Schall und Wahn.

Nachdem mich unsere Sozialarbeiterin gestern nicht erreichte, weil ich auf dem Weg zur Post war und meine Krankmeldung wegschickte, telefonierten wir eben. Vorher habe ich mich natürlich noch mal ordentlich zum Horst gemacht. Mein Vater Ich hielt es für eine kluge Idee, wenn ich von selbst anrufe, weil das ja einen unglaublich guten Eindruck und Willen hinterlässt. Soweit, so gut.  Ich rief also an und landete bei der Empfangsdame, weil ich bei der Durchwahlnummer eine Zahl vergaß, meldete mich natürlich nicht mit meinem Namen, weil ich vollkommen perplex war, das unsere Sozialarbeiterin nicht dran war und… redete nervös irgendwelches Zeug. Alarm im Kopf. Schlechte Gefühle und der kurzfristige Gedanke, wie viel an dem, was ich doch konnte verloren gegangen ist. Natürlich war sie nicht erreichbar, also musste ich auf den Rückruf warten.
Dieser kam dann auch nach zehn Minuten und ich redete wieder wie wirr vor mich hin. Nun ist es so, dass Frau B. morgen mit dem Förderteam redet und sie mich Montag mit zur Schule begleitet, zum Internat und wir mit der Internatleitung und meinem Klassenlehrer reden.

Fragt mich bitte nicht, wie ich das schaffen soll. Eben erzählte ich ihr noch, dass die Sache mit den Selbstmordgedanken langsam weniger wird, doch mit dem Gedanken an Montag schrillen bei mir alle Alarmglocken. Ich habe panische Angst, ich weiß nicht mal annähernd, wie ich das alles schaffen soll. Und ich fühle mich so… nicht ernstgenommen. Ich kann nicht definieren, ob ich mich anstelle, ob es okay ist, mich nicht so ernst zu nehmen oder ob es vielleicht doch tragischer ist, dass sie es nicht tun.

Wenn man mich jetzt fragt, wie ich mich fühle, würde ich sagen, dass in mir ein Countdown läuft. Große rote Zahlen blinken auf und ich weiß nicht, auf was sie hinauslaufen. Abhauen? Ja, vielleicht. Aber wohin? Und mit welchem Geld? Wovon lebe ich, wenn ich es nicht mal schaffe, zur Berufsschule zu gehen? Selbstmord? Vielleicht. Aber unwahrscheinlicher als erstes. Ob man sich Sorgen um mich machen muss, weiß ich nicht. Wahrscheinlich. Irgendwann kommt dieser Overkill. Der Point of no return. Vielleicht nicht in greifbarer Nähe, vielleicht nicht momentan, aber in Sichtweite. Sich automatisch in Situationen umzuschauen und zu registrieren, mit welchen Gegenständen man sich umbringen könnte, ist nicht ganz normal, oder?

Das wir uns richtig verstehen – Ich möchte mich nicht umbringen. Aber alles erscheint so… groß, beängstigend und nichts, was man tut um sich abzulenken, macht Spaß oder lenkt ab. Ich fühle mich absolut gefangen. Im Leben. Und den Menschen, denen ich das erzählen müsste – Hausarzt, Institutsambulanz, spiele ich das komplett runter oder erwähne es nicht, weil es so unglaublich melodramatisch klingt.

Aber es ist dann nur noch eine Woche. Und dann ist da zumindest ein Lichtblick und ich sehe meine Lieblingssvü.

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~ von Miss Ann Thropy - 5. September 2012.

7 Antworten to “Schall und Wahn.”

  1. Neulich hörte ich eine Frau schimpfen, dass ihre Freundin ja wohl nichts dafür könne, dass deren Mann so wenig Geld ranschaffe. In den Augen unserer Gesellschaft brauchst Du Dich wirklich nicht zum Horst machen, so lange Du wieder und wieder einen Horst zu Deinem Horst machst. Allein die Vorstellung, dass eine Sozialarbeiterin mich 1,95 Meter großen Horst zur Schule begleiten muss, ließe mich eine Panik wohl aushalten bis zur Ohnmacht.
    Hast Du schonmal derart Panik gehabt, dass Du in Ohnmacht gefallen bist? Vielleicht musst Du es soweit kommen lassen, damit man Dir etwas in Uelzen sucht. Immerhin fand es der Sozialarbeiter einer entsprechenden RTL-Serie bereits unmöglich, Jugendliche quer durch die Stadt zu ihrer Maßnahme zu schicken. Nenne mir einen Kerngesunden, der wirklich Bock hat auf Internat. Insofern hast Du Dir wohl mit dem Timmendorfer Strand bereits mehr als genug bewiesen.
    Vielleicht machst Du eben auch einfach einen gut funktionierenden Horst zu Deinem Horst und lässt den Dein Coach sein. Geht es darum „Dornröschen“ nachzuspielen, fühlen wir Männer uns regelmäßig sowas von als Helden, dass wir dafür gerne noch Geld mitbringen.

