Und außerdem bin ich eine Tomate.

Nur weil ich mal eben zwei Monate weg war und es noch weitere drei Jahre sein werde, heißt das nicht, dass aus mir ein vollkommen positiver Mensch geworden ist oder werden wird. Und auch wenn es manchmal so scheint, dass ich ziemlich heftig in mich verschossen wäre, ist es so, dass ich von mir wirklich alles andere als begeistert bin. Nun, jetzt könnte man natürlich sagen: Fräulein Thropy, aber Sie haben doch schon so viele Schritte gemacht, machen Sie sich doch zu etwas, das Ihnen gefällt. Ich für meinen Teil kann sagen: Tolle Idee, wäre ich so wirklich nicht selbst drauf gekommen.

Jetzt könnte man natürlich pessimistisch an die Sache rangehen und sagen: Ich fand Spargel schon immer widerlich und ich bin Spargel. Bin ich aber nicht. Ich bin mehr Tomate. Tomaten finde ich zwar auch unglaublich eklig, aber ich mag das meiste, was aus Tomaten hergestellt wird; Ketchup, Tomatensoße und -suppe. Tomatensaft ist trotzdem nicht meine Tasse Saft.

Und wenn ich dann also Sachen trage, die ich früher nicht trug, weil ich der Auffassung war, sie würden mir nicht stehen oder ich würde aufgrund dessen ausgelacht oder lächerlich gemacht, dann hat das nichts damit zu tun, dass ich mich nun lieber mag. Ich finde mich immer noch wenn ich mich suche schrecklich. Und ich habe immer noch das Selbstbewusstsein eines Toastbrots. Das Einzige, dass sich vielleicht geändert hat, ist, dass ich nun versuche, wie die anderen zu sein dass mich die Meinung der Anderen in dem was ich tue, trage oder gar bin, nicht mehr so sehr interessiert. Zumindest die von Fremden.

Jahrelang aufgestauter Selbsthass ist wohl ziemlich schwer wieder wegzukriegen. Letztendlich wird es nie so hinzukriegen sein, dass ich glücklich mit mir bin. Ich weiß, das klingt nun unglaublich negativ. Oder realistisch, denn welcher Mensch ist schon dauerhaft mit sich zufrieden? Narzissten vielleicht, ja. Und die meisten finden sich wohl auch ziemlich schnell mit dem ab, wie sie sind. Aber dazu bin und werde ich, aufgrund meiner Angst, immer zu sehr von anderen Menschen beeinflusst sein. Ich denke, diese Phobie wird immer da sein. Ich glaube nicht, dass man so etwas vollständig weg bekommt, aber daran, dass man es irgendwie in dem Griff kriegt. I try my best. Aber doch ist es immer irgendwie mit Verlust behaftet. Sei es nun dem seiner eigenen Gedanken, dem letzten bisschen, was man sich an sich gutredete, Erinnerungen oder eben der einer Person.

Ein gutes Beispiel bietet da Herr Horst (und es tut mir ein bisschen leid, dich hier so verwursten zu müssen, falls du hier noch mitliest). In einem dieser Momente, als geistige Umnachtung und mich selbst so was von fuckable finden en vogue war, fragte ich ihn also, ob er Bock hätte mit mir zu die ärzte zu gehen. Er, ebenfalls geistig umnachtet, macht das also. So kam es, dass ich mich irgendwann ziemlich unfuckable fand. Und da haben wir nun den Salat. Herr Horst und ich sahen uns noch nie, ich mit einer eh schon reich gesegneten Angst wirklich fremden Menschen gegenüber, schiebe übelst Angst. Oder auch genau deswegen, weil wir uns nun eben einige Zeit kennen. Dass ich diesen jungen Herrn unberechenbar finde, macht die Sache nun auch nicht besser.

Mir geht’s nicht mal um dem Verlust in diesem Fall. Sondern mehr darum, dass ich es einfach nicht ertragen könnte, verstoßen zu werden. Und… da regiert dann der Selbsthass und sagt, dass genau dem so sein wird. Und wird dann wieder in allem bestätigt.

Versteht nun also irgendjemand, wieso es so zwischenmenschliches Zeug für mich so unglaublich schwierig macht?

