Heureka.

So. Vergangener Montag also.

Wider Erwarten war der Herr unglaublich nett, hat mich gefragt, wie es mir geht & bei meinem eher verhaltenen Erwidern, dass es mehr zu einem „Geht so“ tendiert, sehr nett nachgefragt, wieso dem denn so ist. Erster positiver Punkt ist wohl, dass ich anstatt mir irgendwas aus den Fingern zu saugen die Wahrheit sagte & ihm erklärte, dass es mich in erster Linie schon verunsichert, schon fünf Minuten vor der Tür im Gang rumzusitzen, mir solche Amtstermine immer ein bisschen Angst machen, weil ich grundsätzlich das Gefühl habe, mich rechtfertigen zu müssen, weil ich zu gewissen Sachen nicht sonderlich gut & ernsthaft stehen kann, weil sie lediglich mit Faulheit zu tun haben.
Er nahm mir dann glücklicherweise den Wind aus den Segeln, als er sagte, dass sich hier niemand rechtfertigen muss & der schlechte Ruf ja meist auch nur daher kommt, weil eben meist nur die Negativbeispiele an die Öffentlichkeit gelangen.
& ohne hier nun eine Lanze für die Arbeitsagentur brechen zu wollen: 90% der Leute, mit denen ich dort zu tun hatte, waren immer sehr nett & sehr bemüht um mich, also muss schon irgendwas Wahres dran sein.

Es stand jedenfalls überhaupt nicht im Raum, ob das Ganze überhaupt bewilligt wird. Ich erzählte ihm, was meine Berufsberaterin mir erzählte, wie es ablaufen könnte, er bejahte das dann, erklärte mir dann genau, dass ich erstmal 2-3 Monate eine Berufsfindung machen kann, bei Belieben auch länger, je nachdem wie die Rückmeldung der der dortansässigen Psychologen, Sozialpädagogen, etc. ist, mich dann für einen Beruf entschieden haben sollte & dann dort meine Ausbildung mache. Das ganze läuft über ein Berufsbildungswerk, dazu zeigt er mir die Seite der Berufsbildungwerke, die es in Deutschland gibt, mit der Bitte, dass ich mir doch eins aussuchen solle & ihm dann bitte bis Freitag mitteilen solle, wo ich hin möchte & welche Berufe ich gewählt habe.
Wenn ich dort dann meine Ausbildung mache, bekomme ich die Unterkunft & das Essen bezahlt, als auch noch selber, praktisch wie ein Lohn, Geld. Ebenfalls bezahlt bekomme ich alle zwei Wochen eine Fahrt übers Wochenende nach Hause bezahlt. Die Zeit über werde ich in dem Internat wohnen, wobei auch „Internat“ in diesem Fall ein sehr weitreichender Begriff ist. Meine größte Angst ist natürlich, drei Jahre in einem Doppelbett-Zimmer zu leben. Eine bestimmte Zeit mag das sicher ganz toll sein, in der Psychiatrie habe ich es ja schließlich auch sechs Wochen ausgehalten, aber war ich doch nach den sechs Wochen ziemlich froh, mein eigenes Zimmer & meine Privatsphäre wieder zu haben.

Ich habe mich für das Berufsbildungswerk Timmendorfer Strand entschieden. Man kann mir jedenfalls nicht vorwerfen, dass ich nicht lange überlegt hätte, saß ich doch zwei halbe Tage davor & habe mehrere Aspekte bedacht wie „Kann ich damit leben, drei Jahre zu leben?“, „Was kann ich beruflich tun?“, „Ist es für psychische Behinderungen geeignet“ als auch „Wie weit/lang bin ich von Zuhause entfernt?“. Letzteres mag jetzt komisch klingen, aber meine erste Entscheidung war spontan erst Greifswald. Der Weg nach Hause würde aber sechs Stunden Zugfahrt & minimum zwei, maximal fünf Umstiege bedeuten, was für mich mehr Stress am Wochenende als in der Woche bedeuten würde.

Das Werk selber meldet sich nun wohl bei mir, wann ich erscheinen kann.

Dienstag saß ich dann auch gleich wieder fünf Stunden beim Amt. Mein eigentlicher Plan war lediglich einen ALG II-Antrag zu beantragen, für die Zeit, die ich noch nicht dort bin (wobei zu sagen ist, dass es meine Idee nicht war, weil ich nicht glaube, dass es wieder Monate dauert, bis sich jemand meldet, aber ihr kennt ja schon grob, was Zuhause abgehen würde & so). Schlussendlich saß ich bei vier Menschen im Raum, von denen zwei nichts mit mir anfangen konnten, das eine Mal sogar der Teamleiter gerufen wurde, um dann am Ende nach fünf Stunden in einem komplett anderen Raum den Antrag bekam.

