Aber hier leben, nein danke.

Vermutlich kann man sagen, dass ich mein Leben einigermaßen geregelt bekomme. Ja, ich habe immer noch Ängste. Die mich gewissermaßen einschränken. Was beispielsweise meine Ernährung betrifft. Ich kann einfach nicht die Kantine betreten. Geschweige denn mich Anstellen oder gar dort essen. Was unglaublich doof ist, weil man mittags natürlich Hunger verspürt. Also bleibt lediglich die Möglichkeit, sich entweder am Strand oder in unserer Lounge etwas zu holen. Was natürlich auch wahnsinnig ins Geld geht. Oder sich eben etwas zu essen mitzunehmen. Was aber auch irgendwie rausfällt. Erst recht, wenn ich mich selbst versorgen soll, was ich immer noch nicht tue. Ich kann mich morgens nicht zwischen die ganzen Mädels in die Küche stellen und mir eine Stulle schmieren.

Und genau diese Situation finde ich immer noch sehr problematisch. Diese Omnipräsenz anderer Menschen. Im Haus. Die Redseligkeit. Ja, natürlich sind die meisten nett. Was eben nichts daran ändert, dass ich mich eingeschränkt fühle. Aufgrund von Angst oder… Vllt kann ich so einfach nicht leben. Ich bin es einfach gewohnt, mich selbst um den Haushalt zu kümmern. Mir meine Zeit selbst einzuteilen, wann ich was mache. Und mich nicht ständig beobachtet fühle.
Ich hatte diese Woche also den Gerätedienst. Ich habe keinen Problem, meine Dienste zu erledigen. Es ist mir nicht zu viel und ich mache das auch freiwillig. Aber ich kann es eben nicht, wenn haufenweise Mädels um mich herum sind. Die mich beobachten.  Und nun spart euch bitte zu sagen, dass das ja gar nicht so ist, denn ich kann zwischen der Einbildung meiner Angst und der Realität ziemlich gut differenzieren.

Und genau dieses Gefühl, diese Angst oder dieses Unwohlsein oder wie auch immer man es nennen möchte, ist eine der Sache, die mich sehr daran zweifeln lassen, dass ich dort zwei bis drei Jahre meine Ausbildung machen möchte. Wirklich. Selbst mit der Situation auf dem Werk habe ich mich so gut wie möglich abgefunden. Zumindest sogar so gut, dass ich es akzeptiere, dort drei Jahre zu sein. Aber diese Wohnsituation macht mir unglaublich zu schaffen. Gerade weil ich weiß, dass den Haushalt danach noch geschafft kriege. Weil ich weiß, dass ich in der Lage wäre, alleine zu leben.

Ich habe dafür mit meiner Zimmernachbarin geredet. Glücklicherweise hat es sich geradezu von selber ergeben. Ich saß auf den bett und sie am PC und sagte dann, dass ich ihr sagen sollte, wenn sie mir auf den Keks ginge. Ich habe ihr dann gesagt, dass es etwas störend ist, weil sie eben doch sehr viel quasselt. Dass es nichts böses heißt, wenn ich sie ignoriere, aber mir das dann einfach zu viel ist. Und es auch sein kann, dass ich ihr dann schon mal sage, dass sie doch bitte auch mal fünf Minuten ruhig sein soll.

Ansonsten stehen nun wohl die anderen zwei Berufe fest, die ich ausprobieren möchte. Am Freitag waren wir in Lübeck-Blankensee, wo sich eine Außenstelle des BBWs befindet, wo u.a. das Hochlager, die Gesundheitskaufleute und die Mediengestaltung untergebracht ist. Diese haben wir uns angeguckt, was somit ein unglaublich entspannter Freitag war und ich sogar eine Stunde früher Schluss hatte, weil ich dort am Bahnhof rausgelassen wurde, da ich ja dieses Wochenende nach Hause fuhr. Letztendlich hat dies zwar nichts gebracht, weil die Schleswig-Holstein-Bahn sich 10 Minuten verspätete und mein Anschlusszug, als wir einfuhren zwar noch stand, ich aber grad das entsprechende Gleis erreichte vor meiner Nase wegfuhr und ich somit eine Stunde in Lüneburg warten musste. Aber es war ein schöner Tag. Wenn auch mit einiger Verwirrung beim Einkaufen und Taxi fahren.

