Herzlich Willkommen im „Hotel zur lockeren Schraube“.

•5. Oktober 2012 • 12 Kommentare

Ich sitze nun also in Neustadt in der Klinik. An meinem Laptop. Es ist Freitag Abend, ich aß um halb sechs zu Abend, meine Zimmernachbarin strickt. Eben war ich duschen, nun weiß ich nichts mit meiner Zeit anzufangen.
Ich bin also seit Dienstag hier und… Heute war ich Blut abnehmen. Mit Elmo und Patrick, und ich weinte und hyperventilierte und machte sonst lauter Kram, den Kleinkinder so machen. Jedenfalls hab ich’s geschafft und bekomme auch ein neues Medikament und das heißt wohl, dass man mir bald wieder Blut abnimmt.  Das wird ein Spaß.

Wie lange ich hierbleiben darf/muss, ist auch nicht entschieden. Dafür habe ich neuerdings Spaß an der Ergotherapie. Das mag aber wahrscheinlich daran liegen, dass wir unglaublich viel Freizeit haben. Zu kurz, um zu schlafen, zu lang, um sich mit was sinnvollem zu beschäftigen, was über lesen hinausgeht. „Sofies Welt“ ist jedenfalls kein so tolles Buch wie erwartet. Und ganz nebenbei: Hat irgendjemand Vorschläge, was man tun kann, Lesen, Stricken und Schlafen mal ausgenommen? Denn die Zeit verhält sich irgendwie doch ein wenig wie Kaugummi.

Wie es mir sonst so geht, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich bin ständig wahnsinnig müde, kann ziemlich schlecht pennen, weil die Küche nebenan ist und irgendjemand nicht das Licht ausmacht und mir konsequent die gesamte Nacht in die Fresse scheint. Außerdem strengen mich sämtliche Gespräche an, obwohl es soviel weniger sind, als ich es aus der Uelzener Klinik gewohnt bin. Was natürlich kein Wunder ist, weil Psychosomatikstation und Akutstation schon ein Riesenunterschied ist.

Jedenfalls ist jetzt Wochenende und ich hab nun endlich die Leute davon überzeugt bekommen, dass ich Sonntag alleine raus darf, die Stadt erkunden, was ja erst von meinem Behandler „verboten“ wurde, der Suizidgedanken wegen, die ich ja aber unter Kontrolle habe und eine andere Psychologin der Auffassung ist, dass es mit meinen sozialen Ängsten doch eigentlich eine gute Sache ist, wenn ich von selbst rausgehe. Nun haben sich die beiden abgesprochen, dass man noch mal mit mir redet und ich nun doch raus darf. Soweit nun erste, unspannende Updates. Hallo.

I don’t understand.

•29. September 2012 • 8 Kommentare

Jedenfalls bestätigt mich das Gespräch mit dem Internat, dass ich nicht ganz unrecht hatte. Und diese Psychologin eigentlich nichts weiß. Dass dort eben nicht alles möglich ist für einen doch ziemlich depressiven Menschen, wie ich es momentan bin. Das eben mein Auftrag dort ist, zu arbeiten. Und wenn ich nun mal eben die Kraft nicht dazu habe, dann ist das eben ziemlich blöd, denn eigentlich bin ich ja da, um zu arbeiten, in einem geschützten Rahmen.

Aber vielleicht hatte sie insofern Recht, dass ich da anrufen muss. Denn jetzt fahre ich also Sonntags nach Timmendorfer Strand, gehen Montag zum Arzt, in der Hoffnung, dass man mich rückwirkend krankschreibt, weil mein Arzt das vermutlich nie machen würde und dann schauen wir, dass wir mich möglichst bald in Lübeck stationär untergebracht kriegen.

Das, was mich nur einfach wirklich vollkommen perplex macht, ist, dass es eigentlich das selbe ist, was ich mir dachte. und sobald ich mich darum alleine kümmern wollte, um Hilfe bat, mir diese abgesprochen wurde, weil ich ja angeblich am falschen Ort wäre. Und es tut mir leid, ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, wie man jemanden, und mir ging es wirklich scheiße und ich weinte das ganze Gespräch über, wieder wegschicken kann, obwohl er klar geäußert hat, dass er Schiss hat, im Affekt irgendwelche Scheiße zu bauen. Nein, ich verstehe es wirklich nicht.

