Mein System kennt keine Grenzen.

Momentan ist Schlaf das Großartigste. Vermutlich sogar noch weit vor Sex, wenn ich welchen hätte.
Ja, mir geht es wieder schlecht. Oder immer noch. Ich tue die Dinge, die ich tun soll(te), schmeiße mich währenddessen in irgendeine strahlende Rolle, grinse & strahle, was das Zeug hält. Sobald ich weiß, dass ich es nicht mehr tun muss, weil es niemanden mehr erreicht, fällt es ab, ist nicht mehr da, weil es eigentlich auch vorher nicht da sein sollte.

& bitte sagt mir nun nicht, dass ich froh oder stolz sein kann, weil ich mein Leben auf die Reihe bekomme. Das weiß ich selber. Das ändert nichts daran, dass es mir schlecht geht. Das da aus komplett unerfindlichen Gründen irgendwelche Selbstmordgedanken sind. & auch, wenn ihr es nur gut meint, für mich heißt es lediglich, dass ich nicht das Recht habe, mich schlecht zu fühlen. Das trägt nicht wirklich dazu bei, mich besser zu fühlen, weil ich irgendwelche nicht gerechtfertigten Gefühle habe. Das Einzige, worauf ich wirklich stolz bin, ist, dass ich nicht, weil es mir grad einfällt depressiv zu sein, alles hinzuschmeißen, mich ins Bett zu legen, an die Decke zu starren & zu heulen, obwohl ich das Gefühl habe, dass alles von 0 auf 100 auf mich einstürmt & mich komplett überfordert.

Der Termin gestern war wieder so eine Sache. Die Dame war wirklich nett, wirklich, aber… Ich weiß, dass es nicht ihre Absicht war, aber ich fühlte mich teilweise schon unter Druck gesetzt. Ja, sie wollte mir die Konsequenzen aufzeigen, wenn ich mich nicht an die Eingliederungsvereinbarung halte. „Sie müssen halt auch mitarbeiten & sollten nicht zu viele Fehlzeiten haben!“ – „Ja, das war auch nicht mein Plan…“ – „Dann fliegen Sie da nämlich ganz schnell wieder raus. & dann geht’s in die Vollen &  Sie kriegen die üblichen Stellenangebote & müssen Bewerbungen schreiben. […] Im schlimmsten Falle erwarten Sie dann Sanktionen, heißt, dass Ihnen das Geld gestrichen wird. Letztendlich ist das ja auch eine große Chance für Sie.“

Sagen wir es so: Es ist keine neue Erkenntnis. & ich weiß, dass das letztendlich meine letzte Chance ist. Für mich, als professionelle Zwischen-den-Zeilen-Leserin hört sich das in etwa so an: „Sie haben das gefälligst durch zu ziehen, sonst sind Sie komplett am Arsch & dann schauen Sie mal, wie Sie klar kommen.“

& da kommt dann die Rechtfertigung hinzu. Das ich am liebsten erklären würde, dass ich die Sachen, die ich bisher beruflich gemacht habe sicher nicht abgebrochen habe, weil ich das lustig fand oder weil ich keinen Bock drauf hatte. Sondern das es mir einfach Angst gemacht hat. & dann ist es so, dass sie das nicht verstehen. & ich weiß es nicht zu erklären außer, dass das die Momente sind, in denen ich einfach am liebsten aufgehört hätte zu leben.

Jetzt habe ich also diese Riesenchance & alles entwickelt sich zum Besten & trotzdem würde ich am liebsten aufhören zu leben. Alles bricht über mich ein & ich habe Angst vor dem, was auf mich zukommt, Angst vor den Menschen, der Verantwortung & wie könnte es anders sein, davor, das alles nicht gebacken zu bekommen. Davor, mit den Menschen nicht klar zu kommen, davor, keine Privatsphäre zu kommen, außer, wenn ich auf Klo verschwinde, davor, mich nicht „Zuhause“ zu fühlen…

Ich habe keine Ahnung, wie die meisten anderen Menschen meines Alters das hinbekommen haben. Das klingt total makaber, aber ich fühle mich, als würde ich auf den Zeitpunkt warten, an dem ich in den Knast wandere. & ab diesem Zeitpunkt muss ich alles geben & nicht einmal nachlassen, weil es dann Game Over heißt.

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~ von Miss Ann Thropy - 13. März 2012.

2 Antworten to “Mein System kennt keine Grenzen.”

  1. Ahh… sensibel wie nen Holzhammer.
    Ich gehe auch davon aus, dass sie es nicht böse meinte. Die gute Frau hat es wohl einfach nur nicht gelernt zwischen – pardon – Schmarotzern und „uns“ zu unterscheiden. Und dass dir das jetzt Angst macht… das ist völlig normal und GERECHTFERTIGT!

    Irgendwer hat mir mal gesagt, dass es keine überflüssigen Gefühle gibt. Das sehe ich zwar auch nicht immer ein, aber es wird schon stimmen. Du fühlst dich mies: Okay ist so. Du weißt! ja trotzdem, dass du nen großen Schritt nach vorne machst.

    Und dass so viel Veränderung und so viel neues dir Angst macht… das ist auch absolut normal und gerechtfertigt und würdest du das alles einfach so hinnehmen können, wärst du nicht der Mensch den ich so lieb habe. So.

    Und die Menschen am Timmendorfer Strand… die sind auf so Wracks wie dich doch eingestellt, oder? Also sollen die dir gefälligst die Angst nehmen. Ist deren Job. Dafür ist das ganze Projekt gedacht. Wäre ja irgendwie witzlos, wenn du da hin marschierst und funktionierst als würdest du seit Jahren 40 Stunden die Woche kloppen. 😉

    Nur das mit dem Suizid… fände ich jetzt ein wenig doof. Echt jetzt. Ich buddel dich wieder aus, wenn’s sein muss!

    • Ich bin mir recht sicher, dass sie das nicht absichtlich tat. Offenbar ging ich nämlich davon aus, dass sie wüsste, woran ich leide, tatsächlich ist es aber so, dass dort wirklich strikter Datenschutz herrscht & nur Anmerkungen zu lesen sind, wie Reha o.ä.

      Was mich glaub ich stört & unter Druck setzt ist, dass ich einfach nicht entspannen kann, weil da eben so viel neues ist, was mir Angst macht. Das schwebt immer, wenn auch nur unterbewusst, rum. Da zu sein als auch solange drauf zu warten, das ist grad unglaublich anstrengend & macht nichts grad, dass ich Lust habe, über eine Zukunft nachzudenken, weil es einfach nur „schlechte“ Gefühle auslöst. Vllt liegt’s auch daran, dass einfach noch kein Termin feststeht, keine Ahnung.

      Jein. Sie sind nicht da, mich zu therapieren. Sondern zur Unterstützung. & ja, ich weiß, dass ich mir das irgendwas Utopisches ausmale, wie es abläuft. Was letztendlich wohl Quatsch ist.

      Sich drüber Gedanken zu machen ist ja nicht abwegig, sondern normal. Solange die sich nicht allzu fest setzen & dem ist ja nicht so.

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