Wie Neumünster zu Uelzen wurde.

Eigentlich würde ich nun in der Berufsschule sitzen. Da dieser Artikel aber mit dem Wort Eigentlich anfängt, entspricht dies nicht der momentanen Situation.
Gestern machte ich mich auf den Weg nach Neumünster, wo meine Berufsschule stattfindet. Und ich kam auch tatsächlich dort an. Und dann stand ich am Bahnhof. Rauchte eine und konnte mich nicht einen Meter weiter vom Bahnhof entfernen. Konnte nicht in unserem Internat anrufen und fühlte mich extrem verloren. Und überall diese suspekten Menschen. Also irrte ich einige Male zum Bahnhof rein und wieder raus und fand mich nach einer Stunde heulend auf Gleis 6 wieder. In der hinterletzten Ecke hinter irgendeinem Gebäude, zitternd, hyperventilierend.

Und all die darauf folgenden Gespräche konnten nichts daran ändern, dass ich definitiv nicht in dieses Internat und nicht in diese Berufsschule konnte. Wenn allein diese 15-20 Menschen schon ein absoluter Overkill sind. Und auch wenn ich weiß, dass es nicht schlimm sein wird, dass ich auch schon andere Erfahrungen gemacht habe, das alles nicht so schlimm wird… So ging es einfach nicht.

Ob ich jetzt sagen kann, dass ich mutig oder feige bin, nicht in dieses Internat und somit in die Schule zu gehen, weiß ich nicht. Ist es mutig, zuzugeben, dass man momentan nicht die Kraft hat? Oder ist es feige, dass es man es nicht mal versucht hat? Aber kann ich nicht irgendwie auch meinen Weg, den ich war ja zumindest in der Stadt, als Versuch verbuchen? Ich weiß es nicht. Momentan weiß ich absolut nicht, wie ich mich fühlen soll.

Ich bin erschöpft. Ich habe das halbe Wochenende verschlafen, ich habe nicht mal annähernd die Kraft, etwas zu tun. Ich fühle mich schlichtweg einfach überfordert. Unverstanden. Und selbst das kann ich niemandem zum Vorwurf machen, weil… Ich es ja selbst teilweise nicht verstehe, aber mich immer mehr damit abfinden muss.

Wie läuft es nun weiter?
Ich schlief heute wieder bis Mittag. Diese konsequente Dauermüdigkeit lässt mich einfach nicht los. Aber ich schlief fast durch.
Ich werde heute Nachmittag zum Arzt gehen. Wie ich ihm erklären soll, was da los ist, weiß ich nicht.
Die Selbstmordgedanken kommen immer wieder. Immer, wenn ich zuviel Druck empfinde, zuviel Angst, kreisen sie. Stundenlang, manchmal tagelang. Ich überlege ernsthaft, mich wieder in eine Klinik einweisen zu lassen, weil sie einfach nicht aufhören.
Ich malträtierte meinen Körper gestern über Stunden mit meinen Fingernägeln und einem Igelball. Ich stand in Bad Oldesloe auf dem Bahnhof und überlegte, mich vor den einfahrenden Zug zu werfen. Ernsthaft.

Was die Berufsschule angeht, werden wir mir diesmal wohl eine Begleitung an die Seite stellen. Vllt war es mein Fehler, nicht genau zu erklären, dass das Thema Schule schon immer sehr problematisch bei mir war. Auch wenn ich meine Angst vor der Schule genau geschildert habe…

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~ von Miss Ann Thropy - 3. September 2012.

3 Antworten to “Wie Neumünster zu Uelzen wurde.”

  1. Ah, Neumünster kenne ich aus meiner Bundeswehrzeit. Und ich erinnere noch, wie ich an einem Mittwochabend daheim heulend im Badezimmer hockte, weil ich erkannte, dass meine Konstruktion, ja im eigenen Bett zu schlafen, Wahnsinn war. Um 3:30 Uhr hoch, mit dem Rad dutzende Kilometer nach Kaltenkirchen, dort den ersten Zug Richtung Neumünster, um pünktlich zum Wecken in der Kaserne zu sein… das hielt ich keine drei Tage durch. Deine Überforderung mit dem Internat glaube ich daher gut zu verstehen.
    Für mich ist es ohnehin ein Witz des Zeitgeistes, dass man Dich so durchs Land scheucht: Bis 1977 durften Frauen ohne Einverständnis der Männer NICHT arbeiten. Ja, viele Männer legten geradezu Wert darauf, dass ihre Frauen NICHT arbeiteten. Arbeiten empfinde ich als RECHT der Frauen, nicht als deren Pflicht. Ich glaube daher, dass den meisten Menschen, auf deren Meinung Du Wert legst, Dein Rückzug nach Uelzen bloß ein Schulterzucken wert ist, als wäre Dir bei einer Freizeitaktivität etwas gründlich daneben gegangen.
    Lass Dir ein Attest geben, Dir was in Uelzen suchen und gut ist. Und vielleicht ist Dein Vater so lieb, Dir „Drüberleben“ zu kaufen.

  2. also ich bin der meinung du musst dringend zum arzt! warst du schon da gestern? das hört sich wirklich nach einer schlimmen krise an, gerade auch mit den suizidgedanken. das geht so wirklich gar nicht und das kann man auch nicht einfach weg reden oder drüber wegsehen, selbst man es versucht. ich glaube du solltest erstmal diese ganzen probleme in den griff bekommen. das steht vor allem allen anderem. auch wenn das vielleicht heißt, dass du nochmal in eine klinik musst und alles andere erstmal verschoben wird. wenn es so nicht geht, brauchst du halt doch mehr hilfe. und diese dauermüdigkeit hab ich immer, wenn ich richtig tief in einer depression stecke. das ist bei mir so ein indiz dafür. dann weiß ich es ist richtig ernst. 😦 also… ich hoffe der arzt hat dich verstanden oder wird dich verstehen und kann dir helfen und sagen was jetzt das beste wäre. ich drück dich! ❤

    • Ja, war Montag gleich beim Arzt, brauchte ja eine AU.
      Ich kann halt selbst nicht sagen, ob ich in mir übertreibe oder es wirklich so schlimm ist. In eine Klinik zu gehen, fänd ich ja nicht mal schlimm. Vielleicht ist das ja sogar der beste Weg, diese Angst wegzubekommen. Denn dieses ständige „Aber Du weißt ja, dass Dir nicht schlimmes passiert, auch wenn du vorher Angst hattest!“ bringt mir einfach so wenig. Natürlich weiß ich das. Aber ich habe nun mal Angst. Panische. So sehr, dass ich lieber Sterben würde. Und so schlimm war es vorher selten.

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