Ein Resümee.

Lange ist hier ja nicht mehr passiert. Aber: Ich finde auch, dass ich mir das verdient habe. Zu Schweigen. Zwar bin ich früher Zuhause als es eigentlich geplant war. Normalerweise wäre ich ja erst am 13. Zuhause gewesen. Da ich mich aber bereits für eine Ausbildung entschieden und das Praktikum im Lager (Wir stellen uns an dieser Stelle bitte einen Menschen aus Ausbilder vor, der vorher jahrelang bei der Bundeswehr arbeitete und dementsprechend klang) alles andere als optimal lief, wurde die Maßnahme vorzeitig beendet.
Nun ist also zu sagen: Missy wird Mediengestalterin in Digital und Print.

Nach dem zwei Monaten wäre es dann wohl Zeit, mal ein Resümee zu ziehen.

Ja, die Anfangszeit war unglaublich schwer. Ich hatte unglaubliche Angst, dass Haus, in dem ich wohnte, durch die meist vollbesetzte Küche zu betreten. Diese Angst dann aber vor den Mädels zu äußern, stellte sich genauso schwierig dar. Nachdem ich mich aber immer besser mit J. anfreundete, ging ich, teilweise auch als Flucht vor meiner Zimmernachbarin, immer öfter mit runter. Mittlerweile geht’s sogar  ohne Angst. Ich saß öfter sogar stundenlang unten und habe mit den Mädels rumgealbert. Das ändert zwar nichts daran, dass ich immer och nicht in der Lage wäre, mich unten hinzustellen und mir etwas zu essen zu kochen, weil ich mich eben… beobachtet, überwacht fühlen würde, aber: Es ging. Sogar freiwillig. Und es hat sogar teilweise Spaß gemacht.

Die Sache mit der Arbeit. Ja, es war und ist teilweise auch richtig schwer. Nicht die Arbeit an sich, in die fuchst man sich mit der Zeit irgendwie rein und ich habe mehr als oft reflektiert bekommen, dass ich durchaus intelligent bin. Aber es stellt für jemanden, der vorher 0 Stunden arbeitete, eine wahnsinnige Herausforderung dar, plötzlich pro Tag über 8 Stunden zu arbeiten. Vor allem zu… Na ja, meines Erachtens komischen Arbeitszeiten. Von viertel nach sieben bis halb fünf. Ich war ziemlich oft ziemlich groggy. Enden tat es meist sowieso damit, dass ich, wenn ich dann abends im bett lag und schlafen wollte, hellwach rumlag. Mit der Zeit gewöhnt man sich dran. Und mit viel Kaffee. Mittlerweile waren wir sogar so weit, dass S., einer unserer Betreuer, mir morgens einen Kaffee mitkochte. 😉

Die Sache mit dem Doppelzimmer. Hach… Ja, es ging. Ich habe aber von Anfang an schon gesagt, dass ich die zwei Monate durchhalten werde. Anfangs war ich sehr… Ich versuchte mich halt nicht sonderlich bemerkbar zu machen. Und wir kamen eigentlich auch wirklich gut klar. Aber ich kann sehr schlecht damit leben, wenn man absolut keine (oder nur eine minimale) Reflektion für die Geräusche, die man erzeugt und die Gegenreaktion, die dann von mir kommt, wenn auch nur mimisch, hat. Ein Doppelzimmer ist nun mal ein Doppelzimmer und kein Einzelzimmer und man muss sich, notgedrungen, auch mal minimal nach jemandem richten. Und dann… Eröffnest du, was Dich stört und es ändert sich trotzdem nichts daran. Und als wäre das nicht schon doof genug gewesen (und es nervt wirklich unglaublich, wenn du lesen willst und wir wissen alle, dass ich relativ viel lese und jemand nonstop mit seiner Maus klickt), hast Du einfach keinen Rückzugsort, weil Du eben ein Doppelzimmer hast.

Was die Psyche angeht, habe ich ein neues Antidepressivum verschrieben bekommen. Ich nehme nun 20mg Fluoxetin. Mittlerweile wirkt es ganz gut. Ich hatte anfänglich sehr starke Nebenwirkungen, mittlerweile hat sich das Medikament aber eingependelt. Außerdem soll ich nun eine Pro- und Contra-Liste aufstellen, wieso es gut ist, Grenzen zu setzen.

Außerdem waren wir an einem Wochenende auf Usedom. Wir haben eine Schmetterlingsfarm besucht, waren in der Naturerlebniswelt, sind auf einer Ameise rumgekrabbelt und haben uns das verbieten lassen, haben einen Abstecher nach Polen gemacht und fanden den Strand schöner als in Timmendorfer Strand.

Außerdem habe ich Zwillinge kennengelernt, die wirklich ganz toll sind. Sie sind in meinem Alter, haben die selbe Phobie und wohnen sogar hier in der Nähe. Deswegen treffen wir uns wohl auch in den Betriebsferien.
Mit den anderen Leuten komme ich auch mehr oder weniger klar, ich halte mich immer noch ungern in den Ballungsgebieten wie Raucherpavillions auf, aber es ist… okay. Ich habe mir ein Schwimmkleid gekauft und werde diesen Sommer auf jeden Fall schwimmen gehen. Im Meer. Hat ja jetzt auch nur vier Jahre gedauert, bis ich mich freiwillig in Badekleidung zeigte. 😉 Außerdem habe ich mir Mädchenschuhe gekauft, die zu meinem Kleid passen. Zumindest hoffentlich. Ich traue mich also immer mehr, zum Mädchen zu werden. Freiwillig.

Eine weitere Herausforderung wird auf jede Fall die Berufsschule sein. Diese findet nämlich in Blockform in Neumünster statt. Dort werde ich dann in einem Internat oder etwas ähnlichem leben. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie ich das meistere.

