Ich war nicht hier.

Letztendlich sitze ich nun nicht in der Schule. Ich bin Sonntag nach Timmendorf gefahren, habe danach noch eine ganze Weile mit einer unserer Betreuerinnen geredet und bin mir darüber klar geworden, dass ich niemandem etwas… Schuldig bin. Und ja, sie haben viel für mich in die Wege geleitet. Deswegen bin ich Montag auch mit nach Neumünster gefahren. Vielleicht hätte ich sonst von vorne herein gesagt, dass ich dort nicht hinfahren werde. Und auch wenn mir nach bescheidenen drei Stunden Schlaf wirklich nicht nach Neumünster war, bin ich mitgefahren. Auch, wenn ich panische Angst hatte.

Dann kamen wir jedenfalls in dieses Internat rein und mir fällt erstmal alles aus dem Gesicht, als die mich in ein Vierbettzimmer verfrachten wollen. Die Nachfrage, ob es vielleicht in der ersten Zeit aufgrund meiner Angst (die man mir ohne weiteres ansah) erstmal im Zimmer zu essen, wurde damit verneint, dass dies absolut nicht möglich wäre, aber ich könne mich ja ganz an den Rand des Speisesaals setzen. Und ich brauche doch keine Angst haben, man könne da so einiges möglich machen.

Und natürlich fühle ich mich ein bisschen selbstgefällig, mir aufgrund meiner Angst solche Extrawürste erlauben können zu dürfen. Und sicher mögen die Menschen dort auch sehr nett sein. Aber das mit dem Vierbetttzimmer trotz meiner, schon vor Wochen angekündigten Angst find ich schon ein wenig.. dreist? Es ist ja nun mal nicht so, dass ich das spontan entschied, sondern schon vor vier Wochen zur Debatte stand, als meine Sozialarbeiterin mich anmeldete. Und wenn ich mich dann auf ein Doppelzimmer einstelle, mag das vielleicht scheiße klingen, aber dann möchte ich das auch. Ich habe mich schließlich mit meiner Angst auf eine weitere Mitbewohnerin eingestellt. Und nicht auf drei. Das sich neben meinem Zimmer eine Küche befindet, ist für den Fall des „Nicht auf den Zimmern essen“-Dürfens m.E. übrigens auch ziemlich… sinnfrei.
Und nein, bestimmt ist nicht alles schlecht. Aber eben genau nicht so, wie es mir gesagt wurde. Worauf ich mich einstellte.

Und danach ging es in die Schule. Nach einigem Irren durchs Schulgebäude haben wir das Lehrerzimmer gefunden. Und gleich kam ein etwas zu forscher Mensch auf mich zu, der mich gleich mit Fragen bombadierte, in welche Fachrichtung ich den gehe und was meine Spezialisierung ist. Und ich stand dort wie angewurzelt, bemühte mich, bloß nicht anzufangen zu heulen und flüsterte mit gebrochener Stimme irgendwelches Zeug vor mich hin. Dann saßen wir auf den roten Sofa, welches vor dem Lehrerzimmer rumstand und warteten. Der verlangte Lehrer kam auch sobald, wir mein Ausbilder und meine Sozialarbeiterin unterhielten sich mit ihm, während ich elegant aparthisch dem Tisch schöne Augen machte. Und er sagte, dass er mich dann mit in die Klasse nähme und.. ich versuchte immer energischer, meine Tränen zu unterdrücken. Und während er da so saß und sagte, er würde mich dann mitnehmen, starrte ich meine Sozialarbeiterin an und schüttelte nur mit dem Kopf, während ich merkte, wie mir langsam die Tränen kamen. Sie reagierte recht geistesgegenwärtig und fragte, ob wir eben runtergehen wollen und ich eine rauchen möchte, um mich abzuregen. Und dann rennen wir zu viert da runter und ich plärre mir die Seele aus dem Leib und meine zukünftigen Mitschüler latschen an mir vorbei und… Jedenfalls war es keine sonderlich schöne Situation. ich tendiere dazu, mich extrem umzustylen, wenn ich da das nächste Mal auftauche…

Dann stand ich also da unten und versuche Leuten meine Angst zu erläutern, während mich Rotz aus der Nase läuft und sie tun zumindest verständnisvoll und irgendwann stand einfach für mich fest, dass ich das momentan nicht kann.  Dass das ein ziemlicher Overkill an Menschen ist. Und ich weiß, dass sie das nicht nachvollziehen können, aber doch irgendwie gut meinten. Und ich habe wirklich mein Bestes versucht. Aber vermutlich bringt es nichts, wenn ich mich letztendlich nur darauf konzentriere, nicht dem Fluchtreflex nachzugeben. Und auch, wenn ich das Angebot bekam, mich einfach nur berieseln zu lassen, allen zu sagen, besonders den Lehrern, dass sie mich in Ruhe lassen sollen… Ich konnte nicht. Selbst während dieser Gespräche ist der Fluchtreflex so extrem gewesen. Nein, ich bin natürlich nicht abgehauen. Und wirklich, mein Lehrer war ein absoluter netter Mensch, absolut hilfsbereit und verständnisvoll. Aber: Ich habe mir trotzdem die Räumlichkeiten zeigen lassen. War in meinem zukünftigen Klassenraum, in dem schon zwei Schüler saßen, denen ich auch Hallo sagte.Wir gingen in den Technikraum, also der Ort, wo die PCs und Macs stehen, an denen wir dann arbeiten. Und auch die Druckmaschinen schauten wir uns an.

Es hat mich immer wieder viel Kraft gekostet, zu sagen, dass ich das momentan nicht kann. Mich zu erklären. Aber hat geklappt. Und ganz umsonst war unser Besuch ja auch nicht. Zumindest weiß ich nun, worauf ich mich einstellen kann.
Momentan arbeite ich wieder wie gewöhnlich im BBW. Der nächste Block ist für Ende Oktober, Anfang November angesetzt. Ich hoffe, dass ich bis dahin meine Ängste im Griff habe. Heute hatte ich meinen ersten Termin bei der Psychologin. Dadurch, dass ich nun nicht in der Berufsschule bin, haben wir mich noch eben dazwischen geschoben. Ich habe viel geredet, wohl auch ziemlich zusammenhangslos, aber das sei nicht so schlimm, sagte sie. Wir haben etwas an meiner Schulvergangenheit rumgekaut, beruflich, alles, was so in die Richtung geht. Diese Termine finden dann nun wöchentlich statt. Sie ist eine sehr ruhige und nette Frau, gefällt mir also vom Eindruck her.

Und heute morgen hatte ich auch eine wundervoll Begegnung. Meine <3-Zwillinge und ich treffen uns morgens, bevor wir nach Blankensee fahren, immer noch am Strand. Hach, wie arg sie sich gefreut haben, mich wiederzusehen. E. kam gleich freudestrahlend auf mich zugerannt, um mich zu umarmen, S. hinterher. Schön, wirklich. Ich hab mich auch sehr gefreut, sie wiederzusehen. Und bin wirklich arg froh, die beiden kennengelernt zu haben.
Schöne letzte Worte zum Ende, oder?

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~ von Miss Ann Thropy - 11. September 2012.

4 Antworten to “Ich war nicht hier.”

  1. Wow. Klingt erlebnisreich.
    Ich finde es gut, dass du dich durchgesetzt hast. Nur du weißt, was für dich richtig ist. Immer schön langsam und in deinem Tempo… Dann packst du das auch irgendwie.

  2. Ey, gehts gut?

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