Nun ist es so, dass nach dieser Woche mein Praktikum im Büro zu Ende ist, ich mich immer noch nicht ans Zehn-Finger-Tippen gewöhnen kann und vermutlich auch nicht werde, ich wohl in mit dem, was ich tue ziemlich schnell bin, wie mir gerückmeldet wurde, ich jedoch einige Sachen (wenn auch mit Flüchtigkeits- oder Verständnisfehlern) alleine erledigt habe wie den Postein- und -ausgang. Was an einem Nachmittag recht bitter war, weil ich letzteres, also den realen (denn es gibt auch ein fiktives Postausgangsbuch für unser Lernbüro) Postausgang machen musste, während alle anderen The Social Network guckten. Derjenige, der egtl den Postausgang machte, war verhindert und weil ich durchaus in der Lage bin das zu verstehen, was offensichtlich nicht jeder im LB ist, war das dann meine Aufgabe. Was auch okay ist, da es ja eben gemacht werden muss, aber es ist und bleibt eben bitter, wenn sich alle hinsetzen um den Film zu gucken und man dann, wenn man gerade anfangen will (und sich natürlich auf drauf gefreut hat), rausgeholt wird, zumal der eigentliche Postausgangskollege mitgucken konnte. Ich mag jetzt nicht darüber spekulieren was war, weil er offensichtlich krank war und sich wohl nicht ganz drauf konzentrieren konnte.
Letztendlich hab ich ein bisschen gedanklich reingesteigert. Was ich ihr nachher auch sagte, als ich wiederkam und plötzlich anfing zu heulen.  Gefühlstechnisch war’s wohl ein bisschen zu viel, weil ich mich, auch aufgrund meiner Phobie eh schon großem Misstrauen, ausgeschlossen fühlte und mich gedanklich einfach daran aufhängte.

Nun sieht es jedenfalls so aus, dass ich ab nächste Woche Montag für drei Wochen in der Mediengestaltung in Blankensee bin und mich erst an den Mac gewöhnen muss. Und ab dem 25.6. im Lager in Timmendorfer Strand bin. Vorteil von letzterem ist übrigens, dass die Ausbildung nur zwei Jahre dauert *hust*

Ich kam auch wieder dazu, meine Angst als solches genauer zu betrachten. Weil mir selbst auffiel, dass ich meine Angst/Phobie gerne.. eingleisig sehe. Weil es entweder nur Angst vor kleinen Gruppen oder vor Menschenansammlungen gibt. Das es nicht beides geben kann. Es hat mich unglaublich kirre gemacht, weil mir beide Situationen Angst machen. Dabei bin ich immer diejenige, die doch sagt, dass ich nicht explizit Angst vor Menschen habe. Sondern vor Bewertung. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Zumindest an der Spezifizierung, jedoch an der Intensität. Und diese kann sowohl an Orten mit vielen als auch mit wenigen Menschen vorkommen. Natürlich ist die Chance bewertet zu werden in kleinen Gruppen größer als in großen. Züge werden jedenfalls nicht meine Lieblingsplätze.

Am 22. Juni geht übrigens nach Usedom. Gruppenfahrt. Mit spezieller Behandlung für mich. Normalerweise gibt es nämlich Dreierzimmer. Und unter dieser Voraussetzung wäre ich definitiv nicht mitgefahren. Nun fragte also einer der Betreuer, warum ich denn nicht mitfahre und es es eine Möglichkeit gäbe, mich zu „überreden“, also habe ich ihm das so eröffnet, er rief dort an und nun bekomme ich entweder ein Doppelzimmer mit S. oder vllt sogar ein Einzelzimmer, das ist noch nicht so klar.

Ansonsten hab ich noch gar nicht erzählt, dass ich ein T-Shirt beim Unsichtbar-Verlag gewonnen habe, oder? Dessen Autoren ich ja, wie manchen bekannt ist, ziemlich gut finde. Und als wäre das nicht genug, habe ich ebenfalls noch von Blogg Dein Buch ein Rezensionsexemplar von „Der Neuschwanstein-Code“ von Arno Loeb, der ja ebenfalls beim Unsichtbar-Verlag ist, bekommen. Leider fesselt es mich noch nicht so recht. Bin allerdings auch erst auf Seite 87.

Langsam hören auch die Nebenwirkungen meines Antidepressivums auf. Mir war ja eine zeitlang immer unglaublich übel und schwindelig und ich hatte häufig das Gefühl, neben mir zu stehen. Als wäre mein Körper nur der Ausführende und ich stehe eigentlich daneben und beobachte mich. Sei aber wohl alles normal, ich les ja immer brav den Beipackzettel und hat ist jetzt seit vier Tagen auch nicht mehr aufgetreten, so dass ich meine Dosis um 10mg gesteigert habe. Habe aber so schusselig wie ich bin, vergessen einen weiteren Termin auszumachen. Heißt also, ich muss dringend anrufen um einen auszumachen und nicht wie die letzte Woche ewig vorausschieben. Außerdem hätte er gern ein EKG. Also sieht’s so aus als müsste ich mir dort ebenfalls einen Hausarzt suchen, weil meiner hier, wenn ich denn da bin, schon geschlossen hat. Mal schauen, wie ich das regle.

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~ von Miss Ann Thropy - 27. Mai 2012.

Eine Antwort to “Aber hier leben, nein danke.”

  1. Phantastisch, dass da immer noch Betreuer sind, die um einen kämpfen. Meine Lektion erhielt ich mit 14, als ich beim Karatetraining wohl etwas zu laut stöhnte: Diese ruhige, freundliche Art, mit der ich vom Meister beschieden wurde, dass das hier alles freiwillig sei. Jener Augenblick, in dem ich mich als einer von den 90.000 erkannte, die nach der Kapitulation Stalingrads auf Todesmarsch gingen. Eine gute Lektion.

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