  2. Hmm, aaalso. Ich kenne deine Situation ja eigentlich gar nicht. Und ich weiß nicht, ob es dir hilft, was ich jetzt schreibe. Das ist halt so schwierig, weil man ja nicht in deinen Kopf gucken kann…

    Egal, Butter bei die Fische – ich erzähl dir jetzt mal was über meine Strategie: Mir hilft es vor unangenehmen Terminen, mir vorzustellen, dass das „bedrohliche Ereignis“ schon vorbei ist und mir auszumalen, wie es dann wohl sein wird, also wie ich mich dann fühlen werde. Direkt danach, dann ein-zwei Tage danach – manchmal stelle ich mir auch vor, wie ich in zwei Jahren auf das Ereignis schauen werde. Das beruhigt mich und verscheucht die Angst etwas, denn ich kann es für mich schon einordnen und ich erinnere gleichzeitig andere, ähnliche Situationen, die bereits hinter mir liegen und die ich bereits „überstanden“ habe. Meine Erfahrung ist, dass das Leben immer weiter geht, egal wie.

    Und ich glaube das gilt auch für dich: Du wirst die Situation irgendwie meistern und „schaffen“. Wie genau weißt du vielleicht noch nicht und die Angst wirst du wohl mitnehmen, aber weil Selbstmord für dich offenbar keine Option darstellt ist das auch egal, denn es geht weiter. Und egal ob du es hinbekommst zur Schule zu gehen oder nicht.Life goes on and it’s gonna be okay! Vielleicht machst du jetzt noch keine Ausbildung – na und? Dann eben später! Machen andere auch. Du liegst ja nicht statt dessen im Bett und lackierst dir die Fußnägel…
    Der Spruch klingt abgedroschen und ist vielleicht auch altbacken, aber er stimmt: „Es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird.“ (Was jetzt aber nicht heißen soll, dass man nicht heiß kochen darf – manchmal muss es sogar heiß gekocht werden, du verstehst was ich meine?!)
    Was ich sagen will:
    Du wirst deinen ganz persönlichen Weg im großen Leben finden. Und der wird gut sein. Da rechne ich fest mit.

    Rock on! =)

    • Ich habe heute schon zu jemand anderem gesagt: ich finde es immer besser, etwas zu sagen, als gar nichts. Na ja, meistens. In diesem Sinne: Willkommen 🙂
      Deine Methode hab ich auch schon versucht, bringt mir leider jedoch nichts.
      Sicher werde ich die Situation schaffen. Die Sache ist aber einfach das Aushalten. Die mangelnden Fluchtmöglichkeiten. Zu wissen, dass es so was wie eine Flucht gibt, ohne sich komplett zum Idioten zu machen. Ich kann da einfach nicht weg. nicht aus diesem Internat, nicht aus der Schule. Eine (bzw. egtl zwei) Wochen.
      Ich will nicht sagen, dass Selbstmord keine Option für mich darstellt. Tut sie. Sie ist aber nicht zum Greifen nah. Da sind noch andere Möglichkeiten. Aber die Tatsache, darüber tagelang nachzudenken finde ich irgendwie… bedenklich?
      Ja, dann mache ich meine Ausbildung eben später. Aber – Und ich weiß nicht, wie oft mir dies schon gesagt wurde – Ich bin ja schon 25. Ich kann und darf mir keine Patzer mehr erlauben. Und ja, vllt ist es auch das, was mich irgendwie, neben meiner Angst, unter Druck setzt.
      Ich danke Dir für Deinen lieben Kommentar 🙂

      • Schade, dass dir die Methode nichts bringt.
        Wieso kannst du da nicht weg? Und wieso machst du dich zum Idioten, wenn du etwas nicht aushältst?
        Ich kenne wen, der hat aus ähnlichen Gründen wie du, erst mit 30 angefangen zu studieren. Und dann gibts da noch wen, die hat erst mit 42 eine Ausbildung gemacht, eben weil es in ihrem Leben vorher einfach nicht ging und sie vorher erst mit etwas anderem beschäftigt waren. Bei deiner Ausbildung gibts du das Tempo vor und du darfst dir auch „Patzer“ erlauben. Was nicht geht, das geht eben nicht. Du hörst ja deswegen nicht für immer auf es zu probieren, oder? Und das meine ich, wenn ich sage, dass das Leben weiter geht. Selbst wenn du es nie schaffen solltest eine Ausbildung zu machen und ein an die Gesellschaft angepasstes „funktionales Rädchen“ zu werden, dann geht das Leben für dich trotzdem weiter. Dein Leben findet jetzt statt, nicht erst wenn du eine Ausbildung anfängst/abgeschlossen hast. Und wenn du jetzt erst mal fünf Jahre brauchst um mit deiner Angst fertig zu werden, dann ist das auch okay.
        Zu den Selbstmordgedanken: Du scheinst sehr resigniert zu sein und unter großem, inneren Druck zu stehen, ich glaube, da sind solche Gedanken, auch wenn sie häufiger auftauchen, nicht ungewöhnlich. Ich würde mir wünschen, sie dir einfach nehmen zu können, nur mit dem Finger zu schnippen und alles ist gut. Da das aber niemand kann, musst du das irgendwie alleine hin bekommen. Und nur du weißt, was dir dabei am besten hilft. Spontan würde ich sagen, dass es vielleicht ungünstig ist, sich darauf zu fokussieren. Das heißt nicht, dass du sie nicht zur Kenntnis nehmen solltest, sie sind ja eine wichtige Warnung an dich selbst. Aber du musst dich nicht selbst dadurch in Frage stellen, dass du die Gedanken hast. Vielleicht wäre es besser darauf zu schauen, wie du den Kram bewältigen kannst, der die Gedanken auslöst und wie du überleben kannst.
        Mit wem kannst du darüber sprechen?

