Es könnte Trost geben…

Wenn man länger nicht geschrieben hat, weiß man nicht so recht irgendwo anzufangen. Und weil ich nicht irgendwas annähernd poetisches schreibe, irgendwas wohlklingendes, metaphorisches, sondern so nüchtern, so… alltägliches, banal, erscheint es irgendwie noch in wenig schwieriger.

Ich sitze nun also in meinem wunderschönen Klinikbett mit der Latexmatratze, gehüllt in meine eigene Bettwäsche, Patrick und Elmo neben mir liegend. Vor mir mein Laptop, auf dem runtergeklappten Tisch meines Nachtischs und höre Musik. Ich habe ein Fettgeschwulst im Hirn, an dem ich vermutlich nicht sterben werde, muss aber zur Überprüfung definitiv nächstes Jahr unbedingt noch mal zum MRT. Auch habe ich mir einen ganz wunderbaren Pilz im Bauchnabel eingefangen, den ich nun zwei Wochen mit Fungizid (und noch unverfänglicher könnte ein Antipilzmittel kaum klingen) behandeln, mir Watte in den Bauch stopfen und es mit meinem Riesenteletubbypflaster verkleben, um mich wie eine Mischung aus eben Teletubby und Glücksbärchi zu fühlen. Außerdem habe ich hier das erste Mal Berührung mit starken Beruhigungsmitteln gemacht, weil man mir beim MRT nicht sagte, dass ich während der gesamten Untersuchung eine Braunüle in der Armbeuge stecken  haben werde. Dies führte dazu, dass ich eine hyperventilierend das halbe MRT-Gerät auseinander nahm und wenig später intravenös mit einer ordentlichen Portion Tavor versorgt wurde. Ich weiß wirklich nicht, wie lange ich schon nicht mehr so einen Zustand von Tiefenentspannung hatte. Und ich meine: Yay, nächstes Jahr wieder.

Dann haben wir da noch die neuen Diagnosen. Bereits bekannt war ja: Mittelgradige Depression und Sozialphobie. Und dann haben wir da jetzt eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (Borderline und ängstlich-vermeidend). Sagen wir es einfach mal so: Kennt ihr das, wenn ihr wisst, dass irgendwas mit euch nicht stimmt, ihr aber einfach nicht definieren könnt, was es ist? Jetzt hat das Kind wenigstens einen Namen. Und irgendwie war da auch immer irgendwas, was mir sagt, dass es das sein wird. Aber Selbstdiagnosen sind ja meist mehr für’n Arsch.

Und außerdem habe ich Zahnschmerzen. Ziemlich doll und ziemlich viel und es scheint mir, als hätte ich „Hiiiier!“ geschrieben, als es die große Vergabe an Krankheiten jedweder Art gab. Oder sie waren schon vorher da (denn seien wir mal ehrlich, ein Fettgeschwulst im Hirn wird sich wohl kaum in arg kurzer Zeit entwickeln) und es ist deswegen so viel, weil ich Arztbesuche bei so Kinkerlitzchen vermeide. Aus der Bauchnabelsache habe ich zumindest gelernt, dass man trotzdem hingehen soll, denn hätte ich dies nicht getan, würde mir wohl mit der Zeit ein Abszess im Bauchnabel wachsen und den will ich, aus Erfahrungen an anderen Körperstellen, nun echt nicht haben (wobei das unerlaubte Ausquetschen echt tierisch Spaß macht).

Meine Ausbildung ist nun übrigens unvorhanden. Vermutlich werde ich nicht Mediengestalterin, denn dann hätte ich am 5. zur Schule gemusst und dort war ich nicht und wurde deswegen gekündigt. Also haben wir da wieder eine Premiere. Meine erste Kündigung. Meine erste Kündigung ist aber aufgrund dessen nicht so schlimm, da ich nun an einer Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme teilnehme. Und vorerst, um mich zu schonen, oder damit ich wieder einen guten Weg ins Arbeitsleben zu bekommen, bei der Ausbilderin, bei der ich meine ersten zwei Wochen während der Eignungsabklärung machte. Am 21.12. ist dann auch schon wieder Urlaub, was, um ehrlich zu mir und zu anderen zu sein, momentan mein eigentlicher Antrieb ist. Die Tatsache, dass ich am 3. wieder von viertel nach sieben bis um halb fünf arbeiten soll, überfordert mich jetzt schon restlos. Und weil das so ist, oder weil mein Behandler dies wohl ahnte, werde ich von Montag auf Dienstag in Timmendorf schlafen und am Dienstag zur Arbeit gehen, um zu schauen, wie es läuft. Nun, ich bin gespannt. Gedanklich maßlos überfordert, aber gespannt.

