Als hätt es nur auf mich gewartet…

Der Moment, indem das Kopfmonster größer ist als der Drang nach Schlaf.
Der Moment, indem Du überlegst, Dir gefrorenes Hackfleisch auf die Augen zu legen, um die Spuren er letzten Nacht zu beseitigen.

& bevor ich noch einen weiteren Tag verpasse, jetzt wo die Tage so kostbar scheinen, auch ohne Sinn dahinter, ist der einzige Weg dann wohl was einigermaßen produktives zu tun, was über Variationen von links-rechts-Dreherei hinausgeht. Die letzten anstrebten dreieinhalb Stunden Schlaf werden es eh nicht mehr richten, sondern alles viel schlimmer machen.

Gestern war resümiert wahnsinnig anstrengend & hat mich wieder sehr an meine Grenzen gebracht.
Es hat mit dem Telefonat mit Svü angefangen.  Gestern kam endlich ihr Paket an &.. Hach. Neben Liebe & Konzerttickets kann man mir mit Büchern wohl eins der allerbesten Geschenke machen. Wobei Manus Geschenke mindestens genauso gut waren (ein Nirvanashirt, in dem ich einen Zusammenhang sah, es aber keinen gab & eine Elmokette). Also, Paket. Inhalt:

Erwartungsgemäß gab ich haufenweise quietschende Geräusche von mir. Um öffentlich auf den Brief zu antworten, der noch beilag: Vermutlich Begraben unter Gänseblümchen. Weil ich vermute, dass ich drei nicht in einen Umschlag bekomme & deshalb zwei Zweierpacks mache.

Wir telefonierten dann noch… zwei Stunden, glaube ich. Irgendwann kamen wir u.a. auch auf M. zu sprechen. Mein Kryptonit. Vermutlich. Nein, ganz sicher. & eben weil es so ist, alles so viel komplizierter macht. Das ganze Gespräch wirkte nach dem Auflegen auch den Tag über nach. Diverse Zeitreisen in die Vergangenheit, das Zerkauen von Reaktionen, die Tatsache, was ich mir damit antue, das Hinterfragen. Das konsequente Wegbrechen immer wieder gesetzter Ebenen, auf denen man sich unterhält & wie sehr es mich verunsichert. & letztendlich trotz des Hasses, der da irgendwie herrscht & des Unverständnisses mir gegenüber, wie ich so was tolerieren & mit mir machen lassen kann, zu wissen, dass etwas wegbricht, was alles zum Einsturz bringen könnte, was egtl schon längst zusammengebrochen ist.

Gegen Abend wurde es immer anstrengender, weil wieder die alten Ängste hochkamen. Drei Jahre. Das, was grad ist, wird es in zwei Wochen schon nicht mehr geben. Schaffe ich das? Mache ich mich nicht zum Horst? Habe ich mich für das Ausprobieren der richtigen Berufe entschieden? Ihr wisst schon, das Übliche.

Gepaart mit 3096 Tage von Natascha Kampusch erscheinen dann meine Probleme so.. lächerlich. Natürlich weiß ich, dass der Vergleich mehr als hinkt & das wahrscheinlich auch nicht die beste Lektüre ist, die man lesen sollte, wenn man gerade in eine depressive Phase stürzt. Trotz allem ist man sich umso mehr bewusst, dass man egtl Luxusprobleme beklagt, auch wenn sie in diesem Moment unglaublich bedrohlich scheinen.

Zu allem Überfluss erfolgte dann noch eine Unterhaltung, die die M.-Thematik indirekt wieder aufgriff & dementsprechend auch wieder aufwühlte. Wobei.. M. nicht mal… egtl ist es alles nur eine wahnsinnige Wiederholung. Eine immer wiederkehrende Sache & irgendwie war sie auch schon beim Gespräch mit Svü ein Thema.

Ich habe in letzter Zeit sehr oft gehört, dass ich unberechenbar scheine. Das mag für Außenstehende durchaus so sein. Meine Reaktionen sind häufig nicht sehr angemessen & ich raste komplett aus, es hagelt Vorwürfe. Für mich als Ausführenden ist das natürlich anders. Für mich läuft das Ganze nach einem ziemlichen Schema ab & hat extrem mit dem Misstrauen gegenüber Menschen zu tun. Vereinfacht könnte man wohl sagen: Tu, was Du sagst. Wenn es nicht klappt, sag zeitnah ab. Drücke Dich klar aus, denn um den heißen Brei rumreden verstehe ich nicht, weil es mir zu viele Möglichkeiten für Eventualitäten oder Denkmöglichkeiten offen lässt.

Nun ist es so, dass da eben dieser Nachrichtenaustausch war aus dessen Mensch ich irgendwie nicht schlau werde (der hier, glaub ich, ab & an sogar mitliest *hust*), weil da mal wieder eine der Sachen ist, die mein Hirn nicht so ganz versteht aufgrund von Logik oder Eigenerfahrung oder whatever.
Plötzlich ging die Gedankenspirale los. Du bist nicht gut genug. M.1 hat es nie ernst mit Dir gemeint. & plötzlich war da jemand anders. Mr. Kryptonit hat es trotz allem jedes Mal geschafft, seine Ex-Freundin in jedes dritte Gespräch einzubringen. & noch ein anderer M. (Ja, ich habe einen Hang zu Männern, die mit M anfangen) hatte nach/während(?) unserer Wasauchimmer jemanden an Start. & dann waren da noch die ein oder zwei leeren Beschwichtigungen darüber, wie großartig/toll/irgendwas positives ich doch sei, die ebenfalls zu nichts geführt haben, als… eben dazu, leere Andeutungen zu sein.
Gesamtgedanke: Du bist nicht gut genug, Du bist einfach nicht gut genug. Immer wieder kreisend, immer weiter einnehmend auf alle Bereiche.