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~ von Miss Ann Thropy - 13. Juli 2012.

5 Antworten to “Und außerdem bin ich eine Tomate.”

  1. Du hast die 2 Monate durchgehalten. Das ist schon etwas, worauf Du stolz sein kannst. Wieso denkst Du, dass es so wirkt, als ob Du in Dich verschossen wärst?

    Wir sind uns (leider?) sehr ähnlich. Ok, ich esse Spargel, aber wirklich mögen tu ich ihn nicht. Tomaten roh mag ich auch nicht, in jeder anderen Form gerne. Ob ich jetzt eher Spargel oder Tomate bin, ist schwer zu sagen. Ich finde mich selbst auch schrecklich, besonders weil ich nie weiß was ich will und an alles und jedem zweifel. Selbsthass ist da nicht fern.

    Die Angst fremde Menschen zu treffen, ist bei mir massiv, wenn nicht gar maximal. Selbst mir bekannte Menschen kann ich nicht mehr treffen und habe mich von allen abgewandt und isoliert. Wobei ich es insgeheim sehr bedauere, aber meine Ängste zu stark sind, um es wirklich zu ändern.

    Daher bewundere ich es um so mehr, dass Du Dich in einem ganz fremden Umfeld – und zudem noch fern von zuhause – behauptest und gut zurecht kommst. Anscheinend ja ohne Vermeidungsverhalten und Fluchtverlangen. Ich finde die Stärke, die dahinter steckt, beachtlich!

    P.S.: Hmm was genau ist bei dem (Nicht-)Treffen mit Horst passiert, dass es gar zum Verlust des Kontaktes kam? Falls zu indiskret, ignorier die Frage einfach.

  2. Ich würde wohl nie schaffen, irgendjemanden aus der Bloggergemeinde zu treffen, aus Angst, wie würden bei meinem Anblick spontan bulimisch werden. Finde die Spargel und Tomaten-Analogie jedenfalls wunderbar, und werde Frau K. damit zulabern, dass ich nur als Suppe was hermache.

    M.E. ist es aber auch ein Teufelskreis: Damit es besser wird, muss man etwas machen. Um etwas zu machen, muss es aber meist BESSER sein, wofür man etwas machen muss, wofür es besser sein muss..

    Was ich nie verstehe, ist, wie Menschen erwarten, dass man innerhalb eines Monats, Jahrs oder Jahrzehnts plötzlich genesen soll. Es gibt doch diese wunderschönen motivierenden Abnehmsprüche, wie „Du hast dein Leben lang gebraucht, um dein jetziges Gewicht zu erreichen. Wunder dich nicht, wenn es ein Weilchen dauert, um es zu reduzieren.“ Well, fuck you, aber dasselbe trifft auch auf Selbsthass und whatnot zu.

    Glaube, ich hab mal wieder nur Müll gelabert. Wie dem auch sei, ich hoffe, dass etwas Gutes stattfinden wird, mit Herrm Horst, und generell. ;]

    • Ich denke nicht, nein. Die Sache mit dem Genesen ist, glaub ich, so ’ne ganz besondere Sache. Wenn du fett bist, ist das eine offensichtliche Sache. Like a Beinbruch. Wenn du nun aber psychisch voll klatsche bist, siehst du das nicht, weil die Psychoklatschis ja so selten aufm Marktplatz stehen und sich die Seele ausm Leib heulen. Vllt sehen sie ein bisschen blass und ungesund aus. Ist ja aber kein Wunder, wenn sie nicht mal rausgehen. Oder die nehmen gar Drogen. Und so hat sich das gefälligst auch schnell zu bessern, weil ist ja kein Beinbruch.

      Hr. Horst wäre jetzt der dritte aus der Bloggerwelt, den ich träfe. Ich glaub, das ist bei mir auch so ’ne Ambivalenz. Ich find mich halt schon ziemlich Spargel, hab panische Angst vor den Menschen, versuch aber so gut wie’s geht auszusehen (und seh dann aus wie ’ne Transe), weil ich viel zu viel Schiss habe, was zu verpassen, mich also eher hinterher umbringen würde, als was zu verpassen. Großes Kino.

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