Auch steht noch nicht fest, wo ich letztendlich wohnen werde. Da meine Ausbildung in Blankensee stattfindet, bin ich eigentlich verpflichtet, dort zu wohnen. Dann gibt es aber noch Sonderregelungen, heißt: Menschen, die in Blankensee arbeiten, dürfen in Timmendorfer Strand wohnen und umgekehrt. Meine ehemaligen Betreuer werden sich jedenfalls dafür einsetzen, dass ich in die Gruppe ziehe, in der ich wohnte. Allein schon, weil ich neuen Leuten gegenüber sehr ängstlich bin. Dann spielt noch die Stimme meine Psychologin eine gewichtige Rolle, entscheiden tut es aber letztendlich der Mensch, der für die Zimmerverteilung zuständig ist. Ich hoffe aber wirklich das Beste. Zumal ich mir sagen ließ, dass es Blankensee nur Doppelzimmer gibt (ehemaliges Kasernengelände). Das wäre äußerst… suboptimal.

Kann ich mir das nun also für die nächsten drei Jahre vorstellen? Ich bin ehrlich und muss sagen: Ich habe keine andere Wahl. Wäre ich in Timmendorfer Strand untergebracht, wohntechnisch, dann ja. Durchaus. Die Gegend ist wunderbar. Und man gewöhnt sich verdammt schnell daran, den Strand vor der Nase zu haben. Die Leute in der Gruppe waren auch vollkommen okay und ich kam mit allen klar. Wäre es also Timmendorfer Strand, wäre es absolut optimal.

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~ von Miss Ann Thropy - 5. Juli 2012.

15 Antworten to “Ein Resümee.”

  1. Ich wünsch es dir so! Und ich bin stolz auf dich. Und hach… es ist auch schön zu sehen wie die Ängste abschwächen… und sie werden es noch mehr! ❤

    • Dankeschön :*
      Na ja, ob sie abschwächen, lass ich mal dahin gestellt.. ich denke, ich bin nur einfach wesentlich aufmerksamer, was das angeht und… achte mehr auf mich selbst.

      • Also meine Erfahrungen der letzten Wochen: Eine gute Mischung aus Achtsamkeit gepaart mit Rückzug und sich den Situationen stellen. Dann wird es tatsächlich besser. Langsam, aber besser. Du bist auf jeden Fall sehr viel mutiger, als ich es gewesen wäre. Auch wenn ich dir dazu geraten habe, vermutlich hätte ich es selbst nicht gemacht. 😉

        • Na ja, es blieb mir ja auch nichts anderes übrig, oder? Jetzt hätte ich natürlich noch die Wahl gehabt, ewig so weiter zu machen oder es eben zu versuchen. Letztendlich ist es ja auch alles nur ein ewiges… Versuchen. Ein ewiges „Gegen sein Hirn arbeiten“. Aber ja, ich denke auch, dass ich es ganz gut mache.

        • Und genau das ist ja auch der Punkt. Dein Hirn wird sich an das neue irgendwann gewöhnen und aufgeben sich zu beschweren. Wie lange das dauert ist die Frage… aber durchhalten hilft da sicher 🙂 Soll ich noch mal erwähnen wie stolz ich bin? ^^

  2. Und ich bin neidisch, weil ich doch auch immer Mediengestalterin werden wollte 😀 Ich drück auf jeden Fall die Daumen, dass du in Timmendorfer Strand wohnen bleiben kannst. 🙂

  3. Ein wundervoller Blogeintrag, der mir mindestens das Jahr, wenn nicht gar das Leben gerettet hat! Selten so anschaulich beschrieben bekommen, dass Menschen in der Lage sind sich zu überwinden.
    Wenn mir jemals ein Bestseller gelingen soll, werde ich zwar immer noch Lügenwelten beschreiben müssen, in die meine Leser sich flüchten können vor der Realität, aber Dein Blogeintrag ist mir ein Lichtlein, wo früher bloß Nacht war, tiefe schwarze Nacht.
    Herzlichen Dank!

  4. Wow, ich kann nur sagen: toll!!!

  5. Wenn man lange wenig hört und dann nur Gutes – super! Du wirst zum Mädchen? Wow – hoffentlich werde ich das nie von mir sagen müssen 😉 Aber für Dich freut es mich! Mehr davon! Ich drücke meine zarten Daumen für den Timmendorfer Strand und merke aus Erfahrung an: Drei Jahre sind ein Klacks!
    LG, Du Mädchen!

    • Wenn es Dich beruhigt: Mich würde es ebenfalls beunruhigen, wenn man Dich plötzlich als Mädchen bezeichnete.
      Das drei Jahre ein Klacks sind, lasse ich nun einfach mal dahingestellt. Da haben wir beide wohl ein zu unterschiedliches Zeitempfinden 😉
      Danke und liebe Grüße zurück 🙂

  6. Ich finde, du hast eine riesige Entwicklung gemacht. Wenn man bedenkt, wie ängstlich und skeptisch du anfangs über den Wohnwechsel warst. Klar, hast du es von Anfang an gewollt, aber ich finde, du bist viel fröhlicher geworden. Nicht nur dieser Artikel hier zeigt, dass du optimistischer geworden bist, sondern auch deine Tweets. Mädel, ich freu mich für dich und drück dir die Daumen, dass sich dein Leben endlich nach dir richtet, so wie du es gerne hättest.

    • Dankesehr, liebe Uli 🙂
      Optimistischer… Ich weiß es nicht. Es ist ja immer so eine Sache. Zwischen dem, wie man auf andere wirkt, sich gibt und dem, was man wirklich empfindet. Aber ich versuch zumindest mein Bestes, es zumindest positiver zu sehen, als mein Hirn es mir signalisieren will 😉

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