Manchmal wünsche ich mir, ich wäre Uri Geller und könnte Menschen verbiegen.

•27. September 2012 • 4 Kommentare

Ich fühle mich schlecht. Und ich meine damit nicht, dass ich ein bisschen weinen möchte und eigentlich ja sowieso alle Menschen ja irgendwie blöd sind (oder wie Patricia sagen würde: Ein Stück Scheiße mit Hautverpackung), sondern dass es mir wirklich schlecht geht.

Fragt mich nicht, wie ich diese Odyssee aus „Ich renne zum Hausarzt, zur Institutsambulanz, wieder zum Hausarzt, habe Angst zum Hausarzt zu gehen und geh deshalb nur mit meinem Vater hin (Ich bin der Unbegriff von Erwachsensein /ironieoff), fahre wieder zur Institutsambulanz, weil der Doc sagt, er könne nichts für mich machen, um mir noch mal das Selbe wie vor zwei Tagen anzuhören und zu heulen und…“ aushalte oder schaffe. und vielleicht ist genau das das Problem. Weil ich es schaffe, bin ich nicht kaputt genug? Ist es das?

Nach dem Gespräch vor zwei Tagen war alles so viel schlimmer. Ich verließ das Zimmer der Psychologin und… heulte. Ich ging in den Wald, zu den Frischlingen und den Zwergziegen und heulte. Nonstop, eine halbe Stunde. Das ich kurz überlegte, mich wie Grenouille in „Das Parfum“ ins freizugängliche Zwergziegengehege zu stürzen, behangen mit Möhren, Heu, etc., ist nicht erwähnenswert, oder? Und ich kam nach hause und weinte und war wütend, weil das doch alles nicht ihr Ernst gewesen sein kann. Ich sitze dort und weine und sage, ich habe keine Kraft mehr. Und sie sagt, ich müsse dahin zurück und ich bin doch extra in so einem geschützten Rahmen und das wäre Wahnsinn, dass sausen zu lassen, weil das doch eine Riesenchance wäre (und dabei so tut, als wüsste ich das in meiner depressiven Birne nicht selbst. Hallo, ich bin depressiv aber nicht blöd!). Und als wäre mir das ja alles so unglaublich nicht bewusst, ist es immer nur dieser eine Satz, der mit der Zeit mehr zu einem „Reißen Sie sich halt doch auch mal ein bisschen zusammen, Sie haben da doch psychologische Hilfe und Betreuer, und, und, und…“ formt. Well, I know. Aber vllt reicht es mir nicht, mich einmal die Woche mit jemandem auseinander zu setzen, über meine Probleme zu reden, die ich irgendwie doch nicht so recht greifen kann, weil ich mich eigentlich ja nur selbst als ein riesengroßes Problem empfinde (und ich meine, ich schaffe es nicht mal ans Telefon zu gehen, wenn die Zwillinge anrufen, weswegen mein Handy nun konsequent auf Flugmodus gestellt ist). Mir reicht es eben nicht, mich einmal die Woche mit jemandem hinzusetzen und zu reden, während ich den Rest der Zeit damit verbringe, mich zusammen zu reißen und bloß nicht zu eskalieren.

Je häufiger ich „Ich habe momentan nicht die Kraft dazu!“ einbringe, umso energischer geht es „Aber das ist eine Riesenchance und sie müssen das da klären!“. Und ich weiß nicht mal, wie ich es morgens schaffen soll, aufzustehen. Schlichtweg kann man sagen, dass ich eigentlich in einer fetten Depression stecke. Das ist mir durchaus bewusst. Und gestern, als ich mich nicht zum Arzt traue, weil ich Angst hatte, dass er mir sagt, dass ich mich doch auch nur ein bisschen zusammenreißen soll, befand ich mich in der Bibliothek (und ich liebe diesen Ort. Er hat mich sogar ein wenig beruhigt, was schon fast ein Wunder ist. Diese Ruhe, obwohl drölftausend Menschen still um einen herum sind. Egtl müsste ich Kirchen fast genauso dufte finden.) und durchforstete irgendwelche „Hallo, wie komme ich aus meiner Depression und Angst raus“-Bücher und konnte mich dann letztendlich doch nicht drauf konzentrieren, so dass ich nach Hause ging.