      • Weil draußen eben auch Menschen sind. Ich kann ja auch nicht einfach aus der Klasse abhauen. Und wenn doch, mach ich mich (in meinen Augen) schon ziemlich zum Idioten.
        Ja, vielleicht ist es der äußere Druck, der immer sagt „Das ist Deine letzte Möglichkeit, dein Leben auf die Kette zu bekommen!“ Und vielleicht lasse ich mich dadurch zu sehr beeinflussen.
        Natürlich geht das Leben weiter. Aber wie, ist die andere Frage. Und ich meine nicht mal die Situation, sondern mehr meine psychische Verfassung.
        So sehr konzentrier ich mich ja nicht auf diese Gedanken. Dazu ist wohl die Angst selbst momentan zu groß, als dass ich mich darauf fokussieren könnte.
        Wir haben bei uns Psychologen, ich habe für die Woche nach der Schule einen Termin bei einer Psychologin auf unserem Ausbildungsgelände und bin für Oktober fürs Skilltraining (wegen der großen inneren Anspannung) angemeldet. Außerdem habe ich dort Zwillinge kennengelernt, mit denen ich rede. Aber die haben momentan selbst große Probleme. Und ich tu mich schwer mit dem Reden, auch wegen mangelndem bzw. wechselndem Vertrauen.

        • Wissen deine Lehrer nicht bescheid? Oder geht es um die Leute in der Klasse?
          Glaub mir, es ist nicht die letzte Chance dein Leben auf die Kette zu kriegen. Es gibt noch zig andere Möglichkeiten, du brauchst nur jemanden, der sie dir zeigt. Und neben der Beratung zum Umgang mit Angst und Panik, sind Psychonauten auch dafür gar nicht so schlecht geeignet. Von daher ist es gut, dass du den Termin hast.
          Wenn du es nicht schaffst in der Klasse zu bleiben und du dadurch, dass du dich zwingst in einen Strudel gerätst, dann bleib besser zu Hause/im Zimmer und zieh die notwendigen Konsequenzen, das heißt, nimm dich selber ernst, lass dich krank schreiben und hol dir professionelle Hilfe – du machst dich sonst kaputt (Angst und Paniksachen kann man übrigens auch ganz gut in den Griff bekommen, ich spreche da aus Erfahrung…).
          Tust du das nicht (und auch da spreche ich wieder aus Erfahrung), ist es so, als würdest du versuchen mit nem platten Reifen Fahrrad zu fahren: es geht zwar (irgendwie), ist aber furchtbar anstrengend und wenn du Pech hast, dann machst du dir an der nächsten Bordsteinkante deine Felge kaputt, knallst hin und zersäbelst dir damit das ganze Rad. Statt weiter zu fahren und kunstvoll den Platten zu ignorieren, gibts aber noch die (durchaus logische und vernünftige) Möglichkeit zu schieben – dann kommst du vorwärts, nur langsamer. Eine andere Möglichkeit ist es, eine Pause zu machen, mal nachzusehen wo der Reifen das Loch hat und dann erst mal den Reifen zu flicken, bevor es (dann wieder schneller) weiter geht… 😉
          Aber so wie es aussieht, ist da bei dir auch schon einiges auf dem Weg.

        • Ich weiß nicht, ob meine Lehrer Bescheid wissen. Wir werden wohl mit meinem Klassenlehrer reden, deswegen weiß der wohl Bescheid. Es geht… Ich glaube, um Menschen allgemein.
          Es mag jetzt vllt etwas… krass klingen, aber ich fühle mich halt ziemlich unverstanden. Und ich frage mich.. Nein, schlimmer; Ich überlege mir, was wohl passieren muss, bis sie verstehen, dass es mir schlecht geht. Und ihnen das irgendwie zu beweisen.
          Ich habe das alles ja schon hinter mir. Tagesklinik, vollstationär. Und… Vielleicht frustriert es mich einfach, dass es nicht mehr funktioniert. Und ich will nicht verstehen, dass es alles doch viel mehr ist, was ich tue als damals. Und wahrscheinlich muss ich mir das jetzt Montag erstmal angucken, um zu gucken, welchen Weg ich gehen muss, sollte, vor mir selbst vertreten kann.

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