Manchmal wünsche ich mir, ich wäre Uri Geller und könnte Menschen verbiegen.

Ich fühle mich schlecht. Und ich meine damit nicht, dass ich ein bisschen weinen möchte und eigentlich ja sowieso alle Menschen ja irgendwie blöd sind (oder wie Patricia sagen würde: Ein Stück Scheiße mit Hautverpackung), sondern dass es mir wirklich schlecht geht.

Fragt mich nicht, wie ich diese Odyssee aus „Ich renne zum Hausarzt, zur Institutsambulanz, wieder zum Hausarzt, habe Angst zum Hausarzt zu gehen und geh deshalb nur mit meinem Vater hin (Ich bin der Unbegriff von Erwachsensein /ironieoff), fahre wieder zur Institutsambulanz, weil der Doc sagt, er könne nichts für mich machen, um mir noch mal das Selbe wie vor zwei Tagen anzuhören und zu heulen und…“ aushalte oder schaffe. und vielleicht ist genau das das Problem. Weil ich es schaffe, bin ich nicht kaputt genug? Ist es das?

Nach dem Gespräch vor zwei Tagen war alles so viel schlimmer. Ich verließ das Zimmer der Psychologin und… heulte. Ich ging in den Wald, zu den Frischlingen und den Zwergziegen und heulte. Nonstop, eine halbe Stunde. Das ich kurz überlegte, mich wie Grenouille in „Das Parfum“ ins freizugängliche Zwergziegengehege zu stürzen, behangen mit Möhren, Heu, etc., ist nicht erwähnenswert, oder? Und ich kam nach hause und weinte und war wütend, weil das doch alles nicht ihr Ernst gewesen sein kann. Ich sitze dort und weine und sage, ich habe keine Kraft mehr. Und sie sagt, ich müsse dahin zurück und ich bin doch extra in so einem geschützten Rahmen und das wäre Wahnsinn, dass sausen zu lassen, weil das doch eine Riesenchance wäre (und dabei so tut, als wüsste ich das in meiner depressiven Birne nicht selbst. Hallo, ich bin depressiv aber nicht blöd!). Und als wäre mir das ja alles so unglaublich nicht bewusst, ist es immer nur dieser eine Satz, der mit der Zeit mehr zu einem „Reißen Sie sich halt doch auch mal ein bisschen zusammen, Sie haben da doch psychologische Hilfe und Betreuer, und, und, und…“ formt. Well, I know. Aber vllt reicht es mir nicht, mich einmal die Woche mit jemandem auseinander zu setzen, über meine Probleme zu reden, die ich irgendwie doch nicht so recht greifen kann, weil ich mich eigentlich ja nur selbst als ein riesengroßes Problem empfinde (und ich meine, ich schaffe es nicht mal ans Telefon zu gehen, wenn die Zwillinge anrufen, weswegen mein Handy nun konsequent auf Flugmodus gestellt ist). Mir reicht es eben nicht, mich einmal die Woche mit jemandem hinzusetzen und zu reden, während ich den Rest der Zeit damit verbringe, mich zusammen zu reißen und bloß nicht zu eskalieren.

Je häufiger ich „Ich habe momentan nicht die Kraft dazu!“ einbringe, umso energischer geht es „Aber das ist eine Riesenchance und sie müssen das da klären!“. Und ich weiß nicht mal, wie ich es morgens schaffen soll, aufzustehen. Schlichtweg kann man sagen, dass ich eigentlich in einer fetten Depression stecke. Das ist mir durchaus bewusst. Und gestern, als ich mich nicht zum Arzt traue, weil ich Angst hatte, dass er mir sagt, dass ich mich doch auch nur ein bisschen zusammenreißen soll, befand ich mich in der Bibliothek (und ich liebe diesen Ort. Er hat mich sogar ein wenig beruhigt, was schon fast ein Wunder ist. Diese Ruhe, obwohl drölftausend Menschen still um einen herum sind. Egtl müsste ich Kirchen fast genauso dufte finden.) und durchforstete irgendwelche „Hallo, wie komme ich aus meiner Depression und Angst raus“-Bücher und konnte mich dann letztendlich doch nicht drauf konzentrieren, so dass ich nach Hause ging.

