Win some, lose some.

Es gibt Momente, da wünschte ich mir, ich würde mir einfach mehr vertrauen. Denn eigentlich sollte dieser Artikel ganz anders anfangen. In etwa so was wie „Es gibt Momente, da fängt man einfach an, sich selbst zu begreifen.“ oder irgendwas ähnlich klingendes. Aber stimmt das überhaupt? Ich meine: Rennen nicht ach wahnsinnig viele Menschen mit verschlossenen Augen durch die Gegend? Und tue ich das selbst vielleicht nicht auch, obwohl ich jetzt plötzlich meine, ich würde anfangen, mich zu begreifen? Denn ich meine mich zu erinnern, dass ich der Auffassung schon einige Male war. Aber aus diesem Wissen einfach nichts ziehen konnte. Keine verwertbaren Informationen, die ich mit irgendwas nutzen kann. Wieso sollte ich dann nun also Recht haben?

Recht haben oder richtig liegen ist in den letzten beiden Tagen sowieso ein Thema, mit dem ich mich auseinander setzen musste. Sei es die Tatsache, wie ungünstig ich manchmal ausdrücke (was dann zu… Reibereien in der Kommunikation und für mich somit Zwischenmenschlichem führt) oder Unterhaltungen über meinen wiederaufgenommenen AD-Konsum. Vielleicht gehe ich in einem anderem Artikel darauf ein.

Ich merke, dass dieses Nichtvertrauen mir selbst Gegenüber einen großen Teil mit dem zu tun hat, was meine Phobie ausmacht. Ich habe diesen Zusammenhang so noch nie gesehen. Die Tatsache, dass das, was ich bin oder ich denke mich ausmacht, also dieses ominöse Ich (im nichtfreudschen Sinne) ist, eigentlich mich ausmacht und ich darauf vertrauen sollte, rangiert bei mir wesentlich unter „Ich bin dem, was Andere von mir denken“. Ich kann nicht sagen, was ich kann. Worin ich gut bin. Ich habe unglaubliche Probleme, meine Fähigkeiten selbst einzuschätzen.

Aber ich kann nun genauer definieren, worin meine Angst besteht. Weil ich häufiger denn je dort damit konfrontiert bin. Ich kann selbst, wenn auch nicht in dem Moment, in dem es stattfindet, einschätzen, dass ich viel zu viel mir erwarte in viel zu kurzer Zeit. Das ich von mir eine unangebrachte Perfektion erwarte.

Ich springe regelmäßig über meinen Schatten, auch wenn ich es nicht müsste. Darauf bin ich auf gewisse Weise stolz. Ich habe zu Recherche-Zwecken mit für mich wildfremden Menschen einer öffentlichen Stelle telefoniert, obwohl ich diese Aufgabe auch jemand Anderen hätte machen lassen können und ich habe relativ flüssig (laut eigener Einschätzung *hust*) vor einer Gruppe etwas vorgetragen. Ich  bin alleine zum Psychiater gefahren, obwohl ich das Angebot hatte, dass jemand vom Werk mit mir dorthin fährt.
Das mag für die meisten anderen Menschen nun lächerlich klingen. Oder alltäglich. Und gewiss bin ich alt genug. Was nun mal aber nicht daran ändert, dass es zu gewissen anderen Zeitpunkten für mich nicht möglich gewesen wäre und für mich auch heute immer noch einen Sprung über den eigenen Schatten bedeutet. Ich mich aber bewusst dafür entscheide, alleine meine Angst zu besiegen.

Ich habe begriffen, dass ich, auch wenn ich depressiv und sozialphobisch bin (oder gerade deswegen),viele Möglichkeiten habe, eigentlich wirklich noch Glück habe. Das mir trotz fortgeschrittenem Alter immer noch gute Möglichkeiten geboten werden. Was aber trotzdem irgendwie heißt, Abstriche machen zu müssen. [bitte Gynäkologewitz einfügen.] Auch, wenn mir momentan alles zu viel erscheint.