Und dann ging ich heute mit meinem Dad zum Arzt und zur Institutsambulanz und er wurde von der Psychologin rausgeschmissen und ich saß da heulend und mir war schlecht und schwindelig und ich hatte Kopfschmerzen. Letztendlich war es nur wieder „Sie müssen dahin und das klären, Sie müssen das alleine machen, ich kann Ihnen da nicht helfen, da müssen sie selbst anrufen oder hinfahren“. und ich weinte und fragte mich, wie ich die Kraft dafür aufbringen soll und fühlte mich schuldig, weil ich mich wie eine blöde Fotze verhielt, allen gegenüber und ich eigentlich weiß, dass ich nicht die Kraft dafür aufbringen kann. Versteht das jemand? Ich kann mich nicht in den Zug setzen und mich mit den Leuten auseinander setzen. Ich schaffe es ja noch nicht mal, meine Sozialarbeiterin anzurufen. Und ich soll es wirklich schaffen, mich mit allen zusammen zu setzen und zu reden?

Und letztendlich war es doch nur ein ständiges Gegeneinander anreden und… Immer wieder dieses „Aber das ist das Beste, was Ihnen passieren konnte, etwas besseres gibt es nicht.“ Wieso denken Menschen eigentlich, dass es gut ist, jemand durch ein schlechtes Gewissen zur Änderung zu bewegen? Mal davon ab, dass es nicht klappt. Und ich weiß nicht, wie oft ich diese Selbstmordgedanken noch erwähnen soll, wie schlagartig sie da sind… Und wie große Angst ich (und offensichtlich auch andere) habe/n, dass ich irgendwelche Scheiße im Affekt tue. Manchmal denke ich, dass es genau das ist, was man tun muss. Sich irgendwas antun, nur damit ein einziger Mensch begreift, wie verzweifelt und hilflos und unfähig man selbst ist.
Schließlich stehe ja auch ein Klinikaufenthalt nicht wirklich zur Debatte, so sie…

Was jetzt fehlt, ist ein Weiser für den Weg für die nächsten Wochen..

•23. September 2012 • 4 Kommentare

Ich schlief ca. Dreiviertel des Wochenendes. Ich denke, ich kann für mich sagen, dass das ein ziemlicher Ausdruck meiner Depression ist. Ich habe Probleme, morgens aus dem Bett zu kommen und würde mich jetzt am liebsten wieder dorthin verkriechen.
Ich habe nicht mal annähernd eine Ahnung, wie ich die Fahrt dorthin schaffen soll. Und eigentlich möchte ich auch nicht mehr dorthin. Ich versuche die ganze Zeit Wege zu finden, wie ich nicht mehr dorthin zurück muss. Wie ich es vermeiden kann. Und ich beziehe da durchaus die härtesten Konsequenzen mit ein.

Es ist eher suboptimal, wenn man aufwacht und enttäuscht bemerkt, dass man noch lebt, oder? Und irgendwann kriegste es wenigstens gebacken, dir ’nen Kaffee zu machen und es geht wieder um… Tun. Funktionieren. Planen. Leben auf die Reihe kriegen. Und dann nickst du stumm und verkriechst dich wieder in dein Bett und denkst deine Gedanken weiter und willst einfach nicht mehr.

Ich hab einfach nicht den Mumm, morgen früh wieder zum Arzt zu gehen. Was denken sie dann alle? Mein Vater, meine Betreuer, mein Ausbilder? Und wenn ich dann zum Arzt gehe, wie soll ich ihm das erklären? Wie soll ich erklären, dass ich nicht in der Institutsambulanz war? und was ist, wenn sie mir alle nicht glauben? Und das werden sie nicht tun. Sie werden denken, dass ich unfähig bin, schwach, mich anstelle… Und eigentlich muss ich doch Donnerstag zum Psychiater. Und Dienstag zur Psychologin. und meine Fahrkarten nach Neumünster abgeben.

Und deswegen kann ich einfach nicht hier bleiben. Nicht zum Arzt gehen und mich krankschreiben lassen.
Aber kann auch nicht dorthin fahren und einfach so tun, als sei alles okay, als ginge es mir so was ähnliches wie gut. Und deswegen bleibt doch nur ein weglaufen. Auf welche Weise auch immer. Allein schon, weil ich einfach nicht die Kraft habe, das alles zu regeln. Und sämtliche Reaktionen mich immer mehr in diese Selbstmordschiene drängen, weil ich diese Enttäuschung nicht ertragen kann.
Auch, wenn ich weiß, dass letztendlich nichts dran vorbeigeht, dass ich morgen zum Arzt gehe und mich krankschreiben lasse, um mich für einen verdammten Klinikaufenthalt bemühe.

Take me back to the start…

•22. September 2012 • 7 Kommentare

Irgendwann ist da ja dieser Punkt erreicht, wo man keine Kraft mehr hat. Und an dieser Stelle würde ich nun auch vermutlich rumjammern, wie schlecht es mir momentan geht. Aber selbst dazu habe ich keine Kraft mehr. Und deswegen lasse ich das einfach so halbwegs im Raum stehen.

Jedenfalls fahre ich mittlerweile total auf Coldplays The Scientiest ab und das, obwohl fast mal so was wie leidenschaftlichen Hass gegen diese Band hegte. Und dieses wunderbare Video.

Dann ist es außerdem so, dass ich einfach nicht mehr kann. ich ständig ängstlich bin. Verkrampft, immer in Abwehrhaltung, unfähig, Gespräche zu führen, weil ich nicht ein kleines bisschen Kritik ertrage.
Ergo: Nicht nur die Schule, sondern auch die Arbeit wird mittlerweile zu einem massiven Problem, weil ich eigentlich mehr damit beschäftigt bin, mich unter Kontrolle zu halten, als das, was ich tun soll oder mich drauf zu konzentrieren. Sämtliche Konzentration geht für einfach nur fürs „In Zaum halten von Gefühlen“ drauf. Und ich merke, dass das nicht gut ist.

War ich bis vor kurzem wieder bereit, in eine Klinik zu gehen, wehre ich den Gedanken immer weiter ab. Mit der Tendenz zum Selbstmord. Ich weiß einfach nicht, wie ich das alles schaffen soll. Der Weg der Besserung über eine Klinik erscheint so… ich mag nicht sagen sinnlos, aber vllt überflüssig. Da ist dieser riesige Berg und ich habe so viel falsch gemacht. Und vllt ist es wirklich falsch was ich tat, und nicht nur irgendeine Illusion in meinem Kopf. Und das ist alles nicht mehr gut zu machen. Ich weiß nicht, wie ich es ändern kann. Ich weiß nicht, wie ich mit all diesem Zeug leben kann, welche Einschnitte das für mich hat. Ich weiß nicht, wie ich es jemals schaffen kann.

Und dann sind da diese Menschen und… ich kann nicht ihnen leben. Allgemein nicht. Bis auf wenige Ausnahmen, die ich an mich ranlasse, weil sie mir ähnlich sind oder wir das selbe Schicksal teilen. Also drei. Genau drei Menschen. Von denen zwei die Zwillinge sind und der andere schon weiß, dass er es ist. Und dann ist es alles so schwer, weil sie so sind wie ich. so misstrauisch. und dann ist das Gefühl der Verbundenheit oder wie auch immer man es bezeichnen soll, wieder verloren.

Natürlich sind da dann noch die anderen Menschen. Aber dann ist da immer wieder diese Abweisung von ihnen. Und ich kann nicht damit leben, wenn sie mich fragen, wie es mir geht und ich ihnen ehrlicherweise sage, dass es nicht geht und nichts mehr kommt. keine Antwort, keine Erwiderung. Und ich fühle mich so… unwichtig, so egal. Ich weiß ja, dass sie ihr eigenes Leben haben. Aber ist es nicht irgendwie selbstverständlich, dass man jemandem in seinem Schmerz nicht allein lässt? Ist es so abnormal, sich egal, überflüssig zu fühlen, wenn keine Resonanz mehr kommt?
Und manchmal sind sie so abweisend, dass man denkt, sie hassen dich. Und es tut so weh, weil du diese Menschen magst und sie dich wie Dreck behandeln, obwohl du ihnen manchmal auch nur helfen möchtest.

Sie sind alle so weit weg und sie verstehen es nicht, weil sie nicht in dich reingucken können und immer wieder so tun, als sei alles in Ordnung. Und dann ist man selbst unfähig zu sagen, dass es nicht in Ordnung ist, weil man dann ja zugeben muss, dass man zu einem normalen Leben nicht stark genug ist.

Jetzt ist es nun so, dass ich gestern nach Hause kam und einen kompletten Zusammenbruch hatte. Zwei Stunden lang nur heulend an die Decke starrte und auch sonst nicht wirklich aus meinem Bett rauskam. Ich hab mich pseudomäßig unterhalten lassen, indem ich Gespräche führte, die nicht aufrichtig erhalten bleiben konnten, ließ mich serienmäßig ein wenig berieseln und… war dann ein wenig kurz vorm Kotzen, weil es mir schlecht ging in der Nacht.

Und weil Wochenende ist und ich Zuhause bin, heißt das nicht, dass hier Ruhe herrscht. Denn nun darf ich mich mit der ganzen Kindergeldsache beschäftigen, Vollmachten schreiben, damit die ganze Wohngeldsache geregelt wird, die Treppe putzen.. Und ich habe eigentlich nicht die Kraft dazu. und weil ich eben diese kraft nicht dazu hab, verstärkt sich der Gedanke, einfach zu gehen, so sehr, immer mehr…

Ich war nicht hier.

•11. September 2012 • 4 Kommentare

Letztendlich sitze ich nun nicht in der Schule. Ich bin Sonntag nach Timmendorf gefahren, habe danach noch eine ganze Weile mit einer unserer Betreuerinnen geredet und bin mir darüber klar geworden, dass ich niemandem etwas… Schuldig bin. Und ja, sie haben viel für mich in die Wege geleitet. Deswegen bin ich Montag auch mit nach Neumünster gefahren. Vielleicht hätte ich sonst von vorne herein gesagt, dass ich dort nicht hinfahren werde. Und auch wenn mir nach bescheidenen drei Stunden Schlaf wirklich nicht nach Neumünster war, bin ich mitgefahren. Auch, wenn ich panische Angst hatte.

Dann kamen wir jedenfalls in dieses Internat rein und mir fällt erstmal alles aus dem Gesicht, als die mich in ein Vierbettzimmer verfrachten wollen. Die Nachfrage, ob es vielleicht in der ersten Zeit aufgrund meiner Angst (die man mir ohne weiteres ansah) erstmal im Zimmer zu essen, wurde damit verneint, dass dies absolut nicht möglich wäre, aber ich könne mich ja ganz an den Rand des Speisesaals setzen. Und ich brauche doch keine Angst haben, man könne da so einiges möglich machen.

Und natürlich fühle ich mich ein bisschen selbstgefällig, mir aufgrund meiner Angst solche Extrawürste erlauben können zu dürfen. Und sicher mögen die Menschen dort auch sehr nett sein. Aber das mit dem Vierbetttzimmer trotz meiner, schon vor Wochen angekündigten Angst find ich schon ein wenig.. dreist? Es ist ja nun mal nicht so, dass ich das spontan entschied, sondern schon vor vier Wochen zur Debatte stand, als meine Sozialarbeiterin mich anmeldete. Und wenn ich mich dann auf ein Doppelzimmer einstelle, mag das vielleicht scheiße klingen, aber dann möchte ich das auch. Ich habe mich schließlich mit meiner Angst auf eine weitere Mitbewohnerin eingestellt. Und nicht auf drei. Das sich neben meinem Zimmer eine Küche befindet, ist für den Fall des „Nicht auf den Zimmern essen“-Dürfens m.E. übrigens auch ziemlich… sinnfrei.
Und nein, bestimmt ist nicht alles schlecht. Aber eben genau nicht so, wie es mir gesagt wurde. Worauf ich mich einstellte.