Und dann ging ich heute mit meinem Dad zum Arzt und zur Institutsambulanz und er wurde von der Psychologin rausgeschmissen und ich saß da heulend und mir war schlecht und schwindelig und ich hatte Kopfschmerzen. Letztendlich war es nur wieder „Sie müssen dahin und das klären, Sie müssen das alleine machen, ich kann Ihnen da nicht helfen, da müssen sie selbst anrufen oder hinfahren“. und ich weinte und fragte mich, wie ich die Kraft dafür aufbringen soll und fühlte mich schuldig, weil ich mich wie eine blöde Fotze verhielt, allen gegenüber und ich eigentlich weiß, dass ich nicht die Kraft dafür aufbringen kann. Versteht das jemand? Ich kann mich nicht in den Zug setzen und mich mit den Leuten auseinander setzen. Ich schaffe es ja noch nicht mal, meine Sozialarbeiterin anzurufen. Und ich soll es wirklich schaffen, mich mit allen zusammen zu setzen und zu reden?

Und letztendlich war es doch nur ein ständiges Gegeneinander anreden und… Immer wieder dieses „Aber das ist das Beste, was Ihnen passieren konnte, etwas besseres gibt es nicht.“ Wieso denken Menschen eigentlich, dass es gut ist, jemand durch ein schlechtes Gewissen zur Änderung zu bewegen? Mal davon ab, dass es nicht klappt. Und ich weiß nicht, wie oft ich diese Selbstmordgedanken noch erwähnen soll, wie schlagartig sie da sind… Und wie große Angst ich (und offensichtlich auch andere) habe/n, dass ich irgendwelche Scheiße im Affekt tue. Manchmal denke ich, dass es genau das ist, was man tun muss. Sich irgendwas antun, nur damit ein einziger Mensch begreift, wie verzweifelt und hilflos und unfähig man selbst ist.
Schließlich stehe ja auch ein Klinikaufenthalt nicht wirklich zur Debatte, so sie…

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~ von Miss Ann Thropy - 27. September 2012.

4 Antworten to “Manchmal wünsche ich mir, ich wäre Uri Geller und könnte Menschen verbiegen.”

  1. Ich will sie alle töten. :/

  2. Ich lese deine Artikel, möchte sie kommentieren, einfach nur um dir zu zeigen, dass jemand da ist und dir zuhört. Einen aufbauenden Kommentar kann ich kaum verfassen, schließlich steck ich nicht in deiner Situation, kann die Angst, die du fühlst, nicht nachvollziehen. Vor allem, wenn du wieder was zum Thema Selbstmord schreibst, habe ich das Bedürfnis dir zu sagen, dass deine Gedanken gelesen werden. Du stehst nicht ganz alleine da.

    Die Psychologin macht für mich einen sehr inkompetenten Eindruck. Sie sollte dich nicht so unter Druck setzen und einreden, was das beste für dich ist. Ich denke, sie sollte herausfinden, warum du solche Angst hast und sich dann mal Gedanken machen, wie man dem entgegen wirken kann. Hast du die Möglichkeit die Psychologin zu wechseln?

    • Den Eindruck mit der Psychologin habe sowohl ich als auch mein Dad. Und ja, ich fühlte mich auch unter Druck gesetzt, was eben für mich das Schlimmste ist, keine Fluchtmöglichkeiten zu haben. Und daraus ergeben sich dann meist eben die Selbstmordgedanken, weil das ja auch so was wie eine Flucht, wenn auch eine sehr konsequente, ist.
      Ich werde heute nach Timmendorfer Strand fahren und wir weisen mich morgen dort in der Gegend in eine Klinik ein
      Ich danke Dir für Deinen Kommentar, das beudetet mir viel!

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