Noch gespannter bin ich allerdings, wie ich es schaffen soll, mit meinen 9€ auf dem Konto (die ich nicht abheben kann, weil der Mindestbetrag natürlich 10€ sind) und meinen 3€ und ein paar Zerquetschten bis zum nächsten Monat zu leben, wo ich ja die 6€ für die Hin- und Rückfahrt nach Timmendorf selbst zahlen muss. Und zu allem Überfluss ist auch noch immer keine Bewilligung darüber gekommen, dass ich für die BvB mein Geld bekomme, was letztendlich also heißen könnte, dass ich für Dezember das Geld nicht rechtzeitig bekomme und somit vermutlich ziemlich am Arsch bin. Zumal gleich das erste Wochenende das Pflichtheimreisewochenende ist. Wenn also die 104€ (I’m fuckin‘ rich, man!) nicht überwiesen werden, ist damit zu rechnen, dass ebenfalls die Fahrtkosten nicht auf meinem Konto sind. Da es nun mal Tatsache ist, dass ich von diesen 104€ lebe (Natürlich wird mein Essen und meine Unterkunft bezahlt), wird das wohl ein ziemlich harter Monatsanfang, schätzungsweise. Denn da ist diese Angst (und auch ein gewisser Unwillen), meine Oma zu fragen, ob sie mir Geld leihen kann, speziell jetzt, wo es seit letztem Jahr heißt, dass wir nichts mehr zu Weihnachten bekommen (damals gab es für jeden 50€), was ja auch vollkommen okay ist, ich mir aber so anbiedernd vorkommen würde. Mein Vater ist momentan im Krankenhaus, da er beim Fäden ziehen von der Operation als sie ihm die Gallenblase rausnahmen, Schmerzen hatte. Somit fällt auch diese Möglichkeit flach.
Und während ich mir so Gedanken um meine finanzielle Lage mache, fühle ich mich wieder so, als wäre ich ein gieriges Biest. Denn 104€ sind ja eigentlich schon eine Menge Geld. Und ja, vllt bin ich das. Gierig. Weil ich vllt unfähig bin mit Geld umzugehen. Und nun habe ich wieder mal Angst bei den entsprechenden Stellen zu fragen, ob die Möglichkeit bestände, Halbwaisenrente zu bekommen oder ob es, wenn eine Bestätigung einer psychischen Erkrankung vor dem 25. Lebensjahr bestand, die Möglichkeit gäbe, Kindergeld zu bekommen. Denn so in etwa lief es bei den Zwillingen. Deren Ausbildungsgeld dann zwar gestrichen wurde, aber deren Kindergeld trotzdem wesentlich mehr ist als eben das Ausbildungsgeld. Und dann ist da auch irgendwie die Angst mich damit an die Bildungsbegleitung zu wenden, weil ich eben nicht gierig wirken möchte. Angst davor habe, gesagt zu bekommen, dass ich doch um die 104€ froh sein soll, denn es gibt doch auch die Leute, die kein Geld bekommen, weil ihre Eltern zu viel Geld verdienen und deshalb von ihnen finanziert werden müssten.

Weil ich eben so wenig Geld habe, ist es auch so, dass ich es mir nicht leisten kann, neue Klamotten zu kaufen (und ja, ich kann meinen Neid kaum verbergen, wenn ich sehe, wie meine Mitbewohnerinnen, wenn sie nach Lübeck fahren, mit neuen Sachen wiederkommen). Deswegen waren wir gestern auch mit dem Lions Club in Bad Schwartau einkaufen. Für mich gab’s neue Schuhe und eine neue Jeans. Schöne Winterschuhe mit Fell innen und sogar mit Absatz. Und ich kann drauf laufen und die Füße tun nicht weh. Großartig.

Ich überwinde übrigens immer mehr meine panische Angst vorm Blutabnehmen. Beim letzten Mal hatten wir nicht annähernd eine körperliche Angstreaktion und nicht mal Schwindel. Und morgen ist es wieder so weit und das ist vollkommen okay.

Und dann gäb’s da noch eine Sache. Am 17.8. ist wieder ein die ärzte-Konzert in Uelzen. Und dann ist da dieser Drang, da unbedingt hinzuwollen, nein, hinzumüssen. Und nun dürfen sich gerne Menschen dafür anbieten, mit mir dieses Konzert zu besuchen. Durchaus ernst gemeint, wer also Lust hat, darf sich gerne melden.