Advertisements

~ von Miss Ann Thropy - 17. Mai 2012.

5 Antworten to “Win some, lose some.”

  1. Vielleicht genügt es für den Anfang, ein Bild von sich in der Gesellschaft zu haben. In welch Rahmen wir uns sehen möchten am Ende all unserer Bemühungen. Wäre da kein Ziel, keine „Erlösung“, fände wohl niemand von uns die Kraft, seine Ängste zu überwinden. Im Berufsleben etwa kämpfe ich vor allem für meine Frau, ihr auch weiterhin ein materiell sorgenfreies Leben zu bieten. Wobei ganz am Ende das Bild steht, in Hollywood mit dem „Oscar“ für das beste Drehbuch ausgezeichnet zu werden, und diesen Oscar vor Millionen Zuschauern meiner Frau zu widmen. Für dieses Bild nun quäle ich mich Werktag für Werktag um 5:30 aus dem Bett. So bald jemand ein Bild in sich trägt, findet er auch die Farben, es zu malen. Davon bin ich überzeugt.

    • Das aber mag genau mein Problem sein: Dass ich nicht differenzieren kann zwischen dem, was ich in unserer Gesellschaft darstellen müsste und dem, was ich bin. Und ich glaube auch nicht, dass es das ist, was ich will; darauf hinzuarbeiten, ein Bild in der Gesellschaft darzustellen. Ob sich die Mühe lohnt (und ich bin mir fast sicher, dass es das nicht tut), Pinsel und Farben in die Hand zu nehmen, um draufzumalen.

      • Wie wäre es denn mit Deinem Hang zu Männern namens „M.“? Männer, von denen Du offenbar bewegt wirst, wie Superman durch Kryptonit. „Erstmal zehn Kilo abnehmen!“ rate ich jeder Frau, die sich über unzuverlässige, unverbindliche, teilnahmslose Männer beklagt. Mag sein, dass Du Dich vor Simsen kaum noch retten kannst, wenn Du Dir einen richtig geilen Body antrainierst. Ein Bild von einer Frau zu werden, wäre Dir das als Beginn eines langen Weges raus aus der Angst wirklich keinen Pinselstrich wert?

  2. 2 deiner Abschnitte könnte ich geschrieben haben und zwar besonders „Ich merke, dass dieses Nichtvertrauen mir selbst Gegenüber einen großen Teil mit dem zu tun hat, was meine Phobie ausmacht“ und „Ich kann nicht sagen, was ich kann. Worin ich gut bin. Ich habe unglaubliche Probleme, meine Fähigkeiten selbst einzuschätzen.“

    Den selbstkritischen Schritt bzw. das Bewusstsein dafür, dass ich alles (zu) perfekt machen will, habe ich leider oft erst viel zu spät – wenn die Zweifel und Ängste siegten und ich wieder verdrängt, vermieden oder aufgeschoben habe.

    Respekt, dass Du all Deinen Ängsten getrotzt hast und fern von zu Hause in ein unbekanntes Umfeld gegangen bist. Besonders der Wille, die Kraft und die Stärke die dahinter steckt kann ich nur bewundern. Daher wünsche ich Dir weiterhin viel Erfolg(serlebnisse) und dass deine Motivation erhalten bleibt.

    • Es ändert ja nichts daran, dass ich trotzdem Angst habe. Und sicher habe ich anfangs auch vermieden. Weil die Angst zu groß war. Ich glaube, in manchen Situationen hab ich mich einfach schrittweise angenähert.
      Natürlich macht es mir immer noch Angst. Natürlich ist es alles andere als angenehm. Ich glaube nur einfach, dass ich, dadurch, dass ich eben ständig von andere Menschen umgeben bin, es noch weniger vor mir vertreten kann, etwas nicht getan zu haben, als ich es, wenn ich alleine bin, schon hätte nicht vertreten können vor mir.
      Danke für Deine lieben Worte.

&, noch was zu sagen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: