Bitte red nicht mit mir.

Gestern also heulte ich mir nun die halbe Nacht die Augen aus, bis ich dann, irgendwann unter Tränen gegen halb drei nachts, einschlief. Ähnlich beschissen liefen auch diese drei Stunden Schlaf ab und man fand mich, ziemlich verheult, im Büro unserer Betreuung wieder. Kurzum kann man wohl sagen, dass es mir ziemlich dreckig geht.

Ich holte die anderen Stunden Schlaf, die ich vorzugsweise mit Heulen verbrachte, auf der Krankenstation nach. Inklusive Igelball in der Hand, deren Spuren selbst nach.. weiteren geschätzten drei Stunden Schlaf sichtbar waren. Dann holte mich der Psychologe ab. Und die Chose ging von vorne los.

Und je mehr ich redete, umso unverstandener fühle ich mich. Umso mehr habe ich das Gefühl, dass die alle auf der anderen Seite der Käseglocke sitzen, in der ich drin sitze. Das ich die absolute Unfähigkeit besitze, mitzuteilen, wie beschissen es mir eigentlich wirklich geht. Und auch wenn ich die Selbstmordgedanken, die, auch heute, den ganzen Tag ihre Kreise in meinem Kopf zogen, zur Sprache bringe, weiß ich nicht, wie ernst ich genommen werde.

Und irgendwie machen diese ganzen Gespräche alles noch schlimmer. Ich weiß, dass sie bestimmt versuchen wollen mir zu helfen. Aber es kommt einfach nicht an. Und ich weiß, dass ich nicht alles können muss. Aber doch sind diese Gedanken da und kreisen. Und jeden Tag frage ich mich, wie ich das alles schaffen solle. Und auch wenn ich jeden Abend sagen kann, es geschafft zu haben, ist es doch irgendwie nicht Stolz, der mich dann erfüllt, sondern ein weiterer Tag Aufschiebung.

Und solange verstärken sich diese Gedanken immer mehr und ich kann niemandem wirklich ernsthaft zu verstehen geben, dass ich für mich das Gefühl habe, dass ich nicht mehr lange leben werden will.

Auch wenn ich von allen Stellen höre, dass mein Leben doch gut läuft, dann frustriert mich das noch ein wenig mehr. Denn ja, eigentlich sollte es mir gut gehen. Ich schaffe es trotz allem, das zu tun, was ich tun soll, ich gehe meiner Ausbildung nach, ich stelle mich meist meinen Ängsten, also sollte doch alles dufte sein. Aber ist es verdammt noch mal nicht. Und das ist so… lächerlich.

Wirklich. Ich hatte ein annähernd schönes Wochenende, ich hatte so was wie Spaß, denke ich, wenn auch außerhalb des Raumes mit der Blümchentapete of doom ziemlich anstrengend. Und am nächsten Tag breche ich zusammen, drehe total am Rad und krieg meine Emotionen nicht einmal annähernd auf die Reihe. Und was zum Fick soll das bitte?

Nun fühlt sich mit jedem weiteren Gespräch alles immer mehr nach Sackgasse an. Nach immer näher kommenden Wänden, die einen zu erdrücken drohen. Mit jedem dieser Gespräche wird das Gefühl sterben zu wollen immer vorherrschender, das Gefühl, dass niemand auf dieser Welt ist, der mich versteht, immer stärker. Und ich weiß einfach nicht, wie lange ich das noch durchhalten kann und soll…

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~ von Miss Ann Thropy - 27. August 2012.

4 Antworten to “Bitte red nicht mit mir.”

  1. Was ist mit Verständnis gewonnen? Folge ich den hier verlinkten Blogs, könnte man Deinen Text bei manchen wohl 1:1 posten. Bestimmt kommen bei Dir jetzt im Stundentakt lange, tröstende Mails Deiner LeidensgenossInnen rein, dass man sich gerade erst vor 14 Tagen ähnlich gefühlt habe wie Du Dich jetzt.
    Und?
    Für mich klingt das alles nach einem Trommelfeuer von Panikattacken. Weichst Du zurück, kriegst Du Dein Leben irgendwann bloß noch im Bett auf die Reihe oder mit Chemiekeulen, die Dich früher oder später zu Brei schlagen.
    Vorne kannst Du sterben, hinten wirst Du es! Und wenn die Panik hunderte Male damit droht, Dich jeden Augenblick umzubringen, marschiere ihr wieder und wieder entgegen. Keine Grübeleien mehr. Kämpfen! Bestimmt finden sich bei den Musikern entsprechende Schlachtrufe, die Du Dir innere Gebetsmühle sein lassen kannst, während Du einen Fuss vor den anderen setzt: „Der Sinn des Lebens ist leben. Der Sinn des Lebens ist leben. Der Sinn des Lebens ist leben.“
    1996 litt ich trotz knallharter Konfrontationstherapie fast ein Jahr unter fürchterlichsten Panikattacken. Im Rückblick kann ich sagen, dass die 16 Jahre, die ich dem Leben seither abtrotzte, den elenden Kampf wert waren.

    • Nein, kommen nicht. Aber nur, weil wir Blogger total egoistisch sind und egtl viel lieber darüber erzählen, wie scheiße es uns geht, anstatt uns mit den Problemen der anderen zu beschäftigen. Meine Vermutung.
      Irgendwann ist es jedenfalls nun mal so, dass ich die Schnauze vom Kämpfen oder ständig gegen mich selbst anreden voll hab.

  2. Das tut mir leid! 😦
    Lächerlich ist es bestimmt nicht. „Nur“ weil du jetzt eine Ausbildung machst usw, heißt das ja nicht dass auf einmal alles super ist. Auch wenn es vielleicht für manche so aussieht.
    Können sie dir Hilfe anbieten, die dir was bringen würde?

    • Das alles super ist, will ich ja auch gar nicht sagen. Aber… Irgendwie ist es doch so, dass ich ja eigentlich zufrieden sein sollte, oder? Jedenfalls schien man mir das immer vermitteln zu wollen. Weil ich es ja schaffe und darauf kann und sollte ich stolz sein.
      Letztendlich ist es aber so, dass die Gefühle, also die semiguten, jedoch wesentlich vorherrschender sind. Und nein, ich denke nicht. Ich würde mir wohl noch unverstandener vorkommen und mich hineinsteigern.

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