Heute habe ich dann den nächsten Termin bei der Reha-ALG II-Dame, die am Dienstag nicht erreichbar war. Vermutlich werde ich meinen Antrag mitschleppen müssen, weil es ganz offensichtlich so aussieht, als wären mir die falschen Anlagen ausgegeben worden, da wir, wenn ich 25 bin, keine Bedarfsgemeinschaft, sondern eine Haushaltsgemeinschaft sind. Anlagen habe ich jedoch für eine Bedarfsgemeinschaft bekommen. Ich befürchte also indirekt, dass ich wieder ein paar Stunden dort verbringe werde. Zumindest hoffe ich sehr darauf, dass die Dame mich aufklären kann, weil hier zumindest alle der Auffassung sind, dass es eben eine Haushalts- & keine Bedarfsgemeinschaft ist. Zumindest fühle ich mich nicht komplett als Versager, weil ich an diesem Antrag scheitere, das scheint bei den meisten nämlich wohl der Normalzustand zu sein. *g*

Jetzt also noch ein bisschen Kaffee trinken, Klamotten bügeln, duschen & fertig machen. & ihr seid auf den neuen Stand gebracht. Booya.

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~ von Miss Ann Thropy - 12. März 2012.

4 Antworten to “Heureka.”

  1. Das Bildungswerk reißt es ja schon mit seinen Header-Fotos raus: *neid*

    Denk ans Zelt 😉

    Und ich kann nur noch mal erwähnen: Ich bin ja so stolz auf dich!

    Und ja… die Menschen beim Amt sind überwiegend unglaublich freundlich und zuvorkommend. Ich kann 1 oder 2 Leuten höchstens vorwerfen sich nicht sonderlich aus zu kennen… aber schlecht behandelt wurde ich auch nie…. eigentlich ist die Angst immer umsonst 😀

    • Ja, oder? 😀 Zumal das Meer wirklich direkt vor der Tür ist. Ist natürlich eine seeehr angenehme Nebenerscheinung, letztendlich aber doch ja nicht das Entscheidende (was nicht heißt, dass ich trotzdem froh drum bin).

      Jaja, lass mich doch erstmal da ankommen. Dann denk ich vllt auch irgendwann mal ans Zelt. 😉

      Dankeschön, ich bin auch stolz auf mich, irgendwie, auch wenn das alles nicht so ganz rauskommen will, weil ich mir denke: Alter, Steffi, jeder andere Mensch in Deinem Alter kriegt das aber hin. Na ja, aber Du kennst das ja sicher.

  2. Ich denke, die Ostsee würde dir auch ganz gut für Psyche tun. Es gibt nix herrlicheres als am Strand zu spazieren und über das Leben zu sinnen oder einfach nur auf’s Wasser starren und seine Gedanken treiben lassen!

    Greifswald wäre auch eine gute Wahl gewesen. Ebenfalls am Wasser und wie ich finde, hat es eine schöne Altstadt. Greifswald ist meine Uni-Stadt, ich wohne allerdings auf Rügen! ;p

    • Oh, ich hoffe drauf. Wirklich. Ich bin nämlich nicht sonderlich gut darin, den Kopf abzuschalten 😉 Ist auf jeden Fall eine der Sachen, auf die ich mich wahnsinnig freue, allein, weil ich das Gefühl von Sand unter den Füßen & weitläufigen Blick liebe.

      Ja, Greifswald.. Das Werk an sich war auch schön, das K.O-Kriterium war halt wirklich der Stress, nach Hause zu fahren. Würde ich Freitag Abend losgefahren, wäre ich kurz nach Mitternacht Zuhause, muss noch ’ne halbe Stunde nach Hause laufen & würde vermutlich groggy ins Bett fallen. & sonntags direkt nach dem Mittagessen los & dann den Sonntagsstress in der Bahn.. Das ist einfach eine Sache, auf die ich nicht wirklich Lust habe.

      Die Altstadt wiederum hat mir auf den Photos, die ich sah, auch sehr gut gefallen. Die Uni arbeitet wohl auch mit dem Berufsbildungswerk zusammen, las ich.
      Rügen klingt wunderbar, war leider noch nie da, musste aber mal in ferner Vergangenheit ein Referat drüber halten. 😉

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