& plötzlich war da diese Angst, alles nicht zu schaffen. Das alles nicht mehr auszuhalten, nicht mal in diesem Moment, weil man einfach nur ungenügend ist. & ich heulte wie ein Schlosshund & hyperventilierte, als wäre das jetzt mein letzter Atemzug & es war verdammt noch mal keiner da & selbst wenn jemand da gewesen wäre, wäre das alles nicht bei mir angekommen, weil dieser Mensch mir nichts Gutes wollen würde & nicht in mich reinsehen kann & ich das, was ich hätte sagen wollen, nie so hätte sagen können, wie ich es hätte sagen wollen. Eine weitere ungenügende Fußnote. Diesen imaginären Menschen & mich hätte nichts emotional verbunden.

Ich glaube, bei Domian habe ich mich wieder einigermaßen eingekriegt. E. rief dann an, wir schauten zusammen, hielten noch ein Pläuschen, & legten gegen halb drei auf. Lesen & pennen. Gedankenkarrussell wieder an. Links, rechts, Rücken. Um sechs habe ich letztendlich aufgegeben. Vllt ist auch das wieder ein Weg zum normalen Rhythmus. Irgendwann wird der tote Punkt schon wieder überwunden sein. Schließlich muss ich noch die Treppe putzen & einkaufen. & Cachen war ich immer noch nicht. & davon ab muss ich noch eine Rezension verfassen.

Mir graut’s vor nächster Woche. Dienstag habe ich mich für den Hausarzttermin entschieden, an dem ja nun letztendlich nichts mehr zu rütteln ist & Mittwoch muss ich zum Gesundheitsamt. Außerdem muss ich noch meinen Lebenslauf ausdrucken lassen, beim Amt fragen, ob ich die Kosten für die Bescheinigung selbst tragen muss oder vermutlich meine neue Nummer mitteilen. &, sollte ich keine Unterlagen beim Hausarzt bekommen, in der Klinik anrufen oder gar hinlaufen hinfahren. & trotzdem fühlt sich alles so falsch an, auch wenn es vermutlich richtig ist.

&, zum Abschluss, & weil es hier ja so selten (Ja, Ironie) vorkommt, noch mal die morgendliche Dauerrotation im Mediaplayer:

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~ von Miss Ann Thropy - 21. April 2012.

Eine Antwort to “Als hätt es nur auf mich gewartet…”

  1. „Lächelnd betrachtete Hengstmann die Striemen auf seinem Rücken. Viele bereits vernarbt, viele noch frisch. Auch der Brustkorb des hageren Leibes legte Zeugnis ab von zahllosen Hieben. Deutlich stachen Knochen hervor, jedoch eingefügt in solch zähe Muskelmasse, dass selbst Heiden, welche der Kasteiung unkundig waren, nicht in den Sinn gekommen wäre, Hengstmann als jemanden Zerbrochenes wahrzunehmen.
    Ein härenes Hemd aus Rosshaar wählte Hengstmann, Soutane, Zingulum, Collar, und als er sich den Segensmantel überwarf, glühte sein Schädel vor Hitze. Mit beiden Händen fuhr er über ein Haupthaar hinweg, welches rasiert war auf das Maß von Lagern, Kasernen, Männerwohnheimen.
    Gegen das Licht der untergehenden Sonne, welches durch die Fenster der Sakristei fiel, hielt Hengstmann seine Brille, entfernte jene drei Körner Staub, welche sich seit der letzten Kontrolle auf den Gläsern eingefunden hatten. Wie ein Visier setze er die Brille auf, justierte sie auf der Nase, nickte.“

    Ich erkennen die M.s als Götter mit Handynummern. Alles ist möglich, wenn der Blick eines M.s mit Wohlgefallen auf der Frau ruht, wenn ein M. der Frau das Gefühl gibt, sie wäre gut genug.
    Hüllen die M.s sich hingegen finster in Schweigen, betet die Frau, betet, betet, betet Rosenkränze bis zur Besinnungslosigkeit. Sie fastet ihr Dasein zum Skelett herunter und krönt ihr Fleisch mit Dornen, ihm zu gefallen, seinem Maß zu entsprechen.
    Mag auch niemand mehr sonntags die Amtskirche aufsuchen, so erbebt beinahe jede Singlebutze unter dem Anruf eines Gottes.

    Die „Ärzte“ sind mein Standartbeispiel, wie wenig Berufsbildungswerke Frau mitunter packen muss, um „erlöst“ zu werden: „Als 16-Jährige stand sie in Lüneburg am Absperrgitter eines Konzerts der Ärzte. In der Nacht feierte sie mit den Punk-Rockern. Am nächsten Morgen war sie die Freundin des Sängers Farin Urlaub, der ihretwegen von Berlin in die Heide zog.“

    Gut erinnere ich noch meine Einberufung zur Bundeswehr, dass ich in den 6-Bett Stuben das Leben in der Kameradschaft schnell lernen würde… Ein Jahr, in dem ich dann aber so viel lachte wie selten sonst. Jung war ich und voller Träume.
    Und der Timmendorfer Strand ist eine Wucht! Sein „Mikado Garden“ wohl die schönste Buchhandlung Deutschlands. Am Strand wird „Sofies Welt“ bestimmt zum wundervollen Leseerlebnis.

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