Und danach ging es in die Schule. Nach einigem Irren durchs Schulgebäude haben wir das Lehrerzimmer gefunden. Und gleich kam ein etwas zu forscher Mensch auf mich zu, der mich gleich mit Fragen bombadierte, in welche Fachrichtung ich den gehe und was meine Spezialisierung ist. Und ich stand dort wie angewurzelt, bemühte mich, bloß nicht anzufangen zu heulen und flüsterte mit gebrochener Stimme irgendwelches Zeug vor mich hin. Dann saßen wir auf den roten Sofa, welches vor dem Lehrerzimmer rumstand und warteten. Der verlangte Lehrer kam auch sobald, wir mein Ausbilder und meine Sozialarbeiterin unterhielten sich mit ihm, während ich elegant aparthisch dem Tisch schöne Augen machte. Und er sagte, dass er mich dann mit in die Klasse nähme und.. ich versuchte immer energischer, meine Tränen zu unterdrücken. Und während er da so saß und sagte, er würde mich dann mitnehmen, starrte ich meine Sozialarbeiterin an und schüttelte nur mit dem Kopf, während ich merkte, wie mir langsam die Tränen kamen. Sie reagierte recht geistesgegenwärtig und fragte, ob wir eben runtergehen wollen und ich eine rauchen möchte, um mich abzuregen. Und dann rennen wir zu viert da runter und ich plärre mir die Seele aus dem Leib und meine zukünftigen Mitschüler latschen an mir vorbei und… Jedenfalls war es keine sonderlich schöne Situation. ich tendiere dazu, mich extrem umzustylen, wenn ich da das nächste Mal auftauche…

Dann stand ich also da unten und versuche Leuten meine Angst zu erläutern, während mich Rotz aus der Nase läuft und sie tun zumindest verständnisvoll und irgendwann stand einfach für mich fest, dass ich das momentan nicht kann.  Dass das ein ziemlicher Overkill an Menschen ist. Und ich weiß, dass sie das nicht nachvollziehen können, aber doch irgendwie gut meinten. Und ich habe wirklich mein Bestes versucht. Aber vermutlich bringt es nichts, wenn ich mich letztendlich nur darauf konzentriere, nicht dem Fluchtreflex nachzugeben. Und auch, wenn ich das Angebot bekam, mich einfach nur berieseln zu lassen, allen zu sagen, besonders den Lehrern, dass sie mich in Ruhe lassen sollen… Ich konnte nicht. Selbst während dieser Gespräche ist der Fluchtreflex so extrem gewesen. Nein, ich bin natürlich nicht abgehauen. Und wirklich, mein Lehrer war ein absoluter netter Mensch, absolut hilfsbereit und verständnisvoll. Aber: Ich habe mir trotzdem die Räumlichkeiten zeigen lassen. War in meinem zukünftigen Klassenraum, in dem schon zwei Schüler saßen, denen ich auch Hallo sagte.Wir gingen in den Technikraum, also der Ort, wo die PCs und Macs stehen, an denen wir dann arbeiten. Und auch die Druckmaschinen schauten wir uns an.

Es hat mich immer wieder viel Kraft gekostet, zu sagen, dass ich das momentan nicht kann. Mich zu erklären. Aber hat geklappt. Und ganz umsonst war unser Besuch ja auch nicht. Zumindest weiß ich nun, worauf ich mich einstellen kann.
Momentan arbeite ich wieder wie gewöhnlich im BBW. Der nächste Block ist für Ende Oktober, Anfang November angesetzt. Ich hoffe, dass ich bis dahin meine Ängste im Griff habe. Heute hatte ich meinen ersten Termin bei der Psychologin. Dadurch, dass ich nun nicht in der Berufsschule bin, haben wir mich noch eben dazwischen geschoben. Ich habe viel geredet, wohl auch ziemlich zusammenhangslos, aber das sei nicht so schlimm, sagte sie. Wir haben etwas an meiner Schulvergangenheit rumgekaut, beruflich, alles, was so in die Richtung geht. Diese Termine finden dann nun wöchentlich statt. Sie ist eine sehr ruhige und nette Frau, gefällt mir also vom Eindruck her.

Und heute morgen hatte ich auch eine wundervoll Begegnung. Meine <3-Zwillinge und ich treffen uns morgens, bevor wir nach Blankensee fahren, immer noch am Strand. Hach, wie arg sie sich gefreut haben, mich wiederzusehen. E. kam gleich freudestrahlend auf mich zugerannt, um mich zu umarmen, S. hinterher. Schön, wirklich. Ich hab mich auch sehr gefreut, sie wiederzusehen. Und bin wirklich arg froh, die beiden kennengelernt zu haben.
Schöne letzte Worte zum Ende, oder?

Heavy Rotation.

•8. September 2012 • Schreibe einen Kommentar