch Türen. 😉
      Seitdem ist auch wieder Ruhe. Ich lass mich überraschen. Bitten & betteln bringt nämlich nichts, nicht mal Zurückgeschreie. 😉

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