Und um die Interaktion bloß nicht zu unterbrechen, ist es so, dass ich, wie ja schon einige Male angeschnitten, mir mein Blog einfach nicht mehr gefällt. Auch das ist sicher ein Grund, weshalb ich lange nicht mehr schrieb. Bei einigen ist es wohl so, dass sie stolz oder froh sind, dass dort so viel Vergangenheit ist. Das es ein beständiger Teil ist, den man jahrelang aufrecht erhalten hat. Aber mir  ist da irgendwie zu viel Vergangenheit. Da sind Gedanken, die ich nicht mehr verstehe, Gedanken von früher, mit denen ich mich auch ehrlich gesagt nicht mehr auseinander setzen möchte. Schöne Gedanken und schlechte Gedanken. Un irgendwie fühlt es sich nicht richtig an, an dieser Stelle weiterzumachen. Da ist irgendwie zu viel, mit dem ich nicht nicht mehr identifizieren kann, die sich mir nicht zugehörig anfühlen. Für manche mag das ein Fortschritt sein, wenn sie sehen, dass sie sich im Gegensatz zu früher enorm gewandelt haben. Mir macht es ein schlechtes Gefühl.
Nun ist es so, dass ich überlege, ein neues Blog zu starten. Praktisch ein Neuanfang. Der versuchte Weg nach der Klinik. Whatever. Tatsache ist eben, dass ich es für nötig erachte. Mich damit besser fühle. Ich bin aber ein so unglaublich unkreativer Mensch. Und wenn ich dann kreativ bin, kreativierte dies jemand schon mal vor mir. Means: Name besetzt, aber du kannst gerne dafür zahlen.

Was ich nun also von euch will: Schlagt mir neue Namen für einen Blog vor!

Ich wäre diesbezüglich sehr dankbar. Ich persönlich habe sogar ausnahmsweise sogar selbst eine Idee gehabt, die das genaue Gegenteil zu meinem jetzigen wäre. Vielleicht habt ihr auch Lust, eure Meinung dazu mitzuteilen.
Meine Idee wäre nämlich von der wunderbaren Herzensband Tomte gesponsert – Für immer die Menschen.

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~ von Miss Ann Thropy - 25. November 2012.

2 Antworten to “Es könnte Trost geben…”

  1. „Dann haben wir da noch die neuen Diagnosen. Bereits bekannt war ja: Mittelgradige Depression und Sozialphobie. Und dann haben wir da jetzt eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (Borderline und ängstlich-vermeidend). Sagen wir es einfach mal so: Kennt ihr das, wenn ihr wisst, dass irgendwas mit euch nicht stimmt, ihr aber einfach nicht definieren könnt, was es ist? Jetzt hat das Kind wenigstens einen Namen. Und irgendwie war da auch immer irgendwas, was mir sagt, dass es das sein wird. Aber Selbstdiagnosen sind ja meist mehr für’n Arsch.“ Genau so ging es mir auch. Es ist befreiend endlich einen Namen dafür zu haben.

    Für deinen Blog fällt mir allerdings nix ein. Gundula & Elmo gegen den Rest der Welt? Oder so in der Art.

    Ich bin stolz auf dich. Allein in diesem Artikel sind endlos viele Dinge auf dich stolz zu sein… Blutabnehmen! Du. Ohne Panik. Hätte ich dir das letztes Jahr gesagt hättest du mir nen Vogel gezeigt. Wenn einer es überhaupt getan hätte.

    Wegen der Kohle… fragen kostet nichts. Du hast das Recht drauf zu fragen. Wenn es nicht geht, geht es nicht. Und mit deiner Oma könntest du ja vllt. auch nen Deal ausmachen, dass du es zurückzahlst. Dann ist es auch nicht anbiedernd.

    Und Geld kann man auch am Schalter abholen.. da gibt es auch keinen Mindestbetrag 😉 Mach ich aber auch nie.

    *knuff*

  2. hi du!
    schön wieder von dir zu hören und zu erfahren wie es dir so ergangen ist bis jetzt! 🙂 hab öfters hier geschaut und auf einen neuen artikel gehofft 😀
    hört sich gut an, also natürlich nicht deine gesundheitlichen probleme, aber was du bis jetzt so geschafft hast. klinikaufenthalt, blutabnehmen usw.
    und du bist bestimmt nicht gierig, wenn du dich erkundigst welches geld dir vielleicht zustehen könnte. du willst ja nur deinen lebensunterhalt sichern und das steht jedem zu. 😉
    die 9 euro würd ich auch am schalter abholen. ich habe mir mal meine letzten 3,48 euro am bankschalter auszahlen lassen. war auch gar kein problem, außer dass es mir etwas unangenehm war, die letzten kröten rausgeben zu lassen, aber hey! es ist mein geld! 😀
    einen neuen namen für deinen blog weiß ich jetzt leider auch nicht. *grübel*….
    ich grüß dich lieb! nina

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